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OP-Buchtipp: „Kissingers langer Schatten“

Die schmutzige Seite der Politik

Henry Kissingers Wirken prägt bis heute die US-Außenpolitik. Der Historiker Greg Grandin aber zeichnet ein düsteres Bild des US-Diplomaten.
Der ehemalige US-amerikanische Außenminister Henry Kissinger wird am 27. Mai 93 Jahre alt. Jetzt ist ein sehr streitbares Buch über sein politisches Erbe erschienen. Foto: dpa

Der ehemalige US-amerikanische Außenminister Henry Kissinger wird am 27. Mai 93 Jahre alt. Jetzt ist ein sehr streitbares Buch über sein politisches Erbe erschienen.

© dpa

Sicherheitsberater, US-Außenminister im Dienste zweier Präsidenten, Friedensnobelpreisträger – Henry Kissinger ist Politstar. Der Geschichtsprofessor Greg Grandin von der New York University zeichnet allerdings ein eher düsteres Bild von dem Ex-Diplomaten, der am 27. Mai 93 Jahre alt wird.

In seinem Buch „Kissingers langer Schatten“ beschreibt er einen gewissen
losen und machtorientierten Politiker, dessen imperiale Strategie bis heute die US-Außenpolitik prägt. Jahrzehnte nach seiner Amtszeit als Außenminister (1973 bis 1977) unter den Präsidenten 
Richard Nixon und Gerald Ford ist der „Kissingerismus“ weiter präsent.

„Dieses Buch richtet sein Augenmerk jedoch nicht auf Kissingers herausragende Persönlichkeit, sondern vielmehr auf seine herausragende Rolle bei der Schaffung der Welt, in der wir heute leben“, schreibt Grandin über seine Intention.

Desaströses Wirken im Krieg in Südostasien

Am Ende seines sehr langen Lebens, in dem er zunächst im Namen des stärksten Landes der Weltgeschichte agiert habe und dann in eine Sphäre beispielloser privater Privilegien überwechselte, habe Kissinger großen Luxus, Reichtum und öffentliche Anerkennung genossen.

„Für die Beendigung eines Krieges, zu dessen Entstehung er beitrug und dessen Dauer er neben anderen verlängerte, bekam er sogar den Friedensnobelpreis“, schreibt Grandin über Kissingers macht‑
taktisches, desaströses Wirken im Krieg in Südostasien.

In seinem rasanten Aufstieg habe der 1923 in Fürth geborene und während des Nationalsozialismus in die USA emigrierte Kissinger Nixon zu einem Wahlsieg verholfen und habe dafür auch die Verlängerung und Ausdehnung des Vietnamkriegs mitzuverantworten.

„Ein siegreicher Nixon machte ihn nicht nur zum Chef des Nationalen Sicherheitsrats, sondern instruierte ihn, jene Institutionen so umzustrukturieren, dass sie dem State Department und dem Verteidigungsministerium die Kontrolle über die Außenpolitik entzog.“ Kissinger habe in verdeckten Aktionen einen verheerenden Bombenkrieg gegen Kambodscha eingeleitet, einen illegalen Krieg gegen ein neutrales Land.

Despoten in aller Welt gestützt

Kissingers Wirken in Südostasien trug Grandin zufolge zu den großen innenpolitischen Spannungen bei, die das Weiße Haus in ein „Pulverfass“ verwandelten. Sie waren schließlich auch mit ein Ausgangspunkt für die Watergate-Affäre um Verschwörung, Manipulation sowie Amts- und Machtmissbrauch, die zu Nixons Rücktritt führten, nicht aber zu Kissingers.

Als Außenminister habe Kissinger skrupellos in aller Welt Despoten gestützt, wenn es den Interessen der USA diente. „Im Laufe der letzten zehn Jahre wurden immer mehr regierungsamtliche Schriftstücke freigegeben, die Kissingers Beteiligung an der Vertuschung von Menschenrechtsverletzungen in Lateinamerika belegen“, schreibt der Biograph.

Das Leitmotiv des Diplomaten, Wissenschaftlers und Beraters sei Härte gewesen, so Grandin. Krieg und Diplomatie gehörten untrennbar zusammen. Sei es vor 50 Jahren noch für Unrecht gehalten worden, gegen ein souveränes Land militärisch vorzugehen, so sei es heute selbstverständliches moralisches Recht, das Militär für die Verwirklichung der eigenen Ziele einzusetzen. Die USA sollten freie Hand haben. In dieser Logik seien unter anderem auch die Irak-Kriege und der Kampf gegen Terror zu sehen.

Die Aussage von Präsident Barack Obama, wer die USA bedrohe, könne sich nirgendwo auf der Welt sicher fühlen, sei eine rückwirkende Absolution. Grandin bilanziert über Kissinger: „Aber das, was er vor fast fünfzig Jahren getan hat, schuf die Voraussetzungen für die endlosen Kriege der Gegenwart.“

  • Greg Grandin: „Kissingers langer Schatten“, C.H. Beck Verlag, 296 Seiten, 24,95 Euro.

von Oliver Pietschmann


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