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Eckelshausener Musiktage

Gidon Kremer - Weltstar ohne Allüren

Ein Jahr jünger als das Schleswig-Holstein Musik Festival und ein Jahr älter als das Rheingau Musik Festival, feiern die Eckels­hausener Musiktage bis Pfingstmontag ihren 30. Geburtstag.
Zur Eröffnung der Eckelshausener Musiktage war das Atrium der Roth Werke erstmals ausverkauft. Der Grund steht in der Mitte des Fotos: Gidon Kremer, der seine Zuhörer auch schnell für sich einnahm.

Zur Eröffnung der Eckelshausener Musiktage war das Atrium der Roth Werke erstmals ausverkauft. Der Grund steht in der Mitte des Fotos: Gidon Kremer, der seine Zuhörer auch schnell für sich einnahm.

© Michael Hoffsteter

Buchenau. Die Eröffnungskonzerte der Eckelshausener Musiktage im Atrium Roth waren bisher zwar immer sehr gut besucht. Aber am Samstag war der Auftakt des Kammermusikfestivals erstmals ausverkauft. Und unter den 500 Zuhörern befanden sich einige, die mit den 30. ihre ersten Eckelshausener Musiktage erlebten. Sie folgten der Zugkraft eines großen Namens: Mit Gidon Kremer gastierte erstmals ein Weltstar in Buchenau.

Zu verdanken ist dies der Freundschaft des großen Geigers mit dem künstlerischen Leiter der Musiktage, dem Cellisten Julius Berger, aber auch der Beziehung, die Festivalkoordinatorin Mareile Zürcher zur Kronberg Academy aufgebaut hat. Dort, wo sich der hochtalentierte Streichernachwuchs von den Meistern der Zunft inspirieren lässt, zählt sie zum Leitungsteam. Dort wirkt auch das Kammerorchester Kremerata Baltica, das Kremer sich 1997 zu seinem 50. Geburtstag „schenkte“, als „Orchestra in residence“.

Ja, Kremer ist ein Star, aber einer ohne Allüren. Groß geworden in der Sowjetunion, hat er hautnah erfahren, was Unmenschlichkeit bedeutet, und erhebt vielleicht deshalb so unverdrossen bis heute seine Stimme „gegen Opportunismus und für Menschlichkeit“, wie es Berger formulierte. Vor zwei Jahren hatte der Cellist den von Festivalgründerin Annemarie Gottfried gestifteten und gestalteten Preis „Klang“ erhalten. Nun hielt Berger eine bewegende Laudatio auf den Musikerfreund, und die 92-jährige Vorsitzende des Fördervereins Eckelshausener Musiktage überreichte die 30 Zentimeter hohe Skulptur an Kremer mit den Worten: „Gesammelter Klang allzeit lebt von Liebe für die Menschlichkeit“, dem Motto der diesjährigen Musiktage.

Zuvor hatte Kremer das Publikum mit seinem Geigenspiel beschenkt. Ganz nach innen gerichtet und mit äußerster Zartheit spielte er Peter Tschaikowskys schwermütig-elegante Sérenade mélancolique. Und auch in Robert Schumanns a-Moll-Violinkonzert, der vom Komponisten selbst erstellten Bearbeitung seines melodien­seligen Cellokonzertes, baute Kremer ganz auf kammermusikalische Dezenz, ließ seine Violine betörend singen und verzichtete auch in den atemberaubend mühelos gemeisterten virtuosen Passagen auf jede plakative Zurschaustellung - dies alles im idealen Zusammenspiel mit den seidigen Glanz und opulente Klangfülle zugleich aufweisenden Elitestreichern der Kremerata Baltica.

Als Zugabe gibt es ein Prélude

Als Zugabe musizierte Kremer ein Prélude von Mieczyslaw Weinberg, der wie sein Lehrer Dimitri Schostakowitsch von den Sowjets verfolgt wurde und dessen Schaffen erst seit wenigen Jahren zunehmende Würdigung erfährt.

Die Leitung seines Orchesters überließ Kremer nach der Pause dem erst 20 Jahre alten litauischen Dirigenten Martynas Stakionis. Er beflügelte das Orchester mit jugendlichem Überschwang zu einer furiosen Wiedergabe von Ludwig van Beethovens f-Moll-Streich­quartett op. 95, dem der Spätromantiker Gustav Mahler das sinfonische Gewand maßgeschneidert hat.

Nächstes Konzert am Dienstag mit Julius Berger

Als Entdeckung erwies sich danach das Nonett Nr. 2 des 1967 geborenen Finnen Olli Mustonen. Vor elf Jahren war der Starpianist beim Publikum des Marburger Konzertvereins ob seiner exzentrischen Interpretationskunst nicht nur auf Zustimmung gestoßen. Von dieser Exzentrik findet sich in seiner Komposition keine Spur. In den schnellen Ecksätzen erweist Mustonen den Meistern des Barock und der Klassik seine Reverenz, im zentralen romantisierenden Nachtstück unter anderem seinem großen Landsmann Jean Sibelius. Nach dem elektrisierenden Vivacissimo-Finale ruhten die begeisterten 500 Zuhörer nicht, bis Stakionis und die Kremerata Baltica den zweiten Satz aus Claude Debussys g-Moll-Streichquartett zugaben.

Am Dienstag widmet sich Festivalleiter Julius Berger (Cello) gemeinsam mit Linus Roth (Violine), Wenting Kang (Viola), Margarita Höhenrieder (Klavier) und Marie Tremblay-Schmal­hofer (Sopran) ab 20 Uhr im Rathaus Biedenkopf dem Schaffen von Franz Xaver Mozart, jüngster Sohn des großen Wolfgang Amadeus.

von Michael Arndt

[Uwe Badouin]

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