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OP-Buchtipp: Christoph Gutknecht: „Gauner, Großkotz ...“

Gutknecht redet Tacheles

Die deutsche Sprache ist nicht nur voll von Anglizismen, sondern auch reich an Jiddismen. 
Ausgesuchte deutsch-
jiddische Wortgeschichten bringen Licht ins Dunkel.
Der Hamburger Linguist Christoph Gutknecht stellt jiddisch- oder hebräisch-stämmige Wörter und Wendungen vor, die ganz selbstverständlich im Alltag benutzt werden. Foto: be.bra verlag

Der Hamburger Linguist Christoph Gutknecht stellt jiddisch- oder hebräisch-stämmige Wörter und Wendungen vor, die ganz selbstverständlich im Alltag benutzt werden.

© be.bra verlag

Nur den wenigsten Sprechern ist der Ursprung bewusst, wenn sie beispielsweise von den Macken ihrer Mitmenschen, Miesen auf dem Konto oder manchmal vielleicht echten Stuss erzählen.

Wer zu einem Experten geht und von ihm einen Rat „für lau“ bekommt, darf sich freuen: Er kann sein Geld behalten. Anders als wenn von einer Temperatur die Rede ist, leitet sich das Adjektiv „lau“ in diesem Zusammenhang aus dem Jiddischen „lo“ ab und das bedeutet schlicht und einfach „nichts“ oder „ohne“.

Der Hamburger Linguist und Autor Christoph Gutknecht kann aus einem reichen Fundus schöpfen: In seinem Buch „Gauner, Großkotz, kesse Lola“ stellt er uns jede Menge jiddisch- oder hebräisch-stämmige Wörter und Wendungen vor, die wir – in der Regel ohne über ihre Herkunft nachgedacht zu haben – ganz selbstverständlich im Alltag benutzen. Nicht selten haben sie eine lange etymologische Reise hinter sich und bereichern die deutsche Sprache ungemein. Wien und Berlin waren einst ihre Haupteinfallstore.

Locker im Ton und mit nicht selten humorigen Belegen

Aus seiner Zeit als Hochschullehrer weiß der emeritierte Professor offenbar nur zu gut, dass es hilft, Fakten und komplizierte Sachverhalte möglichst unterhaltsam zu präsentieren. Er hält sich deshalb auch nicht mit einem langen Vorwort zu Methode und Theorie auf, sondern beginnt gleich, Tacheles zu reden, was in diesem konkreten Fall heißt: den Weg von der hebräischen „Vollendung“ zum deutschen 
„Klartext“ nachzuzeichnen.

Locker im Ton und mit nicht selten humorigen Belegen aus Presse und Literatur von gestern und heute untermauert, erklärt Gutknecht in 65 meist nur zwei bis drei Seiten umfassenden Artikeln unter anderem, wie aus hebräischem Kot deutscher Schund geworden ist („Tinnef“), gut betuchte Menschen nicht zwingend an ihrer feinen Kleidung auszumachen sind oder ein Großkotz nicht ständig mit Brechreiz zu kämpfen hat.

Auch wenn es am deutschen Verstand hapert, helfe Jiddisch, konstatiert Gutknecht und führt die Wörter „Macke“, „Meise“ und „meschugge“ an. Ganz nebenbei deckt er einige lang tradierte Irrtümer auf. Wer etwa annimmt, das Wort „mies“ gehe auf das lateinische „miseria“ („Elend“) zurück, ist auf dem Holzweg. Vielmehr stand hier das biblisch-aramäische Wort für „widerlich“ Pate.

Ein ausführliches Nachwort zur Entwicklung des Jiddischen und eine umfangreiche Bibliografie runden das Kompendium ab. Gutknechts Erläuterungen sind – für Fachleute wie Laien – überaus erhellend.

  • Christoph Gutknecht: „Gauner, Großkotz, kesse Lola – Deutsch-jiddische Wortgeschichten“, be.bra Verlag, 256 Seiten, 14 Euro.

von Bettina Greve


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