Navigation:
Ticket-Shop Anzeigen- und Abo-Service

OP-Buchtipp: Christoph Hein: „Glückskind mit Vater“

Ein Leben im Schatten des Erzeugers

Christoph Hein hat als Dramatiker angefangen. Seinen großen Durchbruch feierte er jedoch in den 80er Jahren als Prosa-Autor. Jetzt gibt es einen neuen Roman.
Christoph Hein schöpft für sein neues Buch aus seiner eigenen Biografie. Fotos: Jens Kalaene, Suhrkamp Verlag

Christoph Hein schöpft für sein neues Buch aus seiner eigenen Biografie.

© Jens Kalaene, Suhrkamp Verlag

„Ein neuer großer Deutschland-Roman von Christoph Hein“ – so stellt der Suhrkamp Verlag das Buch vor.

In „Glückskind mit Vater“ erzählt der vielfach preisgekrönte Autor vom Sohn eines NS-Kriegsverbrechers, den zeitlebens die Schuld des Vaters verfolgt. Eine Familiengeschichte als Zeitgeschichte, vom Kriegsende über die deutsche Teilung bis zum Mauerfall und in die Gegenwart.

Der Held Konstantin Boggosch ist für seine Mutter das „Glückskind“, weil es 1945 ein russischer Offizier nicht wagte, die hochschwangere Frau abführen zu lassen. Seinen Vater hat der Junge nie gesehen. Er wurde als SS-Brigadeführer am Kriegsende für seine Gräueltaten in Polen hingerichtet.

Kein Entkommen aus dem Schatten der Vergangenheit

Erst als Konstantin zehn ist, erzählt die unter ihrem Mädchennamen lebende Mutter ihm und dem zwei Jahre älteren Bruder die Wahrheit. In dem kleinen Städtchen im Osten Deutschlands, in dem der Vater einst ein eigenes KZ für seine florierende Gummifabrik anlegen ließ, ist die Familie in der entstehenden DDR geächtet.

Konstantin versucht immer wieder, dem Schatten zu entkommen – vergeblich. Selbst die Gruppe von Widerstandskämpfern in Marseille, die den dorthin geflohenen „boche“ (Scheißdeutschen) liebevoll aufnimmt, muss er wegen deren möglicher Erinnerung an seinen Vater verlassen.

Zurück in der DDR bleibt ihm die erhoffte Filmhochschule verschlossen, schließlich schafft er es zumindest zum Lehrer und (Fast-)Direktor. Er sei der Sohn und das letzte Opfer seines Vaters, sagt er einmal.

„Der hier erzählten Geschichte liegen authentische Vorkommnisse zugrunde, die Personen der Handlung sind nicht frei erfunden“, schreibt Hein zu Beginn. Und so berichtet der 71-Jährige in einem kühl distanzierten, fast dokumentarischen Ton. Seine Hauptfigur, inzwischen 69, ist der Ich-Erzähler des Lebensrückblicks, der sich selbst beim Tod der Mutter oder dem Bruch mit dem Bruder Emotionen kaum erlaubt.

„Antisentimentales und doch bewegend“

Nach dem gemischt aufgenommenen, fast verbitterten Roman „Weiskerns Nachlass“ (2011) knüpft Hein mit „Glückskind“ eher wieder an sein vielgelobtes Werk „Landnahme“ (2004) an, das seinen Ruf als poetischer Chronist der DDR festigte. Erneut ist es die eigene Biografie, die ihm die Vorlage für viele authentische Schilderungen liefert.

Wie sein Held, so durfte auch er einst als Sohn eines Pfarrers wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ nicht aufs Gymnasium. „Es ist ein antisentimentales Buch, und trotzdem ist man beim Lesen zunehmend bewegt“, so fasst es in einem Interview der Schauspieler Ulrich Matthes zusammen, der das Hörbuch eingesprochen hat.

Das gilt vielleicht besonders für die Rahmenhandlung, die die Beziehung des inzwischen pensionierten Lehrers zu seiner langjährigen Frau Marianne schildert. „Es gibt einfach nichts in meinem Leben, was sich zu erzählen lohnt“, sagt er nach mehr als 25 gemeinsamen Jahren zu ihr. „Gar nichts.“

  • Christoph Hein, Glückskind mit Vater, Suhrkamp Verlag, 22,95 Euro, 527 Seiten.

von Nada Weigelt


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Anzeige




Jubiläum




Wünsche




Terra-Tech




Lokschuppen-Sanierung

Lokschuppen-Sanierung: Sollten Marburger über die Umsetzung eingereichter Projektangebote abstimmen dürfen?

Sport-Tabellen




Spielerkader




zur Galerie

Fußballfotos vom Wochenende

Sonderveröffentlichungen




Spielplatz-Serie




LWL-Shop




Mit der OP durch das Gartenjahr




Blende 2016




Heimatprämie sichern!




Instagram

Meistgelesene Artikel

Schüler lesen die OP




Kommentare




OP kostenlos lesen




Der Online-Shop der OP




Städtewetter
Ihre Stadt/Ihr Ort
Tagestemperatur
°
Tiefsttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug
Ihre Wettervorschau
zur Galerie

Willkommen im Leben:

Die Transfers im Landkreis




Die OP-Serien

Mmmm, wie das duftet! Das Rezept für diesen saftigen Stollen finden Sie unten im Text. Foto: Hartmut Berge Besser Esser

Christstollen: Ein Gebäck fürs ganze Jahr

Als die OP Mike Schmidt in der Backstube besucht, riecht es nach Rosinen und Mandeln. Der 39-Jährige macht das, was seine Vorfahren schon vor rund 180 Jahren in der Vorweihnachtszeit praktizierten: Er backt Stollen. mehrKostenpflichtiger Inhalt

In 12 Schritten zum perfekten ChriststollenGalerie   



90 regionale Rezepte: Das Besser-Esser-Buch


Das Besser Esser Buch mit 70 regionalen Rezepten.

Die Grill-App der Oberhessischen Presse


Rostkost: Rezepte und Grilltechnik




  • Sie befinden sich hier: OP-Buchtipp: Christoph Hein: „Glückskind mit Vater“ – Ein Leben im Schatten des Erzeugers – op-marburg.de