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Diane Keaton wird 70

Die „alte Schachtel“ aus Los Angeles

An der Seite von Woody Allen wurde Diane Keaton zum Star. Die Liste 
ihrer legendären Hollywood-Partner ist lang, aber sie heiratete nie. Jetzt wird Keaton 70 Jahre alt.
Das Foto zeigt den Hollywood-Star Diane Keaton beim Besuch des 10. Film-Festivals in Zürich im Oktober 2014. Foto: Walter Bieri

Das Foto zeigt den Hollywood-Star Diane Keaton beim Besuch des 10. Film-Festivals in Zürich im Oktober 2014.

© Walter Bieri

New York. Alles beginnt mit „Annie Hall“. 1977 schreibt Woody Allen für eine damals noch völlig unbekannte Diane Keaton die Hauptrolle in dem auf Deutsch „Der Stadtneurotiker“ betitelten Film und macht sie über Nacht zum Star.

„Meine Karriere wird immer mit Woody Allen verbunden sein“, sagte Keaton jüngst dem britischen „Telegraph“. „Ohne Woody Allen wäre das alles nicht passiert.“

Keaton gewinnt für ihre Rolle den Oscar, was sie mit dem ihr eigenen Humor kommentiert: „Eine sehr merkwürdige Erfahrung. Der Schock meines Lebens.“ Diane Keaton und Woody Allen werden über viele Jahre zu einem legendären Hollywood-Paar. Heute könne er es sich wohl gar nicht mehr leisten, sie in einem seiner Filme zu besetzen, witzelte Allen jüngst – aber Keaton winkt ab. „Ich lach mich tot. Als ob ich so viel verdienen würde. Er kann sich das leisten – soll er mich doch mal fragen.“

Fast 30 Jahre und mehr als 50 Filme nach dem „Stadtneurotiker“ gehört Keaton, die diesen Dienstag 70 Jahre alt wird, zu den gefragtesten Schauspielerinnen Hollywoods. Während Kolleginnen sich beschweren, dass es für ältere Frauen keine Rollenangebote gibt, scheint Keaton sich ihre Filmprojekte aussuchen zu können und arbeitet nebenbei auch als Regisseurin.

Dem „Annie Hall“-Stil, der sie einst berühmt machte, ist sie treu geblieben: Typ neurotische New Yorkerin mit schlabberigen Männerhosen, Westen, Krawatten und Hüten – dabei aber stets extrem nahbar. „Ich bin total normal. Von mir wurde im Leben nie viel erwartet, aber dann habe ich alle diese Möglichkeiten bekommen. Das war wunderbar.“

„Von jetzt an will ich
 nach der Realität suchen“

Geboren wurde die Tochter eines Ingenieurs und einer Hausfrau 1946 in Los Angeles, sie wuchs mit drei Geschwistern im kalifornischen Santa Ana auf. Nach der Ausbildung zur Schauspielerin am Neighborhood Playhouse in New York gibt sie schon mit 22 Jahren ihr Broadway-Debüt im Musical „Hair“. Der Durchbruch im „Stadtneurotiker“ verschafft ihr eine Rolle nach der anderen – und fast immer sind die mit Männern verknüpft.

Auf die Woody-Allen-Phase folgt die Warren- 
Beatty-Phase mit Filmen wie „Reds“ und schließlich die Al- Pacino-Phase mit dem „Paten“. „Jeder Mann war ein anderes Jahrzehnt“, sagte Keaton dem „Telegraph“. „Woody war meine Zwanziger, Warren meine Dreißiger und Al an der Grenze Dreißiger/Vierziger.“ Geheiratet hat sie keinen der drei. „Es hat keiner gefragt.“ Befreundet ist sie aber bis heute mit ihnen allen.

Aber auch ohne Mann wollte Keaton Kinder und adoptierte im Alter von 50 Jahren erst eine Tochter und dann einen kleinen Sohn. „Viele Dinge sind damals in meinem Leben passiert, die zu der Entscheidung geführt haben, zu adoptieren. Mein Vater war krank und ist gestorben. Und eine Beziehung ging zu Ende. So musste ich schauen, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen will.“ Die Mutterschaft habe ihrem Leben Sinn gegeben, sagt Keaton heute. „Ich war immer sehr mit mir selbst beschäftigt. Und das hat mein ganzes Leben verändert.“

Neben ihren Kindern und dem Film hat Keaton, die sich selbst gerne als „alte Schachtel“ bezeichnet, noch eine weitere große Liebe: Häuser. „Seit ich mit 19 nach New York gekommen bin, habe ich 46 Wohnungen und Häuser gemietet, besessen und verkauft. Mindestens“, sagte sie jüngst der Zeitschrift „Elle“. Immer noch zieht sie oft um oder baut Häuser für prominente Freunde wie Madonna um.

„Die Möglichkeiten verzaubern mich, die Träume von einem anderen Ort. Das ist eine Sucht und ein Problem, das weiß ich.“ Mit 70 will sie diese Sucht nun aktiv bekämpfen. „Immer nur seinen Träumen nachlaufen kann sehr gefährlich sein. Von jetzt an will ich nach der Realität suchen.“

von Christina Horsten


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