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Die Flucht Stefan Zweigs aus Europa

Kinostart: „Vor der Morgenröte“ Die Flucht Stefan Zweigs aus Europa

Ein hoch geschätzter Autor ist Stefan Zweig noch heute. Er war es bereits zu Lebzeiten – bis die Nazis den jüdischen Pazifisten in die Emigration zwangen.

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Der berühmte Schriftsteller und Pazifist Stefan Zweig (Josef Hader) floh bereits 1934 aus Deutschland. „Vor der Morgenröte“ zeigt verschiedene Stationen seiner Flucht.

Quelle: X-Verleih

Marburg. In einer Zeit der Massenflucht nach Europa erinnert das Filmdrama „Vor der Morgenröte“ an jene dunklen Jahre, in denen zahllose Menschen den alten Kontinent in Todesgefahr verlassen mussten.

Um dann in fremden Ländern oft ein Schicksal der Entwurzelung und neuen 
Heimatsuche zu erleiden, das nicht für jeden glimpflich ausging.

So erlebte es während der Naziherrschaft auch der österreichische Schriftsteller und 
Pazifist Stefan Zweig („Die Welt von Gestern“, „Schachnovelle“). Bereits 1934 verließ der damals schon Weltberühmte sein Land – und setzte als 60-Jähriger nach zunächst englischem Exil 1942 in Brasilien gemeinsam mit seiner zweiten Frau Lotte seinem Leben ein Ende.

Leid ist zu wenig spürbar

In ihrer zweiten Regiearbeit – nach „Liebesleben“ 2007 – folgt die Schauspielerin Maria Schrader („Aimée & Jaguar“) Zweig auf seinem Weg in die Verzweiflung. Der 50-Jährigen ist ein optisch detailfreudig-opulentes, teilweise exotisch flirrendes Zeitgeschichtswerk in vier Stationen gelungen.

Darin zeichnet der Kultstatus genießende österreichische Kabarettist und Detektiv-Brenner-Kinodarsteller Josef Hader seinen feinsinnigen und melancholischen Landsmann voller Zurückhaltung und spürbarem Respekt. Sympathisch pragmatisch-resolut erscheint daneben die einstige Fassbinder-Heroine Barbara Sukowa als Zweigs erste, nach New York ausgewanderten Ehefrau. In kleineren Rollen setzen Stars wie Matthias Brandt und Charly Hübner einige besondere Akzente.

Dennoch vermag die Fluchtgeschichte auf der menschlichen Ebene kaum so zu berühren, wie man es sich wünscht. Allzu sehr blickt Schrader von außen auf die Turbulenzen 
einer persönlichen Jagd nach 
Ruhe und geistig-seelischem Zuhause in kriegerischer Epoche.

Das Leid des Bildungsbürgers und Humanisten sowie seiner Weggenossen wird zwar benannt, ist aber weniger spürbar – von der Regie erscheinen Gedanken und Geschehnisse dabei fast wie schulbuchartig abgearbeitet. So werden Einsichten in das Innenleben der Personen behindert. Stattdessen benennen die Filmfiguren gern Autorennamen („Ich denk’ jetzt oft an Roth“) und politische Ereignisse, um eine Einordnung des Geschehens in die Historie zu gewährleisten – eine blutarme cineastische Strategie.

  • Der Film läuft im Filmkunsttheater Palette. Außerdem startet dort die französische Roadmovie-Komödie „Mikro & Sprit“.

von Ulrike Cordes

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