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OP-Buchtipp: Henning Mankell: „Die schwedischen Gummistiefel“

Die Einsamkeit, das Alter und der Tod

In seinem letzten Roman sinniert der 2015 gestorbene Schriftsteller Henning Mankell über das ­Alter und die Einsamkeit. Fans des Schweden treffen in „Die schwedischen Gummistiefel“ auf einen alten Bekannten.
Henning Mankells letzter Roman ist jetzt in Deutschland erschienen. Das Foto entstand im November 2014 in Düsseldorf. Foto: Rolf Vennenbernd

Henning Mankells letzter Roman ist jetzt in Deutschland erschienen. Das Foto entstand im November 2014 in Düsseldorf.

© Rolf Vennenbernd

Zwei grüne Gummistiefel, beide passen auf den linken Fuß. Das ist alles, was dem 70-jährigen Fredrik Welin bleibt, nachdem sein Haus auf einer Insel in den Schären in einer ungemütlichen Nacht kurz vor dem Winter abgebrannt ist.

„Hat dieser Mann eine Zukunft? Hat er einen wirklichen Grund, weiterzuleben?“, fragt der Schriftsteller Henning Mankell. In seinem letzten Roman, der jetzt in Deutschland erschienen ist, schreibt der Schwede nachdenklich und in knapper Sprache über das Leben mit der Einsamkeit, die Suche nach Nähe, das Alter und den Tod.

„Die schwedischen Gummistiefel“ ist als Nachfolger des Bestsellers „Die italienischen Schuhe“ angelegt. Man muss den Vorgänger nicht kennen, um dem Sog der Geschichte zu erliegen. Der Protagonist ist aber derselbe: Der frühere Arzt Welin, dem einst ein Kunstfehler unterlief und der seitdem zurückgezogen in den Schären lebt. Doch in der Abgeschiedenheit der Inselwelt sehnt sich der alte Mann nach menschlicher Nähe.

Dass sein Haus einfach so niederbrennt und er plötzlich sogar selbst als Brandstifter unter Verdacht steht, stürzt ihn in eine Sinnkrise. „Einst war ich ein erfolgreicher Chirurg gewesen, der einen Fehler beging. Jetzt war ich ein älterer Mann, dessen Haus niedergebrannt war“, reflektiert Welin.

Spezialität: schwierige Sonderlinge

Gleichzeitig bringt der Schicksalsschlag ihn den Menschen näher, die ihn umgeben. Seiner Tochter Louise, die er erst kennengelernt hat, als sie längst erwachsen war, und über die er kaum etwas weiß. Dem fast gleichaltrigen Jansson, der die Post bringt und ein bisschen zu gutmütig für diese Welt scheint. Und der Journalistin Lisa, in die sich der alte Mann genauso spontan wie heftig verliebt – wohl einfach, weil ihm Liebe in seinem Leben fehlt.

Schwierige Sonderlinge wie Welin sind Mankells Spezialität. Er nimmt sich viel Zeit, die eigentümlichen Beziehungen, die Welin pflegt, und die Gedanken, die er mit sich herumträgt, zu schildern. In der rauen Schärenwelt scheint niemand ohne Geheimnisse zu sein. Zugleich zeigt Mankell in seinem letzten Roman, dass Nähe zwischen Menschen möglich und tröstlich ist.

Auf fast 500 Seiten hat der Autor der berühmten Krimireihe um den mürrischen Kommissar Wallander wohl auch einigen seiner eigenen Ängste und Grübeleien nachgespürt. „Ich fürchte mich nicht vor dem Tod“, lässt Mankell seinen melancholischen Protagonisten sagen.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens, die Angst vor dem Tod – das sind Themen, die auch den Alltag des Schriftstellers bestimmten, nachdem kurz nach Neujahr 2014 ein bösartiger Tumor bei ihm entdeckt worden war.

In seinem berührenden Buch „Treibsand“, das im vergangenen Herbst auf Deutsch erschienen ist, erzählte der schwedische Bestsellerautor von seinem Umgang mit der Krankheit. Kurz darauf, am 5. Oktober 2015, starb Mankell.

  • Henning Mankell: „Die schwedischen Gummistiefel“, übersetzt aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Paul Zsolnay Verlag, 480 Seiten, 26 Euro.

von Julia Wäschenbach


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