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Kinostart: „The Visit“

Das Monster im Schaukelstuhl

Regisseur M. Night Shyamalan feierte mit „The Sixth Sense“ und „The Village – Das Dorf“ vor Jahren große Erfolge. Nun will er genau dort wieder anknüpfen. Doch „The Visit“ bleibt dahinter zurück.
Merkwürdige Begegnungen prägen den ersten Besuch des 13-jährigen Tyler (links) und seiner Schwester Rebecca bei ihren Großeltern. Doch Großvater „Pop Pop“ (Peter McRobbie) beruhigt sie: Das seien Erscheinungen des Alters. Foto: Universal

Merkwürdige Begegnungen prägen den ersten Besuch des 13-jährigen Tyler (links) und seiner Schwester Rebecca bei ihren Großeltern. Doch Großvater „Pop Pop“ (Peter McRobbie) beruhigt sie: Das seien Erscheinungen des Alters.

© Universal

Es wäre eine Idylle wie in einer Cornflakes-Werbung, wenn nicht am Ende so viel Blut fließen würde. Da sind der Schaukelstuhl, das prallvoll gefüllte Bücherregal, gemütliche Leselampen und ein zugeschneites, schönes Haus in der US-Provinz.

Eine Oma, die gern Kekse backt. Ein Opa, der gemütlich Holz hackt. „Sie sind gute Menschen“, sagt die alleinerziehende Supermarktverkäuferin Loretta, als sie ihre Kinder zum Bahnhof bringt. Eine Woche bei Oma und Opa, die die Kinder noch nie gesehen haben.

Fröhlich beginnt die Reise in dem neuen Mystery-Film „The Visit“. Aber da ist auch die andere Seite: der dunkle Gartenschuppen, der verbotene Keller, das Ausgehverbot in der Nacht. Und: Was in aller Welt macht Oma da?

Es geht ums nackte Überleben

Immer tiefer geraten die 15-jährige Rebecca und der 13-jährige Tyler in einen Strudel von merkwürdigen Begegnungen und Schockerlebnissen. Doch ihr Großvater weiß sie immer wieder zu beruhigen, das seien Erscheinungen des Alters. Er muss es wissen, arbeitet er doch als Seelsorger im Krankenhaus.

Auch die Mutter, die in der Karibik auf Kreuzfahrt ist, glaubt nur an die übliche Demenz. Aber was ist dran an der Geschichte von dem weißen Monster mit den gelben Augen? Erst als ein Mensch an einem Strick am Baum hängt, wissen die beiden Kinder: Von jetzt an geht es nur noch ums nackte Überleben.

Der amerikanische Regisseur M. Night Shyamalan ist vielen Zuschauern noch von „The Sixth Sense“ und „The Village – Das Dorf“ bekannt. Zuletzt war es um ihn eher stiller geworden. Mit „The Visit“ will der Amerikaner mit indischen Wurzeln an diese Mystery-Erfolge wieder anknüpfen. Von ihm stammt wie schon oft auch das Drehbuch, er finanzierte den Film aus eigenen Mitteln. Nicht nur das eigene Werk plündert Shyamalan dabei.

Verwackelte Authentizität fehlt

Der Regisseur bedient sich auch stark bei dem 
Horrorschocker „Blair Witch Project“. Genau wie dort filmen hier die Helden mit ihren Videokameras das Geschehen selbst. Nur dass „The Visit“ die verwackelte Authentizität von „Blair Witch Project“ fehlt, die dessen Grauen überhaupt erst ermöglichte.

Es ist ein Film mit grandiosen schauspielerischen Leistungen, schönen Schockmomenten, aber auch Durchhängern. Wer einen typischen Shyamalan-Film mag, bei dem es lange plätschert, dann immer öfter die Grenze zum Übersinnlichen gestreift wird, bevor am Ende ein Clou alles in anderem Licht dastehen lässt, wird perfekt bedient. Andere könnte die überfrachtete Handlung stören, in die Shyamalan Horror, Mystery, aber auch Familiendrama, Kalauer und eine diffuse Angst vor alten Menschen – vielleicht Gesellschaftskritik? – gepresst hat.

  • Der Film läuft im Cineplex und ist ab 12 Jahren freigegeben.

von Christof Bock


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