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Kinostart: „Gleißendes Glück“

Feuilleton trifft auf heftigen Porno

Wenn Ulrich Tukur vom „Fickparasiten“ spricht und Martina Gedeck die Schamhaare stutzt, könnten Zuschauer meinen, sie seien im falschen Film.
Eduard (Ulrich Tukus) und Helene (Martina Gedeck) sind extrem unterschiedlich – aber sie kommen sich näher. Foto: Wild Bunch

Eduard (Ulrich Tukus) und Helene (Martina Gedeck) sind extrem unterschiedlich – aber sie kommen sich näher.

© Wild Bunch

Aus dem Mund eines mehrfach ausgezeichneten Schauspielers klingen die Worte „Möse“ und „Fickparasit“ im ersten Moment überraschend derb. Ulrich Tukur stöhnt sie in seiner Rolle als Psychologieprofessor Eduard Gluck förmlich durchs Telefon.

Auf der anderen Seite der Leitung: Martina Gedeck als streng katholische und unglücklich verheiratete Helene 
Brindel. Sie legt auf. Der Film „Gleißendes Glück“ ist ein großartiges Stelldichein der beiden Schauspiel-Asse, die ihr Können perfekt ausspielen.

Brindel wirkt blass und traurig. Sie presst ihrem Mann allmorgendlich den Orangensaft, schmiert ihm Butterbrote, sitzt ruhig am Tisch. Er ist cholerisch, findet, sie verkaufe sich unter Wert, mache sich klein – und er verprügelt seine Ehefrau. Bis Blut fließt. Zu allem Überfluss fühlt sie sich von Gott verlassen.

„Ich habe vor, normal zu werden“

Die gebeutelte, aber auf ihre Weise starke Frau hört im Radio von Gluck und sucht das Gespräch mit dem Psychologen. Der ist das komplette Gegenteil, strotzt vor Selbstbewusstsein. Erst nach und nach bröckelt die lockere und charmante Fassade. Zunächst findet sie auf seinem Rechner Sexfilme, angeblich Studienmaterial.

Als er dann sprichwörtlich alle Hüllen fallen lässt, offenbart er ihr im heftigsten Pornosprech seine sexuellen Fantasien. Sie ist empört, bricht den Kontakt ab. Nach langer Zeit geht sie wieder in die Kirche und betet: „Hast du das gemacht?“ Er schreibt ihr Briefe: „Ich habe vor, normal zu werden. Das klingt beunruhigend, nicht?“

Mit der Zeit wird das Verhältnis zwischen den beiden dann auch wieder inniger. Unweigerlich werden die Zuschauer mit den Fragen konfrontiert: Wie viel Anstand muss zwischen zwei Menschen herrschen? Wie viel Tabubruch ist moralisch erlaubt? Und welche Rolle spielen dabei Glaube und Religion?

Regisseur Sven Taddicken, der das Drehbuch nach dem Roman von Alison Louise Kennedy schrieb, setzt die Kontraste gut in Szene: Brindel lebt auf dem Land, zwischen Lattenzaun und Obstbäumen. Die Treffen mit Gluck finden in Großstädten statt, in großen Foyers und vor Sexshopschaufenstern.

Während es zwischen den beiden immer besser läuft, zerbricht Brindels Ehe vollends. Bildlich setzt Taddicken das in einer Art Kampfszene um, in der allerdings die handelnden Personen fehlen. Ein Tisch geht zu Bruch, Gegenstände fallen zu Boden. Am Ende sagt Brindel: „Ich habe es durchgestanden. Ich lebe. Ich glaube an etwas.“

  • Der Film läuft ab diesem Donnerstag im Filmkunsttheater am Steinweg.

von Marco Krefting


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