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OP-Buchtipp: Benedict Wells: „Vom Ende der Einsamkeit“

Großartiger Roman über einen Traum

Gibt es für jedes Unglück im Leben einen guten Ausgleich? Muss jedes Glück teuer bezahlt werden? Jules kommt zu dem Schluss: Nein!
Der junge deutsche Autor Benedict Wells hat den Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ geschrieben. Fotos: Sven Hoppe, Diogenes Verlag

Der junge deutsche Autor Benedict Wells hat den Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ geschrieben.

© Sven Hoppe, Diogenes Verlag

„Das Leben ist kein Nullsummenspiel.“ Seine 
Freundin Alva denkt da ganz anders. Und Benedict Wells, der die beiden erfunden hat, stößt den Leser seines neuen Romans „Vom Ende der Einsamkeit“ mal in diese, mal in jene Richtung.

Kein Wunder, für eine Positionierung ist Wells doch noch viel zu jung – könnte man angesichts des 1984 in München geborenen Autors denken. Doch wer die Vorgängerromane „Becks letzter Sommer“ (2008), „Spinner“ (2010) und „Fast genial“ (2011) kennt, der weiß längst, dass Wells mit seiner geistigen Reife die Lebenserfahrung eines Älteren locker wettmacht.

Um es vorweg zu nehmen: „Vom Ende der Einsamkeit“ toppt die früheren Romane und landete prompt ganz oben in den Bestsellerlisten. Wells hat eine wunderschöne Liebesgeschichte geschrieben, die gleichermaßen berührt, erheitert, traurig und froh macht.

Es ist eine Familienstory im Stil eines Entwicklungsromans, die zwar mit der Gegenwart beginnt, dann aber konsequent von hinten nach vorn erzählt wird. Hinten – das ist die Kinderzeit von Jules, Liz und Marty.

Wells selbst wertet nicht

Jules ist der Jüngste unter den Geschwistern und der Erzähler. Er bezeichnet diesen Abschnitt als Leben, „in dem unsere Eltern nicht gestorben waren“. Es ist ein Synonym für seine Sehnsucht und Suche nach Geborgenheit. Der frühe Unfalltod der Eltern, die Jahre im Internat, die Suche nach Identität, nach Liebe und Freundschaft, das Auseinanderdriften der Familie und ihre Wiedervereinigung – das alles wird so mitreißend und durch kluge Konstruktion auch spannend erzählt.

Es gibt bei großen Verlusten und tragischen Ereignissen keine sentimentalen Durchhänger, bei Erfolgen und glücklichen Momenten keine euphorischen Ausreißer. Wells wertet nicht. Das tun seine Protagonisten durch ihr Handeln und Verhalten. Es sind großartige Zeichnungen von Jules, Liz und Marty entstanden – den so ungleichen Geschwistern. Plastisch und realitätsnah. Nicht zu vergessen Alva, Jules’ Seelenverwandte.

Benedict Wells kann gut mit Worten umgehen. Und so lässt er seine Schöpfung Gedanken formulieren, die nicht nur ein gutes Zitat abgeben, sondern gleichsam „Vom Ende der Einsamkeit“ künden: „Das Gegengift zu Einsamkeit ist nicht das wahllose Zusammensein mit irgendwelchen Leuten. Das Gegengift zu Einsamkeit ist Geborgenheit.“

  • Benedict Wells: „Vom Ende der Einsamkeit“, Diogenes Verlag, 368 Seiten, 22 Euro.

von Frauke Kaberka


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