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Jenny Rogneby beim 13. Krimi-Festival

„Der Shootingstar der Krimi-Szene“

Eine Frau mit einem außergewöhnlichen Leben – ­Jenny Rogneby setzt ihre Erfahrungen als Ermittlerin bei der Kriminalpolizei 
in ihrem Debütroman um und landet damit überraschend einen Bestseller.
Die Lesung macht ihnen sichtlich Spaß: Manfred Fenner (von links), Jenny Rogneby und Gunilla ­Rising Hintz. Foto: Selina Boucsein

Die Lesung macht ihnen sichtlich Spaß: Manfred Fenner (von links), Jenny Rogneby und Gunilla ­Rising Hintz.

© Selina Boucsein

Marburg. Fast alle Plätze sind belegt: Zahlreiche Besucher sind gekommen, um zu hören, wie Jenny Rogneby ihren ersten Roman vorstellt. Im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) herrscht eine gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre, Kerzen stehen auf den Tischen, es wird gelacht und Bier oder Wein getrunken.

Erst als Alexandra Klusmann, Mitveranstalterin des Krimi-Festivals, die schwedische Krimi-Autorin Jenny Rogneby ankündigt wird es totenstill. Sie sei „der Shootingstar der schwedischen Krimi-Szene“, sagt Klusmann. Gunilla Rising Hintz führt durch den Abend und übersetzt zwischen dem Publikum und der schwedisch sprechenden Rogneby. Sie fügt hinzu, mehrere Verlage hätten sich um das Buch gerissen, was bei einem Debütroman selten sei.

Die Handlung des Krimis „Leona – Die Würfel sind gefallen“ ist brenzlig. In Stockholm betritt ein siebenjähriges Mädchen nackt und blutüberströmt eine Bank und schaltet einen Kassettenrekorder ein. Eine Stimme fordert Geld im Austausch für das Leben des Kindes.

Rogneby liest aus schwedischer Originalfassung

Mit den geforderten sieben Millionen Kronen verlässt das Mädchen kurz darauf die Bank und verschwindet spurlos. Die Kriminalpolizistin Leona Lindberg wird mit den Ermittlungen beauftragt. Jeder scheint etwas zu verbergen, allen voran Leona selbst.

Manfred Fenner, der vor allem durch die Vertonung zahlreicher Agatha-Christie-Romane bekannt ist, liest zunächst die ersten Seiten des Krimis vor. „Vorlesen“ scheint jedoch das falsche Wort zu sein, er lebt das, was er liest. Seine Hände gestikulieren wild, als der wütende Chef die eigenwillige Leona aus einem Meeting herauswirft. Seine Stimme wechselt von ängstlich über triumphierend zu zornig, je nach Gefühlslage der Handelnden. Rogneby liest ein kurzes Stück auf Schwedisch vor. Ihre Stimme klingt angenehm rauchig.

Die Schwedin sagt über ihre Protagonistin, Leona wolle „sich immer anpassen, die perfekte Mutter, Ehefrau und Polizistin sein, bis sie nicht mehr standhält und aus ihrem Leben ausbrechen will“. Da setzt der Roman ein. Genauso außergewöhnlich wie der Plot ist die Autorin selbst: 1974 in Äthiopien geboren und als Einjährige zur Adoption freigegeben wächst sie bei ihren Adoptiveltern in Nordschweden auf.

Mit 14 zieht sie nach Stockholm, macht Karriere als Popsängerin und steht unter anderem mit Michael Jackson auf der Bühne. Zeitgleich studiert sie Psychologie und Kriminologie und arbeitet später als Ermittlerin bei der Polizei, wo sie mit einfachen Verbrechen, aber auch Vergewaltigung und Mord betraut wird.

Der „Täter“ sollte auch verletzlich sein

Rognebys Interesse an Verbrechen wird durch den Umzug nach Stockholm geweckt. Dort trifft sie plötzlich auf viel Kriminalität. Sie fragt sich, warum einige Menschen Verbrecher werden und andere nicht, will herausfinden, was kriminelle Menschen beeinflusst und was man dagegen tun kann. Auch als Autorin lassen sie diese Gedanken nicht los.

„Zuerst kam Leona“, antwortet Rogneby auf die Frage, wie die Idee für den Roman entstand. „Dann kam der Wunsch, über einen Bankraub zu schreiben, der mal nicht so stattfindet wie im Film, mit Männern mit Maschinenpistolen.“ Die Polizeiarbeit sollte realistisch dargestellt werden, der „Täter“ verletzlich sein.

Verletzlich – so liest auch Manfred Fenner nun davon, wie die kleine Olivia nach dem Banküberfall in einem Versteck darauf wartet, dass ihr Papa sie endlich abholt, während es langsam dunkel wird und dicke schwarze Käfer über ihre nackte Haut krabbeln. Fenners Stimme ist leise und unschuldig geworden, seine Hände bewegen sich kaum noch. Er passt sich perfekt der Romansituation an, wird vom wütenden Chef zum hilflosen Opfer, das scheinbar vom eigenen Vater zum Erpresser instrumentalisiert wird.

Die Geschichte um die Ermittlerin Leona ist als Tri
logie angelegt, der zweite Roman ist bereits fertig und erscheint im Frühjahr in Schweden.

  • Jenny Rogneby: „Leona – Die Würfel sind gefallen“, Atrium Verlag, 444 Seiten, 16,99 Euro.

von Selina Boucsein


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