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Zum Tod von Roger Willemsen

„Ein Weltbürger im besten Sinne“

Als Fernsehmoderator, Buchautor und Produzent hat Roger Willemsen viele Jahre lang das öffentliche Leben in Deutschland mitgeprägt.
Das Foto zeigt den Autor Roger Willemsen gut gelaunt im März vergangenen Jahres auf dem Literaturfestival Lit. Cologne in Köln. Foto: Henning Kaiser

Das Foto zeigt den Autor Roger Willemsen gut gelaunt im März vergangenen Jahres auf dem Literaturfestival Lit. Cologne in Köln.

© Henning Kaiser

Hamburg/Frankfurt. Markante Gesichtszüge, gerahmt von der großen Brille – Roger Willemsen bestätigte das Klischee des Intellektuellen schon auf den ersten Blick. Als eloquenter TV-Moderator, Erfolgsautor, Publizist, Dokumentarfilmer oder auch mit Hörbüchern vereinte Willemsen so viele Talente, dass sich sein vielseitiges kulturelles und mediales Schaffen nicht auf einen einzigen Nenner bringen lässt.

Dabei blieb er stets freundlich, wurde nicht laut, bevorzugte verbal feinsinnig das Florett und nicht den polemischen Säbel. Seine Beobachtungsgabe und die Fähigkeit zuzuhören zeichneten den Vielgereisten aus – auch in seinen Reiseberichten aus vielen Ländern und von den unterschiedlichsten Orten einschließlich Interviews mit Guantanamo-Häftlingen.

Am Sonntag starb Willemsen im Alter von 60 Jahren in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg. Im August 2015 hatte er seine Krebserkrankung bestätigt und sich seitdem aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Wie bereits sein Vater verlor auch Roger Willemsen den Kampf gegen die Krankheit.

Adolf-Grimme-Preis in Gold

„Die Nachricht vom Tode Roger Willemsens hat mich zutiefst berührt und erschreckt“, bekannte SPD-Chef Sigmar Gabriel. „Deutschland verliert einen brillanten Intellektuellen, einen Weltbürger im besten Sinne und eine bedeutende Stimme unseres Kulturlebens – intelligent, pointiert, streitbar.“ Peter Schmidt von der Hamburger Autorenvereinigung betonte: „Mit ihm ging, viel zu jung, ein Meister feinsinniger und hintergründiger Formulierkunst. Ein Intellektueller, der dem Privatfernsehen in den Anfangsjahren ein kulturelles Profil gab.“

In den 1990er-Jahren feierte Willemsen große Erfolge mit mehreren innovativen Talk-Showformaten beim Pay-TV-Sender „Premiere“ und im ZDF. Als Moderator für sein Interview-Magazin „0137“ – benannt nach der Telefonvorwahl, unter der sich Zuschauer an der Livesendung beteiligen konnten – führte er mehr als 600 Interviews. Der Adolf-Grimme-Preis in Gold war Belohnung dafür.

Außerdem interviewte er für das ZDF-Format „Willemsens Musikszene“ Komponisten oder Regisseure von Weltruf wie Pierre Boulez oder Woody Allen. In der Schweiz moderierte er den „Literaturclub“, die renommierte und älteste Literatursendung im deutschsprachigen Fernsehen.

Die literarische Dimension von Kontaktanzeigen

Ein Jahr lang saß Willemsen immer wieder im Bundestag auf der Tribüne und schrieb den Bestseller „Das Hohe Haus“ (2014) über die Rituale im Parlament. Sein Fazit in einem Interview: „Mein Eindruck war, dass ich eine große Idee im Zustand ihrer Krise sehe. Es kam mir im Parlament vor wie die Begegnung mit einem Phantom: Etwas, für das Menschen gestorben sind oder im Gefängnis sitzen wie in Afghanistan, verwalten wir Deutschen im Zustand der Dekadenz.“

Bei aller geistigen Durchdringung – Humor und das Thema Liebe waren Willemsen keineswegs fremd. Noch im März 2015 beschäftigten sich er und Moderatorin Katrin Bauerfeind bei einer Lesung auf der Lit. Cologne mit der literarischen Dimension von Kontaktanzeigen.

Und im Dezember zuvor hatte er der Zeitschrift „Neon“ auf die Frage, ob er gerade verliebt sei, geantwortet: „Es ist gar nicht lange her, da dachte ich, dass ich das mit der Liebe nun hinter mir habe. Jetzt bin ich aber doch plötzlich wieder in einem aufgeregten Zustand.“ Um dann abgeklärt nachzulegen: „Verliebte Menschen imitieren nur ein Ideal, das sie irgendwo aufgeschnappt haben.“

von Matthias Hoenig


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