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Kino: „Im Herzen der See“

Grandios fotografiertes Film-Epos

Oscar-Preisträger 
Ron ­Howard erzählt die ­Geschichte einer unglaub­lichen Walfangmission. Das wuchtige Epos wurde von einer wahren Begebenheit inspiriert – wie der Klassiker „Moby Dick“.
Ein riesiger Wal hat das Walfangschiff Essex zerstört. Die Crew kämpft ums Überleben. Foto: Warner Bros.

Ein riesiger Wal hat das Walfangschiff Essex zerstört. Die Crew kämpft ums Überleben.

© Warner Bros.

Der weiße Pottwal Moby Dick gehört zu den großen Mythen der Weltliteratur. Herman Melville setzte ihm mit seinem gleichnamigen Roman einst ein Denkmal.

Nun berichtet US-Regisseur Ron Howard („Apollo 13“) von einer tatsächlichen, von Melville in seinem Klassiker mitverarbeiteten Begebenheit: dem Untergang des Walfangbootes Essex zu Beginn des 19. Jahrhunderts. „Im Herzen der See“ ist ein zweistündiger, imposanter Abenteuerfilm, in einer Hauptrolle besetzt mit Chris Hemsworth, bekannt durch Actionfilme wie „Thor“ und „Marvel’s The Avengers“.

Dargestellt werden die Ereignisse rund um den letzten Walfang-Trip der Essex in Rückblenden: Melville, verkörpert von Ben Whishaw („Das Parfum“), lässt sich im Film die Geschichte von einem der Überlebenden des Unglücks erzählen.

Überlebenskampf im Südpazifik

Die Ostküste der Vereinigten Staaten im Jahr 1820. Auf der in Neuengland vorgelagerten Insel Nantucket bereitet sich eine 20-köpfige Crew auf einen mehrjährigen Einsatz vor: Zurückkehren soll das Segelschiff Essex mit so viel Walöl wie möglich.

Kapitän Pollard stammt aus einer Walfängerdynastie, Steuermann Chase (Hemsworth) hat sich mühsam auf See seine Meriten verdient. Die Essex ist ein für den Walfang nicht eben großes Schiff, nach kurzer Zeit gerät die Mannschaft in einen gefährlichen Sturm. Immer stärker treten Differenzen zwischen Pollard und Chase zu Tage.

Monate vergehen bis zur ersten Wal-Sichtung, schließlich hört die Crew von einem neuen Jagdgebiet. Dass sich dort auch ein riesiger Pottwal aufhält, der die Essex versenken wird, kann die euphorisierte Besatzung nicht ahnen – von Rettungsbooten aus müssen Pollard und Chase später den Untergang ihres Schiffes mit ansehen. Im Südpazifischen Ozean beginnt ein Kampf ums Überleben.

Auch wenn Howards stimmungsvolles, fast nachdenklich inszeniertes Meeresdrama nicht in erster Linie von darstellerischen Leistungen zehrt, so machen die Schauspieler doch allesamt eine gute Figur. Der Australier Chris Hemsworth, 32 Jahre alt, gehört nicht unbedingt zu den Charaktermimen seiner Generation.

Bildgewaltig und angenehm altmodisch

Dass er aber über eine beeindruckende körperliche Präsenz verfügt, das macht er auch in diesem Werk unmittelbar deutlich: Er ist der Macher auf der Essex – ganz im Gegensatz zu Kapitän Pollard (Benjamin Walker), der sich die Zumutungen der offenen See gern in der Kajüte vom Leibe hält. Ben Whishaw gibt überzeugend den schon in jungen Jahren dem Alkohol zusprechenden Autor Melville.

Ron Howards bildgewaltiges Epos ist ein angenehm altmodisch erzähltes Stück Filmunterhaltung. Gekonnt behandelt „Im Herzen der See“ eine ganze Reihe an Themen. Keinesfalls geht es nur um den Walfang zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Zeitlose Fragen stehen zur Diskussion wie der Gegensatz von Wahrheit und Fiktion oder wie weit man als Mensch gehen darf, um das eigene Überleben zu gewährleisten?

Mit grandios fotografierten, immer wieder auf verschiedene Perspektiven setzenden Ansichten, die bisweilen anmuten wie von einem William Turner gemalt, arbeitet der Regisseur zudem die Fragilität des Menschen im Angesicht von Naturgewalten heraus.

Wenn Howard etwa nach dem Sinken der Essex die drei mickrigen Boote, in denen die Crew zu überleben versucht, aus der Vogelperspektive im direkten Vergleich mit der imposanten Größe des Wales zeigt, dann spricht aus diesem Bild eine tiefe, fast spirituelle Demut vor der Kraft des Meeressäugers. Für Freunde von Melvilles umfangreichem Opus Magnum „Moby Dick“ ist „Im Herzen der See“ ein Muss.

von Matthias von Viereck

 

 Im Herzen der See erhielt von den Besuchern der OP-Schnupper-Premiere im Cineplex das Prädikat: sehenswert mit der Note 3,27 (Bestnote ist 4,0).

Zuschauermeinungen:
„Spannend bis zum Ende.“
Sabine Otto aus Cölbe

„Super.“
Ursula Neis aus Kirchhain

„Sehr viel Action.“
Karin Schollmeier (59) aus Wohratal

„Die Wahrheit ist immer das Beste und das Wichtigste.“
Will Schollmeier (67) aus Wohratal

„Beeindruckend. Die „wahre“ Geschichte von Moby Dick.“
Katharina Krause (65) aus Marburg

„Ergreifendes Kino – fesselnd erzählt.“
Thomas Koch (47) aus Marburg

„Top.“
Matthias Hable (51) aus Kirchhain

Die Gewinner:
Je zwei Freikarten gehen an: Ursula Neis aus Kirchhain, Monika Meißner aus Marburg, Sabine Otto aus Cölbe, Martina Krein aus Kirchhain und Willi Schollmeier aus Wohratal. Die Karten werden zugeschickt.

 
Die OP-Hitparade:
1. Everest 3D (3,5)
2. Der Chor – Stimmen des Herzens (3,43)
3. Picknick mit Bären (3,43)
4. Der Marsianer (3,42)
5. Maze Runner 2 (3,38)
6. Tribute von Panem – Mockingjay 2 (3,35)
6. Fack ju Göhte 2 (3,35)
8. Straight Outta Compton (3,33)
8. The Transporter (3,33)
10. Das brandneue Testament (3,32)
11. Die Schüler der Madame Anne (3,30)
12. Im Herzen der See (3,27)
13. Königin der Wüste (3,21)
13. Bridge of Spies (3.21)
15. Birds & People (3,19)
15. Man lernt nie aus (3,19)
17. Landraub (3,18)
18. James Bond – Spectre (3,14)
19. A Royal Night (3,1)
20. Macho Man (2,97)
21. Sicario (2,85)

 

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