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Frankfurter Buchmesse

Die Lesekultur stärken

Überwiegend muslimisch und doch tolerant: Das will Indonesien sein. Nach der Rückkehr zur Demokratie haben vor allem Frauen für den literarischen Aufbruch gesorgt. Der dunklen Vergangenheit muss sich das Land auch auf der Buchmesse stellen.
Der ehemalige Lehrer Muhammad Ridwan (links) sitzt auf seiner schwimmenden Bibliothek.Foto: Thomas Maier

Der ehemalige Lehrer Muhammad Ridwan (links) sitzt auf seiner schwimmenden Bibliothek.

© Thomas Maier

Mit 3000 Büchern an Bord schippert Muhammad Ridwan zu kleinen Eilanden, die der großen indonesischen Insel Sulawesi vorgelagert sind. Der 36-Jährige hat seinen Job als Lehrer hingeschmissen und besucht mit seiner schwimmenden Bibliothek verstreute Siedlungen auf den oft winzigen Inseln. „Die Kinder lesen am liebsten Comics“, weiß Ridwan.

Es sind solche Initiativen, die Indonesien mit seinen mehr als 17 000 Inseln dringend braucht. Die Lesekultur im 250-Millionen-Land, bevölkerungsmäßig das viertgrößte der Welt, ist unterentwickelt. Wenn es Bibliotheken in Schulen gibt, dann sind sie kümmerlich ausgestattet. Bücher sind außerdem teuer. Neben islamisch-religiöser Unterhaltungsliteratur beschränkt sich die etablierte Lesekultur auf die obere Mittelschicht in den Metropolen wie der Hauptstadt Jakarta.

„Jahrzehntelange Vernachlässigung der Bildung“

Der Auftritt als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse soll dem Land, das gerne mit der Bali-Romantik assoziiert wird, einen Schub geben. Der Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre hat Indonesien auch für den globalen Buchmarkt interessant gemacht. Die junge Bevölkerung ist hungrig nach Informationen: Bei der Nutzung der sozialen Netzwerke des Internets rangieren die Indonesier in Statistiken weltweit vorne.

„Dass die Leute nicht viel lesen, dafür ist die jahrzehntelange Vernachlässigung der Bildung verantwortlich“, sagt der Dichter Goenawan Mohamad, Organisator des indonesischen Auftritts in Frankfurt. Märchen und Sagen aus altindischen Epen sind der indonesischen Kultur seit Jahrhunderten vertraut. Doch eine gemeinsame Sprache besitzt der 1945 gegründete Staat mit seinen fast 400 Völkern und noch mehr Sprachen erst seit 1928.

Traditionell gilt die Liebe der Indonesier der Dichtung. Die moderne Literatur wurde dann zum Mittel im Kampf gegen die niederländischen Kolonialherren. Der politische Frühling nach dem Ende der Militärdiktatur 1998 hat auch der Literatur Auftrieb gegeben. Es waren vor allem Frauen, die über wirtschaftliche Ausbeutung, religiöse Bevormundung und sexuelle Emanzipation offen schrieben.

Nur wenige Übersetzungen ins Deutsche

Bekanntester Autor des Landes ist Andrea Hirata, der mit seiner Autobiografie einen Welterfolg erzielt hat. Es ist der Roman eines armen Jungen auf einer Insel, der mit seinen Freunden von der „Regenbogentruppe“ für mehr Bildung kämpft. Auch Hirata kommt zur Buchmesse – mehr als 60 Autoren schickt Indonesien nach Frankfurt und in andere deutsche Städte.

Bürokratische und finanzielle Probleme bei den Indonesiern sind daran schuld, dass zur Messe nur wenige Bücher ins Deutsche übersetzt werden. Es sind vor allem rührige Kleinverlage wie Horlemann, die sich seit Jahren um die indonesische Literatur kümmern.

von Thomas Maier


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