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Kinostart: „69 Tage Hoffnung“

Film mit Starbesetzung über „das Wunder von Chile“

Selbst ein sehr fantasiebegabter Drehbuchautor hätte sich diese Geschichte nicht ausdenken können. Nun kommt das Drama von Chile ins Kino.
Eine wahre Geschichte: In 700 Metern Tiefe hoffen die Bergarbeiter auf Rettung. Foto: Douglas Kirkland /Alcon Entertainment

Eine wahre Geschichte: In 700 Metern Tiefe hoffen die Bergarbeiter auf Rettung.

© Douglas Kirkland /Alcon Entertainment

33 chilenische Bergleute werden im Sommer 2010 in einer Mine verschüttet, bleiben 69 Tage lang in fast 700 Metern Tiefe eingeschlossen, und werden dann einzeln mit einer Rettungskapsel wieder ans Tageslicht gebracht – körperlich in passablem Zustand. Über den Seelenzustand der Kumpel konnte man nur spekulieren.

Der hochkarätig besetzte, aber konventionell inszenierte Spielfilm „69 Tage Hoffnung“ der mexikanischen Regisseurin Patricia Riggen erzählt diese bewegende Rettungsaktion berührend nach, und setzt dabei vor allem auf die Strahlkraft seiner renommierten Darsteller.

Fragen nach der Schuld und politischen Verantwortung für das Unglück klammert dieses Heldenepos, zu dem der 2015 verstorbene „Titanic“-Komponist James Horner die pathetische Filmmusik geschrieben hat, weitgehend aus.

Allen voran ist es Antonio Banderas, der in der Rolle des charismatischen Leitwolfs Mario Sepúlveda das Grubendrama dominiert. Dieser Bergmann ohne Furcht und Tadel hält die Gruppe der Eingeschlossenen zusammen und verteilt gerecht die spärlichen Essensrationen, bestehend aus etwas Milch und Dosen-Thunfisch.

Kritischen Zwischentöne fehlen

Über Tage kämpft derweil ein Team von Experten mitten in der Atacama-Wüste mit Spezialbohrern darum, die Eingeschlossenen zu befreien. An ­dieser Front darf dann der Ire Gabriel Byrne als Rettungsleiter Andre Sougarret glänzen, unterstützt von dem verständnisvollen Ministeriumsbeamten Laurence Golborne, gespielt vom Frauenschwarm Rodrigo Santoro.

Ihnen zur Seite steht dann noch Haudegen James Brolin als US-amerikanischer Katastrophenhelfer. Angetrieben werden die Männer von den Familienmitgliedern der Kumpel, die sich im „Camp der Hoffnung“ an der Grube zusammengefunden haben. Als unerschrockene Wortführerin Maria Segovia geht Oscarpreisträgerin Juliette Binoche auf die Barrikaden.

Leider fehlen dem Film die kritischen Zwischentöne. Riggens heroisches Drama interessiert sich nicht für die Schlamperei der Bergwerksbetreiber, die ­Profit weit über Grubensicherheit gestellt hatten. Während des Abspanns sieht man zum ersten Mal die echten Bergleute am Strand.

Sie feiern und umarmen sich, aber in ihre Gesichter hat sich das Trauma der 69 Tage eingeschrieben. Grund zum Jubeln haben sie nicht: Erst zum vierten Jahrestag der Rettung hat die Regierung Chiles jedem der 33 eine monatliche Rente von gut 400 Euro zugesprochen, die Hälfte ihres Einkommens als Arbeiter in der Mine.

von Johannes von der Gathen


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