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Kurhessische Kantorei

Das etwas andere Adventskonzert

„Stille Nacht, heilige Nacht“ oder Bachs „Weihnachtsoratorium kennt man um Weihnachten zu genüge. Die Kurhessische Kantorei ging dieses Jahr andere Wege.
Die rund 70 Sängerinnen und Sänger der Kurhessischen Kantorei bewiesen in der Lutherischen Pfarrkirche bei einem besonderen Adventskonzert ihre großartige Stimmkraft. Foto: Florian Gaertner

Die rund 70 Sängerinnen und Sänger der Kurhessischen Kantorei bewiesen in der Lutherischen Pfarrkirche bei einem besonderen Adventskonzert ihre großartige Stimmkraft.

© Florian Gaertner

Marburg. „Wir wollten was anderes entgegensetzten“, kommentierte Uwe Maibaum, Leiter der Kurhessischen Kantorei, das Programm des Adventskonzertes. Dabei habe bewusst der Advent im Fokus gestanden, mit all den Erwartungen und der Vorfreude - und nicht das Weihnachtsfest, so der Landeskirchenmusikdirektor.

Mit dem 1942 komponierten „A Ceremony of Carols“ hatte Maibaum ein überaus interessantes Chorwerk von Benjamin Britten gefunden. Doch das alleine wäre mit einer Dauer von etwa 23 Minuten für ein Konzert zu wenig gewesen. So wurden die elf Sätze in drei Abschnitte unterteilt und mit anderen Werken von Benjamin Britten und dem Mariengesang „Unser lieben Frauen Traum“ von Max Reger ergänzt.

Die Musikstücke wurden unterbrochen von Texten, die die Schauspielerin Christine Reinhardt und der Sprecher Andreas Zühl vortrugen. Eine Ausnahme bildete dabei die Bearbeitung der Weihnachtsgeschichte „Und es begab sich“ von Karl Heinrich Waggerl. „In jedem Plattenschrank stand das Teil“, erinnerte sich Uwe Maibaum im Gespräch. Als Zeitdokument wurde die Bearbeitung eingespielt und lief damit „so knatterig und knisterig wie damals“, erinnerte sich Maibaum. Auch die Flüchtlingsproblematik wurde thematisiert. Die Kollekte nach dem Konzert galt der Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werkes Oberhessen.

Scheinbar traditionell und harmonisch begann das Konzert mit dem sehr beruhigend wirkend Eingangssatz nach einer gregorianischen Antiphon. Langsam zogen die etwa 70 Sängerinnen und Sänger in die Kirche ein und zeigten am Altarraum angekommen ihre großartige Stimmkraft.

Rhythmik und Harmonik prägten die Stücke

Im weiteren Verlauf prägten besonders die Rhythmik und die interessante Harmonik der Stücke, die stellenweise programmatische Züge hatten. So häuften sich die Dissonanzen, wenn etwa vom Leid des neugeborenen Christuskind gesungen wurde. „Man musste sich reinhören“, berichtete Beate Scheibl nach dem Konzert von den Proben. Die Rhythmik sei jedoch schwieriger zu erlernen gewesen als die Harmonik, so die Altistin. Eine weitere Sängerin der Kurhessische Kantorei bestätigte: „Es war eine große Herausforderung, aber dann hat es sehr viel Spaß gemacht.“

So wechselte etwa in der Kantate „Rejoice the Lamb“ immer wieder das Tempo und bot so einige Stolperfallen. Mit viel Engagement meisterte die Kurhessische Kantorei diese Aufgaben und setzte auch hervorragend die verschiedenen Stimmungen um. Jede Stimme sang jeweils einen Satz alleine, das ist selten zu hören. Aber auch gemeinsam überzeugten die Sängerinnen und Sänger mit einem ausgewogenen Klang und feiner Umsetzung der Dynamik.

Begleitet wurden der Chor von Kayoung Lee am Harmonium und Klavier sowie von Maria Graf an der Harfe, die vom Publikum umjubelt wurde. Graf zeigte sich von Brittens Komposition begeistert, erzählte Uwe Maibaum. Allein als Begleitung kam die Harfe während des Konzerts durch Grafs grandioses, akzentuiertes Spiel wunderbar zur Geltung. Die tolle Akustik der Lutherischen Pfarrkirche trug noch dazu bei. Brittens „Suite für Harfe solo“ zeigte, wie vielseitig das Zupfinstrument ist, das zu den ältesten Musikinstrumenten zählt.

Mit einem langem kräftigem Applaus bedankten sich die Zuhörer für das besinnliche Adventskonzert der etwas anderen Art.

von Mareike Bader


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