Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
Hollywood im „La La Land“-Fieber

Musical räumt Golden Globes ab Hollywood im „La La Land“-Fieber

„La La Land“ kann nach den Golden Globes nun gelassen den Oscars entgegenblicken. Die deutsche Tragikomödie „Toni Erdmann“ ging leer aus. Im Rampenlicht stand auch Meryl Streep.

Voriger Artikel
Vom Skandalprojekt zum Wahrzeichen
Nächster Artikel
Artur Molin erinnert an
 David Bowie

Besetzung und Macher des Films „La La Land“ während der 74. Verleihung der Golden Globe Awards auf der Bühne in Hollywood.

Quelle: Paul Drinkwater/NBC/AP/dpa

Los Angeles. Knallharte Töne von Meryl Streep, sanfte Melodien von der Musical-Romanze „La La Land“: Die Golden-Globe-Gala hat mit einer scharfen Kampfansage gegen Donald Trump aufgerüttelt, zugleich entführte die Trophäen-Show mit einem neuen Rekordhalter und charmanter Nostalgie in längst vergangene Hollywoodzeiten.

Eindringlich, wie man sie aus ihren besten Rollen kennt, trat Meryl Streep in der Nacht zu Montag auf die Bühne. Sie nahm den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk in Empfang. Statt ­einer Dankesrede hielt die Schauspielerin dann ein leidenschaft­liches Plädoyer gegen den künftigen US-Präsidenten Trump. „Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“, warnte die bekennende Demokratin und spielte auf eine Wahlkampfrede an, bei der Trump die Bewegungen eines körperlich behinderten Journalisten nachgeäfft hatte.

„La La Land“ stellt Rekord auf

Fast sechs Minuten lang redete Streep ruhig und mahnend, einigen prominenten Gästen standen Tränen in den Augen. Streep betonte: Alle hier im Saal zählen zu den von Trump verunglimpften Gesellschaftsgruppen – Ausländer, Hollywood und Journalisten. Trump solle sich hüten, alle Ausländer und Außenseiter hinauszuwerfen. Dann gäbe es nichts mehr zu schauen außer Football und Kampfkünste, „und das ist keine Kunst“.

Die filmische Sensation des Abends war „La La Land“: Das romantische Musical legte in der Nacht zum Montag einen Höhenflug hin, wie es kein anderer Film in der 74-jährigen Globe-Geschichte geschafft hat. Das Werk von Hollywoods neuem Wunderkind, dem gerade 31 Jahre alten Regisseur und Drehbuchautor Damien Chazelle, war sieben Mal nominiert gewesen – und gewann sieben Hauptpreise, darunter in der Kategorie „beste Komödie/Musical“ und mit seinen singenden und tanzenden Hauptdarstellern Emma Stone und Ryan Gosling. Das ist ein Rekord, nie zuvor wurde ein einzelner Film mit so vielen Golden Globes ausgezeichnet.

In „La La Land“ tanzen sich zwei romantische Träumer, ein Jazzpianist und eine angehende Schauspielerin im heutigen Los Angeles, in die Herzen der Kinozuschauer. Es ist ein Gute-Laune-Film mit Tiefgang, der an alte Hollywood-Musicals erinnert und um den die Studios anfangs einen großen Bogen machten. Sechs Jahre kämpften die Macher darum, Geldgeber zu überzeugen. Chazelle, von seinem Erfolg sichtlich überwältigt, dankte dem Studio Lionsgate, das „Risiko“ schließlich doch eingegangen zu sein.

„Toni Erdmann“ hofft nun auf Oscar-Nominierung

Bei der OP-Vorpremiere am 28. Dezember kam das Musical mit einer Wertung von 3,21 ebenfalls gut an. Der Film startet jetzt am Donnerstag in den Filmkunsttheatern am Steinweg.
Den Hauptpreis für das beste Filmdrama holte das Independent-Drama „Moonlight“ des afroamerikanischen Regisseurs Barry Jenkins mit einer überwiegend schwarzen Besetzung. Die Afroamerikanerin Viola Davis gewann den Nebenrollen-Globe für ihren bewegenden Auftritt als loyale Ehefrau in dem 50er-Jahre-Drama „Fences“ über einen schwarzen Arbeiter.

Genau diese Auszeichnungen sind auch in Hinblick auf die Oscars bemerkenswert, immerhin gelten die Globes als wichtiges Barometer für die Academy Awards. Bei der Oscar-Show 2016 war die Entrüstung groß gewesen, nachdem die Filmakademie zum zweiten Mal hintereinander keine Schwarzen in den vier begehrten Schauspielerkategorien der weltweit wichtigsten Filmpreisverleihung nominiert hatte. Die Academy reagierte auf die Kritik und kündigte „historische Maßnahmen“ an, die Vielfalt in den eigenen Reihen zu verstärken.

Ob die #OscarsSoWhite-Kontroverse in diesem Jahr ausbleibt, wird sich am 24. Januar zeigen: Dann werden die Oscar-Nominierungen verkündet. Bis dahin bleibt die Trophäensaison auch für die deutsche Regisseurin Maren Ade spannend. Ihre Vater-Tochter-Geschichte „Toni Erdmann“ unterlag in der Sparte „bester nicht-englischsprachiger Film“ bei den Globes zwar dem französischen Werk „Elle“. Ades Tragikomödie hatte es im Dezember allerdings mit acht weiteren Kandidaten in einer Vorauswahl auf die Oscar-
„Shortlist“ geschafft – „Elle“­ blieb dabei auf der Strecke. Wenn „Toni Erdmann“ es nun noch auf die Liste der fünf Finalisten schafft, dann könnte Ade bei der Oscar-Gala am 26. Februar doch noch in Hollywood siegen.

von Barbara Munker

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr