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Filmfestival in Locarno

Deutsches Kino mit vielen Trümpfen

Kino unterm Sternenzelt, Stars auf dem roten Teppich und Filmkunst von jungen Regisseuren: 
Das 69. Internationale Filmfestival ­Locarno lockt die Kino-­Enthusiasten an.
Josef Hader als Stefan Zweig in dem Drama „Vor der Morgenröte“, das ins Rennen um den Publikumspreis geht. Foto: X-Verleih

Josef Hader als Stefan Zweig in dem Drama „Vor der Morgenröte“, das ins Rennen um den Publikumspreis geht.

© X-Verleih

Locarno. Schauspielstars wie Mario Adorf und Maria Schrader aus Deutschland, Harvey Keitel aus den USA und Stefania Sandrelli aus Italien sollen beim 69. Internationalen Filmfestival im schweizerischen Locarno für Glamour sorgen. Mehr als 250 kurze und abendfüllende Spiel- und Dokumentarfilme aus aller Welt werden von heute an bis zum 13. August zu sehen sein.

Chancen auf den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden, haben auch deutsche Filmproduzenten. Unter den 17 Beiträgen des „Concorso internazionale“, des internationalen Wettbewerbs, sind drei deutsche beziehungsweise mit starker deutscher finanzieller Beteiligung produzierte Spielfilme: „Der traumhafte Weg“ der deutschen Regisseurin Angela Schanelec, die rumänisch-deutsche Koproduktion „Vernarbte Herzen“ von Radu Jude sowie „Marija“, eine deutsch-schweizerische Koproduktion des Schweizers Michael Koch.

Auf der Piazza Grande von Locarno, dem pittoresken Marktplatz, sehen bis zu 9000 Zuschauer Filme unterm Sternenzelt. Die hier außerhalb der offiziellen Wettbewerbe gezeigten Produktionen können den begehrten Publikumspreis gewinnen. Aus Deutschland sind die Regisseure Christian Schwochow mit seinem Spielfilm „Paula“ und Maria Schrader mit dem hochgelobten Stefan-Zweig-Drama „Vor der Morgenröte“ dabei.

Aussicht auf eine Ehrung Richtung Deutschland gibt es zudem in der dem Experimentellen vorbehaltenen Sektion „Cineasti del presente“ (Filmemacher der Gegenwart). Videokünstler Gordon Douglas zeigt „I Had Nowhere To Go“, eine Reflexion über den 93-jährigen Schriftsteller und Regisseur Jonas Mekas.

Ein Leopard für Mario Adorf

Im Kurzfilmwettbewerb „Pardi di domani“ (Leoparden von morgen) zeigt die Berliner Filmstudentin Francy Fabritz „Etage X“. In einer Sondervorführung außerhalb der Wettbewerbe läuft der Essay „Peter Handke – Bin im Wald, kann sein, dass ich mich verspäte“ von Corinna Belz.

Die Retrospektive des Festivals spiegelt unter dem Titel „Geliebt und verdrängt“ das Kino der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1949 und 1963 wider. Schauspielstar Mario Adorf (85/ „Die Blechtrommel“) erhält aus diesem Anlass einen Leoparden in Würdigung seiner Karriere. Regisseur Dominik Graf („Die geliebten Schwestern“) zeigt ergänzend zur Retrospektive seine mit Johannes Sievert realisierte Dokumentation „Verfluchte Liebe deutscher Film“.

Eröffnet wird das Festival auf der Piazza Grande mit dem düsteren Thriller „A Girl with All the Gifts“ des schottischen Regisseurs Colm McCarthy. Die Hauptrollen spielen die durch den James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ bekannt gewordene Gemma Arterton sowie Glenn Close („Eine verhängnisvolle Affäre“).

Bekannte Namen tauchen auf der Piazza Grande auf, darunter die Schauspieler Alicia Vikander und Matt Damon im Action-Abenteuer „Jason Bourne“ und Regisseur Ken Loach, der sein Sozialdrama „Ich, Daniel Blake“ vorstellt.

Im internationalen Wettbewerb finden sich nur wenige Prominente, wie das österreichische Regie-Duo Tizza Covi und Rainer Frimmel, die argentinische Regisseurin Milagros Mumenthaler und die thailändische Regisseurin Anocha Suwichakornpong.

Dominiert wird das Festival von weniger bekannten Autoren und Regisseuren, viele davon aus Osteuropa und Asien. Sie bieten laut Carlo Chatrian „Ein Kino, das uns davonträgt wie der Wind“. Damit möchte er den Ruf Locarnos als „Festival der Avantgarde“ sichern. Der Goldene Leopard und die anderen Preise werden am 13. August vergeben.

von Peter Claus


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