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Beratungssingen

Keine Angst vor dem Berater

Fünf Männerchöre und vier gemischte Chöre aus dem Sängerkreis Zwester-Ohm und dem Sängerbund Kurhessen ließen sich am Samstagabend in Stadtallendorf von Jochen Stankewitz Tipps für ihre Arbeit geben.
Der Männerchor Ebsdorf (oben) unter der Leitung von Klaus Fillsack erntete großen Beifall und Begeisterungsrufe für seine Vorträge. Foto: Manfred Schubert

Der Männerchor Ebsdorf (oben) unter der Leitung von Klaus Fillsack erntete großen Beifall und Begeisterungsrufe für seine Vorträge.

© Manfred Schubert

Stadtallendorf. Früher hießen die Veranstaltungen „Wertungssingen“, ein Juror verteilte Noten für die Darbietungen der Chöre. Das war teilweise gefürchtet und verdarb so manchem den Spaß am Singen, obwohl es der Verbesserung der sängerischen Leistung dienen sollte.

Das scheint bei manchen immer noch so zu sein. Wie Gerhard Ruppenthal, Vorsitzender des veranstaltenden Sängerkreises Zwester-Ohm, gehört hatte, habe es zumindest in einem Chor Mitglieder gegeben, die sich vor dem Urteil so fürchteten, dass sie eine Absage erwirkten.

Dabei hieß die Veranstaltung in Stadtallendorf neutral Beratungssingen. Drei weitere Chöre fielen aus verschiedenen Gründen weg, und der ursprünglich sich ebenfalls beteiligen wollende Sängerbund Heimatland war mit einer Jubiläumsveranstaltung beschäftigt.

Somit verblieben fünf Chöre aus dem Sängerkreis Zwester-Ohm und vier aus dem Sängerbund Kurhessen, fünf Männerchöre und vier gemischte Chöre mit 139 Sängern und 82 Sängerinnen, die sich in der Stadthalle Stadtallendorf Tipps für ihre weitere musikalische Arbeit geben lassen wollten.

Jochen Stankewitz aus Hüttenberg, unter anderem Bundeschorleiter der Hessischen Chorjugend und Dozent an der Frankfurter Chorleiterschule, machte zu Beginn deutlich: „Ich bin kein Gutachter, Juror oder Kritiker. Ich bin Kollege und möchte mich als Berater verstanden wissen. Im Kreis Gießen haben wir das auch in Beratungssingen umbenannt. Ich finde es wichtig, einen Chor auf den Punkt vorzubereiten und von Kollegen Tipps zu bekommen, was man besser machen könnte.“ Wenn man unvoreingenommen vor der Bühne sitze, könne man leichter etwas ansprechen als der jeweilige eigene Chorleiter, erklärte er.

Wie bei diesen Veranstaltungen üblich, waren nur wenige Zuhörer außer den Sängern selbst im Saal anwesend. Man muss sagen, leider, denn jeder Chor hatte zwei Lieder gut vorbereitet, von Romantik bis zu moderner Popliteratur war alles dabei. Das Programm bot schöne Kontraste und die Anmerkungen von Stankewitz waren auch für Laien interessant und aufschlussreich. Er hob die Stärken der einzelnen Chöre hervor, gab Ratschläge zur Verbesserung von Tonreinheit, Rhythmik oder Dynamik oder auch zur Aufstellung des Chores: „Stellen Sie die Soprane vor die Bässe, dann werden sie von den voluminösen Bassstimmen getragen, das mögen sie gerne.“

Kritik als wohlwollende Beratung gemeint

Es gab einige besonders gelungene Vorträge, da waren sich die mit kräftigem Beifall und zum Teil sogar Begeisterungsrufen reagierenden Zuhörer und Stankewitz hörbar einig. Der Gemischte Chor „Neue Töne“ Ebsdorf, der die humorvolle „Nette Begegnung“ von Oliver Gies mit passender Choreographie präsentierte, der Männerchor Niederwald, der mit „Sieben Mädchen“ ein laut Stankewitz „tolles humoristisches Programm“ bot, oder die „nahezu perfekten“ Vorträge des MGV Ebsdorf, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der Gesangverein Hachborn, „Glee Vocal“ aus Niederklein, der Gemischte Chor Mardorf „Asini“, der Männerchor Mardorf, die Chorgemeinschaft Großseelheim und der MGV Betziesdorf waren die weiteren Chöre, die sich dem Fachmann Stankewitz vorstellten. „Ich hoffe, dass Sie die ,Kritik‘ als wohlwollende Beratung für die heimische Chorszene, die mir sehr am Herzen liegt, verstehen“, betonte Stankewitz am Ende der über zweieinhalbstündigen Veranstaltung.

Klaus Fillsack, Bundeschorleiter des Sängerbunds Kurhessen, fand, die Beratung sei sehr befruchtend gewesen, jeder habe etwas mitnehmen können.

von Manfred Schubert


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