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Kino: „Fack ju Göhte 2“

„Humanistische Bildung ist out“

Wenn Erfolgsfilme fortgesetzt werden, ist das immer ein Risiko. Die 
 Macher des Kinokrachers „Fack ju Göhte“ haben den Schritt gewagt und verlegen die Schulkomödie nach Thailand.
Die Klassenfahrt fängt ja gut an: Lehrer Zeki Müller (Elyas M‘Barek) hat sich mit Schlaftabletten im Flugzeug „abgeschossen“. Foto: Constantin Film

Die Klassenfahrt fängt ja gut an: Lehrer Zeki Müller (Elyas M‘Barek) hat sich mit Schlaftabletten im Flugzeug „abgeschossen“.

© Constantin Film

Einer der größten deutschen Kinoerfolge der vergangenen Jahre geht in die mit Spannung erwartete Fortsetzung. Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin tut darin, was er auch schon in der Kinoversion seiner Erfolgsserie „Türkisch für Anfänger“ gemacht hat: Er erzählt in „Fack ju Göhte 2“ eine ganz ähnliche Geschichte nochmal – nur diesmal vor exotischer Kulisse.

Der nach den ersten pädagogischen Erfolgen etwas amtsmüde gewordene Gesamtschullehrer Zeki Müller (Elyas M‘Barek) will mit seinen Schülern auf Klassenfahrt nach Thailand. „Schnauze jetzt, oder wir fahren nach Föhr“, fährt er seine Schüler an. Chantals (Jella Haase) Reaktion: „Spanien, auch geil.“

Die Fahrt macht er allerdings nicht ganz freiwillig, sondern weil Diamanten aus seiner ersten Karriere als Kleinkrimineller durch eine Verkettung unglücklicher Umstände blöderweise den Weg nach Südostasien angetreten haben. Zeki will die Diamanten finden, den Lehrer-Job hinschmeißen und dann eine Bar eröffnen, eine „geile Bar, ‘n paar Nutten – oder was Anspruchsvolleres: Go-Gos“. Dann müsste er wenigstens nicht mehr so früh aufstehen.

So gibt er vor, dem konkurrierenden Schiller-Gymnasium mit dem überengagierten Bio-Lehrer Hauke Wölki (Volker Bruch) die thailändische Partnerschule abluchsen zu wollen – und trifft damit den Geschmack von Schulleiterin Gudrun Gerster (toll wie im ersten Teil: Katja Riemann). Ihr bester Satz: „Humanistische Bildung ist out, Erika. Veni, vidi, sorry.“

Weil Zekis Freundin und Kollegin Elisabeth Schnabelstedt (Karoline Herfurth) aber eine Wasserflasche in Handgranaten-Form in der Tasche hatte, unter Terrorverdacht steht und darum nicht ausreisen darf, findet Zeki sich mit wildgewordenen Pubertierenden zuerst mitten in Bangkok und schließlich an einem thailändischen Traumstrand wieder. Der sonst so coole Herr Müller fühlt sich langsam aber sicher überfordert: „Was ist, wenn einer stirbt?“ Er muss sich nicht nur mit einer Chantal herumschlagen, sondern auch mit angriffslustigen Affen und den Strebern vom Schiller-Gymnasium.

Der zweite Teil richtet sich an jüngere Zielgruppe

Zekis Schüler tun sich derweil mit der klassischen Bildung immer noch genauso schwer wie in Teil eins – und genau so schwer wie Zeki selbst. „Wir haben den Roman gelesen mit der Faust. Aber der war verrückt, dieser Reclam.“ Dialoge wie diese gehören zu den stärksten in dem Film, der durch die Verlagerung aus der Gesamtschule ins Paradies eine entscheidende Stärke einbüßt: Konnte sich mit Teil eins noch jeder identifizieren, der einmal eine Schule von innen gesehen hat, richtet sich der neue Film sehr viel stärker an eine jüngere Zielgruppe.

Es geht weniger um den Schweigefuchs, der die Kindheit von Generationen geprägt hat, als um Handys und Youtube-Videos, die die Generation von heute prägen. Seit Chantal gemerkt hat, dass sie nicht hochbegabt ist und darum glücklicherweise nicht studieren muss, strebt sie eine „richtige Karriere“ als Youtube-Star an. Wie sagte noch die Schulleiterin? Humanistische Bildung ist schließlich out.

Die Fußstapfen, in die der zweite Teil treten musste, waren riesig. Schließlich haben mehr als sieben Millionen Menschen sich im Kino angeschaut, wie Aushilfslehrer Müller Schülerin Chantal anbrüllt: „Heul leise!“ „Fack ju Göhte“ genießt längst Kultstatus. Diesen wird Teil zwei wahrscheinlich noch weiter vertiefen – zumindest beim jungen Publikum.

Trotz toller Schauspieler und zahlreicher unterhaltsamer Einfälle kommt der Film an den ersten Teil nicht ganz heran. Dazu ähneln sich die beiden Geschichten auch einfach zu sehr. Über die wenig überraschende Geschichte tröstet allerdings etwas hinweg: Frauenschwarm Elyas M‘Barek, der sich seinen rund zweieinhalb Millionen Facebook-Fans ohnehin schon gerne leicht bekleidet zeigt, hat am Schluss des Films sogar noch weniger an.

  • Der Film läuft im Cineplex.

von Britta Schultejans

 

„Fack ju Göhte 2“ erhielt von den Besuchern der OP-Schnupper-Premiere im Cineplex das Prädikat: sehenswert mit der Note 3,35 (Bestnote ist 4,0).

Zuschauermeinungen:
„Lustig. Super Film.“
Christopher Emery aus Marburg

„Niveau etwas arg niedrig.“
Benjamin Lang aus Marburg

„Noch besser als der erste Teil.“
Jessica Morneweg (20) aus Marburg

„Einfach genial.“
Sonja Schmidt (49) aus Cölbe

„Super witzig. Ich scheiß auf den Lehrplan.“
Laura Kaiser (20) aus Kirchhain

„Grandiose Fortsetzung. Nach wie vor werden alle Klischees über Schüler und Lehrer mit Humor durch den Kakao gezogen. Genial.“
Marco Schmidt (18) aus Cölbe

„Einfach Hammer. So gut wie der erste.“
Janina-Kirsten Göttsche aus Hungen

Die Gewinner:
Je zwei Freikarten gehen an: Sasha Ehlich aus Lahntal, Felix Böhm aus Bürgeln, Marco Schmidt aus Cölbe, Charlotte Michalak aus Marburg und Vanessa Galinski aus Neustadt. Die Karten werden zugeschickt.
Die OP-Hitparade:
1. Der Chor – Stimmen des Herzens (3,43)
2. Fack ju Göhte 2 (3,35)
3. Straight Outta Compton (3,33)

 

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