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Kino: „Hail, Caesar!“

Hollywood liebt Hollywood

Im neuen Film der Coen-Brüder Joel und Ethan spielen George Clooney und Scarlett Johansson glänzende Stars aus der goldenen Zeit der Filmfabrik.
Eddie Mannix (Josh Brolin) sucht im Hollywood der 50er Jahre den verschwundenen Star eines Sandalenfilms. Foto: Universal

Eddie Mannix (Josh Brolin) sucht im Hollywood der 50er Jahre den verschwundenen Star eines Sandalenfilms.

© Universal

Wer einen Film der beiden Coen-Brüder Joel und Ethan schaut, der taucht ein in eine ganz eigene Welt: Bei den Coens tritt die Geschichte oft hinter einer Stimmung zurück; als Zuschauer ist es hinterher teilweise schwerer, viel zum Inhalt wiederzugeben. Stattdessen bleibt mehr das Gefühl beim Schauen in Erinnerung.

Auch beim neuen Projekt der seit drei Jahrzehnten erfolgreichen Brüder war eine solche Richtung schnell ausgemacht. „Hail, Caesar!“ galt in den USA schon vor drei Jahren als „Liebesbrief an das Hollywood der 1950er Jahre“. Passend also, dass ein Film über Filme zum Eröffnungswerk der diesjährigen Berlinale auserkoren wurde.

Im Zentrum steht Eddie Mannix, ein typischer Coen-Charakter, knautschig und souverän von Josh Brolin gespielt. Mannix ist im Filmstudio Capital Pictures einer der Bosse und kümmert sich um Produktionsverzögerungen in Mexiko genauso leidenschaftlich wie um die außerehelichen Affären seiner neurotischen Starlets. Als Baird Whitlock (George Clooney), eines der Zugpferde seines Studios, entführt wird, gerät die Produktion des Sandalenfilms „Hail, Caesar!“ ins Stocken, und Brolin macht sich auf die Suche.

Der Film macht einfach Spaß

So weit die flotte Exposition nach rund einer Viertelstunde Film – doch spätestens dann beginnt auch hier wieder das typische Coen-Spiel, und eine Stimmung tritt in den Vordergrund: Die Zuschauer lernen das Spitzenpersonal des Studios Stück für Stück als Nummernrevue kennen, jede einzelne Rolle ist dabei exzellent besetzt. Für den im Original mit breitem texanischen Akzent knarzenden Alden Ehrenreich dürfte seine Rolle als Western-Herzensbrecher Hobie Doyle der Durchbruch werden. Andere müssen nichts mehr beweisen, sondern unterhalten einfach nur. Das gelingt sogar sehr gut.

Den Zuschauern bereitet es schlicht Spaß, Channing Tatum bei einer perfekt choreografierten Stepptanznummer zu sehen. Es ist amüsant, dass Scarlett Johansson längst nicht die herzensreine Schwimm-Revue-Unschuld ist, die ihr Charakter DeeAnna Moran verkörpert. Und Brolins Verhandlungen mit drei Kirchenvertretern über möglicherweise anstößige Szenen im Bibel-Film sind ein fein ironischer Kommentar auf den Teil Hollywoods, in dem Geschäftssinn auf Prüderie trifft.

„Wie immer bei den Coens passiert mehr, als es zunächst den Anschein hat“, schrieb die Kritikerin der „New York Times“. Inmitten all des Superstar-Show-Reigens und der mosaikhaften Story ist aber nicht immer klar, worin dieses „mehr“ bestehen soll. Hinweise können da lediglich einzelne Szenen liefern: Brolin etwa weist an einer Stelle Clooney zurecht, doch gefälligst seine Rolle im Showgeschäft zu akzeptieren und zu unterhalten. Andernorts verlässt ein Star den Film, um sich Kommunisten anzuschließen.

All das deutet es an: Manchmal muss man sich in den Dienst einer höheren Sache stellen, selbst wenn deren Zeit abgelaufen scheint. Für die Filmkunst der Coens dürfte das nicht gelten. Ihr nächstes Projekt wird „Suburbicon“ sein, eine Krimigeschichte in einer Kleinstadt der 1950er Jahre mit Matt Damon und Julianne Moore in den Hauptrollen – garantiert wieder mit skurrilem Rahmen und bunt mäandernder Story.

von Christian Fahrenbach

 

„Hail, Caesar!“ erhielt von den Besuchern der OP-Schnupper-Premiere im Cineplex das Prädikat: sehenswert mit der Note 3,07 (Bestnote ist 4,0).

Zuschauermeinungen:
„Perfekte Liebeserklärung ans Kino und den einzig wahren Gott: Zelluloid.“
Christian Koch (26) aus Masserberg

„Sehr amüsant und super Besetzung. Sehr gute Rekonstruktion der alten Filme.“
Julia Zimmermann (25) aus Gießen

„Er war nicht sehr spannend, hatte aber eine gute Story.“
Elodie Schreiber aus Biedenkopf

„Beste Atmosphäre und erstklassiges Storytelling mit der richtigen Würze an Selbstironie.“
Vincent Domy (19) aus Biedenkopf

„Lässiger Film.“
Ines Schmidt (24) aus Reddehausen

„Tolle Atmosphäre und ein grandioser Einblick in das Hollywood der 50er.“
Simon Specht (17) aus Hatzfeld

„Humor zum Schmunzeln.“
Cedrik Scvhmidt aus Reddehausen

„Auf so eine Story muss man erst mal kommen.“
Peter-Jonathan Pracht aus Buchenau

„Wunderbar! Intelligent, leicht, liebenswerte Darsteller!“
Dodo Taubner aus Stadtallendorf

Die Gewinner:
Je zwei Freikarten gehen an: Carolin Schulte aus Marburg, Manfred Galli aus Wetter, Nicole Hohm aus Marburg, Ines Schmidt aus Reddehausen und Dodo Taubner aus Stadtallendorf. Die Karten werden zugeschickt.

Die OP-Hitparade:
1. Deadpool (3,65)
2. Carol (3,62)
29. Hail, Caesar (3,07)

 

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