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OP-Buchtipp: Dmitry Glukhovskys: „Metro 2035“

Kalter Krieg im U-Bahn-Tunnel

Der russische Autor Dmitry Glukhovsky legt den letzten Band seiner Endzeit-Trilogie vor. Entstanden ist ein Dark-Fantasy-Roman mit zahlreichen Andeutungen auf das heutige Moskau von 
Wladimir Putin.
Der Autor Dmitry Glukhovsky hat mit „Metro 2035“ seine Endzeit-Trilogie beendet. Fotos: Heyne Verlag, privat

Der Autor Dmitry Glukhovsky hat mit „Metro 2035“ seine Endzeit-Trilogie beendet.

© Heyne Verlag, privat

Eine traumatisierte Nation, bedroht von äußeren Feinden: Das neue Buch von Dmitry 
Glukhovsky spielt zwar im Moskau der Zukunft, aber das Russland von heute schimmert deutlich durch.

„Ich wollte die Wahl zwischen Freiheit und Unfreiheit aufzeigen – und wie gerne Menschen primitive, aber wohlklingende Lügen glauben“, sagt Glukhovsky über „Metro 2035“. Wenige Monate vor der Parlamentswahl in Russland liest sich der 784-Seiten-Wälzer teilweise wie eine Gebrauchsanleitung für das Reich von Präsident Wladimir Putin.

Der regierungskritische Autor weist solche Parallelen nicht zurück. „Das Buch ist ein Versuch, den Leser den Puls der Russen fühlen zu lassen“, sagt der 36-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Moskau. Gelassen nippt er in einem Café an einer Tasse Tee. Draußen fließt träge der Moskwa-Fluss vorbei.

Irrfahrt eines modernen Odysseus

„Metro 2035“ spielt wie die Vorgängerwerke „Metro 2033“ und „Metro 2034“ im gigantischen Netz der Moskauer 
U-Bahn. Rund 40.000 der einstmals 15 Millionen Einwohner der Hauptstadt vegetieren als Überlebende eines Atomkriegs dahin. Immer wieder brechen ideologische Konflikte aus.

Wie in den ersten beiden Bänden macht sich der junge Artjom Tschorny auf die Suche nach der Wahrheit: Gibt es Leben jenseits der geschlossenen Luken? Wer regiert die Metro wirklich? Packend schildert Glukhovsky die Irrfahrt eines modernen Odysseus. Durch Rückblenden erschließen sich Handlung und Personen meist auch ohne intensive Kenntnisse der Vorgängerwerke. Wer die beiden Bände aber kennt, für den verknüpfen sich einige bisher lose Enden.

Zwei Ereignisse hätten das Buch entscheidend beeinflusst, sagt Glukhovsky. „Da war der Massenprotest gegen Putin 2011/12 und vor allen die Krim-Krise vor zwei Jahren“, erzählt er. „Der hysterische Applaus nach dem Anschluss der Krim demonstriert die ganze Sucht vieler Russen nach Größe und Anerkennung.“ Das Gefühl, vom Westen nicht genug respektiert zu werden, sei der größte Komplex Russlands. Nicht zufällig sagt jemand im Buch: „Außerhalb der Metro würden wir aufhören, ein Volk zu sein. Wir wären keine große Nation mehr.“

Glukhovsky lehnt sich zurück auf dem lederbezogenen Stuhl. Ein Stück entfernt, vor einem großen Fenster, sitzen gut gekleidete Gäste auf Sesseln. Im Hintergrund ist Techno-Musik zu hören. An der Wand hängen Fotos von US-Schauspieler 
Steve McQueen. Wenig erinnert hier an Moskau – das Café könnte auch in Berlin stehen.

Gemischte reaktionen in Moskau

„Der Westen? Ich weiß nicht, ob wir noch auf dem Weg in den Westen sind“, sagt Glukhovsky. „Unsere Führer sagen, der Zug fährt nach Westen. Doch wir müssten Geduld haben, die Gleise hätten eine andere Spurbreite, es dauere eben. Die Menschen glauben ihnen. Und warten. Aber immer mehr scheint es, als fahre der Zug nicht nach Westen, sondern nach Osten. Nach Sibirien“, meint der Schriftsteller mit journalistischer Erfahrung etwa bei der Deutschen Welle.

Ein Politthriller ist „Metro 2035“ nicht. Glukhovsky kleidet seine Ansichten in Dialoge und Charaktere. Das Entschlüsseln könnte Lesern, die nicht vertraut sind mit dem politischen Tagesgeschäft in Moskau, Probleme bereiten. In Russland wurde das Buch gemischt aufgenommen.

Die Sinnsuche von Artjom dürfte eher jüngere Leser ansprechen. Im Unterschied zu den Vorgängerbüchern bekämpft der gescheiterte Erlöser in „Metro 2035“ aber keine Monster, sondern vor allem die Dämonen in sich selbst. Zum Schluss ist Artjom am Ende – oder am Anfang?

Mit „Metro 2033“ traf Glukhovsky 2008 den Nerv der jungen Generation. Das Buch verkaufte sich über eine Million Mal und wurde in Dutzende Sprachen übersetzt. Die Filmrechte sicherte sich Hollywood. „Ich sehe das als Gelegenheit, die Bücher bekannter zu machen“, sagt der Autor.

Manchmal scheine es ihm, als sei Literatur die letzte Bastion der Freiheit in Russland. „So lange dies so ist, nutze ich meine Chance.“

  • Dmitry Glukhovsky: „Metro 2035“, Heyne Verlag, 784 Seiten, 14,99 Euro.

von Wolfgang Jung


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