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Landestheater, FSK 16

Exklusiv: Der Spot über den alle reden

„Wie im echten Leben - nur schlimmer“ - heißt es im neuen Kinowerbespot, mit dem das Hessische Landestheater neue Besucher gewinnen will. Die Freiwillige Selbstkontrolle war nicht amüsiert und gab den Spot erst ab 16 Jahren frei.
Ein Parkplatzstreit endet im Werbespot des Hessischen Landestheaters blutig. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft gab ihn erst ab 16 Jahren frei. Foto: Landestheater

Ein Parkplatzstreit endet im Werbespot des Hessischen Landestheaters blutig. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft gab ihn erst ab 16 Jahren frei.

© Landestheater

Marburg. Das Hessische Landestheater will seine Werbeanstrengungen verstärken. Um eine neue Zielgruppe zu erreichen, hat Intendant Matthias Faltz mit Kameramann Paul Faltz und 23 Statisten einen Werbespot gedreht, der in Marburger Kinos gezeigt werden und neue Besuchergruppen auf das Theater neugierig machen soll. Gut 200 Besucher sahen den 45 Sekunden langen Clip bei der Spielzeiteröffnung am Samstag nach der Premiere von „Woyzeck“.

Vom Theaterpublikum, das auf der Bühne keine Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) kennt, gab es Applaus, von der FSK eine dunkelgelbe Karte: Freigegeben ab 16. Für das Theater ist dies eine mittlere Katastrophe, denn nach einer Statistik der Marburger Kinos haben nur rund 20 Prozent der Filme eine solch hohe Altersfreigabe.





 
 
 
 
 
 
 
 
 


 
 

Nur zwei FSK-16-Filme laufen derzeit in Marburg

Aktuell laufen in Marburg gerade mal zwei Filme mit FSK 16: der Horrorfilm „Erlöse uns von dem Bösen“ und der Ballerfilm „Expendables 3“. Ab Donnerstag starten mit Altersfreigabe 16 zusätzlich der Horrorthriller „Katakomben“ und „Maps to the Stars“ - laut dpa ein Film über „Drogen, Geldgier, Geister, Halluzinationen und Inzest in Hollywood“.

Der Spot zeigte eine Szene aus der Oberstadt: Ein Umzug nach Marburg steht an. Ein Studentenpärchen, gespielt von den Ensemble-Mitgliedern Victoria Schmidt und Tom Bartels, hat sich im vollgepackten VW-Bus bis zu einer kleinen Parklücke durchgeboxt, die kurzerhand von einer alten Dame mit einem roten Kleinwagen blockiert wird. Der junge Fahrer rastet aus, die nette alte Dame - gespielt von Ute Mehnert von der Marburger Seniorenunion - öffnet das Fenster, zückt ein doppelläufiges Gewehr und drückt ab. Schnitt: Der Student liegt in einer Blutlache. Dann folgt der sprachliche Gag: „Wie im echten Leben - nur schlimmer. Das Hessische Landestheater Marburg.“

Die FSK mochte den Witz nicht. „Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet“, sagte Intendant Matthias Faltz. Die FSK habe mitgeteilt, sobald eine Waffe zu sehen sei, sei eine Altersfreigabe unter 16 Jahren nicht angebracht, so das Theater.

Sport darf nur vor zwei Filmen laufen

Bisher waren alle Versuche vergeblich, die FSK milder zu stimmen. Zahlreiche Telefonate von der Marketingchefin des Theaters, Dr. Christine Tretow, fruchteten nicht. Rund 13000 Euro hat der Spot inklusive einer einjährigen, rotierenden Ausstrahlung in den Kinos gekostet. 7000 Euro davon spendete der Freundeskreis des Theaters, der das Theater seit 20 Jahren sowohl ideell und materiell unterstützt und etwa neue Headsets aber auch die großen Werbebanner am Theater mitfinanzierte. Der Vorsitzende des Freundeskreises, Jürgen Bandte, überreichte den Scheck mit den Worten: „Der Verein hat tief in seine kleine Tasche gegriffen.“

Die Marburger Kinobetreiberin Marion Closmann findet die FSK 16 „extrem schade“ für das Theater. Die Kinos dürften den Werbespot ausschließlich vor Filmen mit der Altersfreigabe ab 16 zeigen. Wäre die alte Dame in dem Film ein Alien, wäre dies vermutlich kein Problem für die FSK, meinte Marion Closmann: „Aber unmotivierte Gewalt, rachsüchtig gegen Menschen aus dem Alltag - ganz schlecht.“ Sie rät dem Theater, in Abstimmung mit der FSK Schnitte vorzunehmen. „Dann hätte man einen Trailer für FSK 12 und einen für FSK 16, das wäre vielleicht eine Lösung“, meint die Kinoexpertin. Dieses Verfahren sei in der Filmbranche auch keineswegs unüblich. Jeder Verleiher versuche, für seinen Film die Altersfreigabe ab 12 oder jünger zu bekommen, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen.

Schnitte allerdings, meint Christine Tretow, seien nicht möglich: „Dann gibt es den Spot nicht mehr.“

von Uwe Badouin


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