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Neue Literarische Gesellschaft

Die Ukraine steht im Fokus

Seit mehr als 40 Jahren prägt die Neue Literarische Gesellschaft das Literaturleben in Marburg. In der neuen Saison steht im Café Vetter die ukrainische Literatur im Mittelpunkt.
Der deutsche Autor Guntram Vesper (links) und der Slowene Ales Steger lesen bei der neuen Literarischen Gesellschaft. Fotos: Volker Poland / Jože Suhadonik

Der deutsche Autor Guntram Vesper (links) und der Slowene Ales Steger lesen bei der neuen Literarischen Gesellschaft.

© Volker Poland / Jože Suhadonik

Marburg. „25 Jahre nach Erlangung der Unabhängigkeit haben sich die neuen ukrainischen Autoren in Europa etabliert. Angesichts der gegenwärtigen Krise artikuliert sich in ihren Werken auch die aktuelle Situation“, betont der Vereinsvorsitzende Ludwig Legge.

Neben der Belletristik hat der Verein die Reihe „Uni im Café“ als zweites Standbein des Programms durchgesetzt. Es beginnt am 25. September mit 
einem Vortrag des Marburger Theologen und Philosophen Dr. Dr. Joachim Kahl, der sich des fast vergessenen deutschen Dichters und Denkers Johann Gottfried Herder (1744 – 1803) annimmt.

Ein erster literarischer Höhepunkt ist Guntram Vesper, der am 9. Oktober seinen umfangreichen Roman „Frohburg“ vorstellt. Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, entwirft Vesper ein umfassendes Bild des deutschen Alltagslebens im 20. Jahrhundert, ein Panorama aus autobiographischer Darstellung und erzählter Geschichte. Für viele Kritiker ist „Frohsinn“ ein „Mammutwerk, ein Opus magnum“. Nicht zu Unrecht werde Vesper oft mit Walter Kempowski verglichen, so Legge.

Ales Steger am 30. Oktober im Café Vetter

Eine Woche später stellen sich am 16. Oktober mit Boris Chersonskij und seiner Frau Ljudmila, beide leben in der am Schwarzen Meer gelegenen Großstadt Odessa, die ersten ukrainischen Autoren vor. Boris Chersonskij ist Schriftsteller, Übersetzer, klinischer Psychologe und Psychiater an der Universität Odessa. Er liest aus seinem Roman „Familienarchiv“. Seine Frau Ljudmila trägt Lyrik 
vor. „Familienarchiv“ ist eine 
russisch-jüdische Familiengeschichte, die durch die Tragödien des 20. Jahrhunderts führt.

Aus Slowenien kommt der 43-jährige Schriftsteller Ales Steger am 30. Oktober ins Café Vetter. Er ist der meist übersetzte slowenische Autor seiner Generation. Sein Roman „Archiv der toten Seelen“ wurde, wie Legge erklärt, von der slowenischen Kritik als Mischung aus „Bulgakow und Beckett“ gefeiert.

Professor Hermann Hofer, selbst Romancier, stellt bei Uni im Café Vetter am 6. November Stendhal, den Autor der berühmten und oft verfilmten Romane „Rot und Schwarz“ und „Die Kartause von Parma“ vor. Serhij Zhadan führt die Besucher am 11. November mitten in den heutigen Alltag in der Ukraine. In seinem Programm „Schlimm ist es zu sehen, wie Geschichte entsteht“, stellt er Gedichte und Prosa vor.

Dr. Heiko Postma ist längst Stammgast bei der neuen 
Literarischen Gesellschaft. Nach 35 Jahren Präsenz im Café 
Vetter gehöre er „längst zum Marburger Kulturleben“, betont der NLG-Vorsitzende. Postma widmet sich Theodor Fontane. Geplant sind gleich zwei Veranstaltungen zu Fontane: Am 20. November widmet sich Postma dem Schwerpunkt Balladendichtung, Wanderungen durch die Mark Brandenburg und Schottland, dem Journalisten und Theaterkritiker, bevor er im Frühjahr 2017 den großen Romancier Fontane vorstellt.

Am 1. Advent, 27. November, kommt als Kritiker des Konsumrausches noch mal Joachim Kahl mit seiner „Kleinen Philosophie des Schenkens“. Die Reihe, Marburger lesen ihr Lieblingsgedicht, findet zum 4. Mal am 4. Dezember statt. Die traditionelle Weihnachtsmatinee mit Heiko Postma beschließt das Jahr 2016.


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