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Kinostart: „Suffragette“

Historischer Kampf für Frauenrechte

„Suffragette“ ist ein ­Drama über Frauenrechtlerinnen im frühen 20. Jahrhundert – prominent besetzt mit Darstellerinnen wie Carey Mulligan und Meryl Streep.
Violet Miller (Anne Marie Duff), Maud Watts (Carey Mulligan) und Edith Ellyn (Helena Bonham Carter) kämpfen im frühen 20. Jahrhundert für das Wahlrecht der Frauen. Foto: Concorde

Violet Miller (Anne Marie Duff), Maud Watts (Carey Mulligan) und Edith Ellyn (Helena Bonham Carter) kämpfen im frühen 20. Jahrhundert für das Wahlrecht der Frauen.

© Concorde

Es gibt in diesem ohnehin recht aufwühlenden Film eine Szene, die zu den traurigsten dieses Kinowinters gehört:

Protagonistin Maud Watts, gespielt von der Britin Carey Mulligan, muss miterleben, wie ihr geliebter Sohn gegen ihren Willen von einem fremden Ehepaar adoptiert wird. Eine der vielen Entbehrungen, die die Frauen erleiden müssen, denen dieser Film ein beeindruckendes Denkmal setzt.

Es geht um die sogenannten Suffragetten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in England um das Wahlrecht für Frauen streiten und mit teils militanten Mitteln kämpfen. An Mulligans Seite spielen in diesem von einer Frau (Sarah Gavron) inszenierten, von einer Frau geschriebenen und von Frauen produzierten Drama bekannte Darsteller wie Helena Bonham Carter, Brendan Gleeson und nicht zuletzt Meryl Streep.

Engagement könnte Ehe gefährden

Hauptfigur Maud führt ein zwar zufriedenes Leben mit Sohn und Ehemann (Ben Whishaw). Seit ihrer frühen Kindheit aber muss sie in einer feuchtkalten Wäscherei ihr Brot verdienen. Dass ihr Vorgesetzter ein übergriffiger Sexist ist, kommt noch dazu.

Politisch hat sich Maud Watts bisher nicht engagiert. Als sie mitten in der englischen Hauptstadt aber in einen Aufstand von Frauenrechtlerinnen gerät, weckt dies bei der zierlichen und noch recht jungen Mutter das Interesse für die Anliegen der Suffragetten.

Maud ist hin- und hergerissen: Einerseits erkennt sie, dass es so nicht weitergeht, andererseits muss sie in zunehmendem Maße um ihre Ehe fürchten. Ihr Mann hat keinerlei Verständnis für die Aktionen der Suffragetten unter Führung der im Untergrund lebenden Emmeline Pankhurst (Meryl Streep). Es sind charismatische Frauen wie Pankhurst, die schließlich dazu führen, dass sich auch Maud radikalisiert und bald erstmals im Gefängnis wieder findet.

Carey Mulligan ist eine Darstellerin, die das ohnehin tolle Ensemble von „Suffragette“ mit ihrer Leistung noch überstrahlt. Und das liegt nicht nur daran, dass der Film ihr den größten Teil seiner Aufmerksamkeit schenkt. Die 30-jährige Britin, deren Karriere in den vergangenen fünf Jahren mit Filmen wie „Drive“ und „Der große Gatsby“ ordentlich an Fahrt gewonnen hat, überzeugt in wirklich jeder Szene mit ihrem nie auf- und doch stets eindringlichen Spiel.

Zu wenig Leinwandzeit für Meryl Streep

Es ist berührend mit anzusehen, wie Mulligan als Maud Watts gleichzeitig um ihre ihr langsam entgleitende Familie und die Rechte der Frauen ringt. Begeisterung in der einen, weicht bei Mulligan glaubwürdig völliger Verzweiflung in der nächsten Szene.

Helena Bonham Carter ist wunderbar als resolute Frau eines Apothekers. Ein wenig sonderbar indes ist der kurze, ein paar Minuten dauernde Auftritt von Meryl Streep. Dass die von so vielen verehrte Grande Dame des Kinos mit nur so wenig an Leinwandzeit nach Hause geht, dürfte manche Fans bitter enttäuschen.

Dass dies kein Film über ein rein historisches, ein abgeschlossenes Thema ist, macht „Suffragette“ in seinem Abspann auf sehr wirkungsvolle Weise deutlich. Der Abspann nämlich zeigt eine Liste mit Ländern und dem jeweiligen Jahr, in dem diese das Wahlrecht für Frauen eingeführt haben. Die Liste reicht bis ins gerade vergangene Jahr: 2015 durften Frauen in Saudi-Arabien erstmals an Wahlen teilnehmen.

Und so handelt es sich bei diesem famos besetzten, bündig inszenierten, angesichts des komplexen Themas mit 106 Minuten nicht besonders lang geratenen Film um mehr als nur ein historisches Drama. Das Werk ist genauso Unterhaltung wie eine tiefe Verbeugung vor der Leistung und den Entbehrungen der Suffragetten. Zugleich funktioniert „Suffragette“ auch als dringliche Erinnerung daran, dass umfassende Frauenrechte auf globaler Ebene noch keine Selbstverständlichkeit sind.

  • Der Film läuft im Filmkunsttheater am Steinweg.

von Matthias von Viereck


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