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OP-Buchtipp: „Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!“

Blonder Jude kämpft gegen Klischees

Shahak Shapira – Berliner, Israeli, Jude – wird mitten in der Hauptstadt von Judenhassern bespuckt und verprügelt. Nun hat er ein Buch über sein Leben veröffentlicht.
Shahak Shapira ist ein säkularer Jude. Hier steckt er sich an einem Chanukkaleuchter eine Zigarette an. Foto: Sebastian Hänel

Shahak Shapira ist ein säkularer Jude. Hier steckt er sich an einem Chanukkaleuchter eine Zigarette an.

© Sebastian Hänel

Er widme sein Buch „der Horde Antisemiten“, die ihn in der Neujahrsnacht 2015 angegriffen habe, schreibt Shahak Shapira, der in Israel zur Welt kam und seit 14 Jahren in Deutschland lebt. „Ohne euch, Jungs, wäre das alles nie möglich gewesen!“

Der 28-Jährige hat eine Art Autobiografie veröffentlicht: „Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen! Wie ich der deutscheste Jude der Welt wurde.“ Darin arbeitet er zwischen Satire und Ernsthaftigkeit mit Vorurteilen, um gerade diese nicht zu bestätigen. In Zeiten neuer Diskussionen über das Zusammenleben von Christen, Juden und Muslimen ein Projekt, das hilft, Klischees zu entlarven.

Shapira wurde Anfang 2015 bekannt. Er hatte sich nicht gefallen lassen, dass junge Männer in der Berliner U-Bahn antisemitische und antiisraelische Parolen grölten und war deshalb bespuckt und verprügelt worden. Viele Medien berichteten damals über den Vorfall, die islamfeindliche Pegida solidarisierte sich, aus Israel gab es sogar die Empfehlung, die Bundesrepublik zu verlassen.

Bewegende Geschichte der Großeltern

Aber Shapira ließ sich nicht vereinnahmen: Er fühle sich in Berlin sicher und wolle seine Opferrolle „nicht für Hetze gegen Muslime genutzt sehen“. Rassismus sei immer dumm. „Keine Religion dieser Welt schreibt einem vor, ein Arschloch zu sein – das ist eine Entscheidung, die jeder von uns selbst fällen darf.“

Im Buch schildert Shapira die Vergangenheit seiner Familie und seine Weltsicht. Bewegend sind die Geschichten seiner Großväter. Der Opa mütterlicherseits überlebte den Holocaust nur knapp als kleiner Junge, weil ihm Christen in Polen Unterschlupf gewährten. Der Opa väterlicherseits war der israelische Leichtathletiktrainer Amitzur Shapira, den palästinensische Terroristen bei den Olympischen Spielen 1972 in München ermordeten.

Ausgerechnet der Enkel dieser beiden Männer kam 2002 mit 14 Jahren nach Deutschland. Seine geschiedene Mutter folgte ihrem deutschen Freund nach Laucha, einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, in der Rechtsradikale mächtig waren. Jahrelang kämpfte der junge Shahak (Aussprache: Schach-Hack) mit der deutschen Sprache, Pummeligkeit, Akne im Gesicht und einer Rolle als Außenseiter. Beschimpfungen wie „Judenschwein“ waren häufig. 2007 zog er nach Berlin. Heute arbeitet er als Kreativdirektor in der Werbung, als Musiker und DJ.

In seinem Buch gibt er viel preis. Seinen Vater in Israel nennt er immer nur „Erzeuger“, schildert ihn als geizigen Egomanen, zu dem er keinen Kontakt mehr habe. Zu seinem Aussehen sagt er, dass ihm natürlich bewusst sei, mit blondem Haar und heller Haut keinem Israeli-Klischee zu entsprechen.

Die Mehrheit der Berliner Juden ist nicht religiös

Sein Buch wirft ein Schlaglicht auf Israelis in Deutschland. Shapira gehört zwar nicht zu den Leuten, die in den letzten paar Jahren wegen eines günstigeren und konfliktfreieren Lebens von Israel in die Bundesrepublik kamen, doch ist auch er Teil einer Community, die sich nicht unbedingt vom Zentralrat der Juden vertreten sieht.

In Berlin gibt es mit „Spitz“ ein eigenes hebräisch-sprachiges Stadtmagazin. Dessen Gründerin Tal Alon geht davon aus, dass 11.000 Juden in Berlin leben. Sie freut es, wenn über diese Gruppe berichtet wird, wie sie der Deutschen Presse-Agentur sagt: „In deutschen Medien nervt mich oft, dass das Thema Juden oder Israelis in Berlin meist mit einem alten Mann von hinten mit Kippa auf dem Kopf bebildert wird.“ Dabei sei die überwältigende Mehrheit säkular, also unreligiös. So wie auch Shapira, der die jüdischen Speisegesetze nicht ernst nimmt: „Bei mir ist Religion wegen Bacon verboten. Ich kann doch nicht an einen Gott glauben, der Bacon verbietet.“

Shapira hat eine Friedensbotschaft. Gegenüber seiner Heimat, die er liebt und die er auch bei dem Angriff in der U-Bahn verteidigt hat, ist er kritisch – „vor allem unter der aktuellen Regierung“. In Deutschland sieht er die Flüchtlinge aus Nahost als Chance für „ein besseres Verhältnis zwischen Juden und Muslimen“. „Und vor allem die Chance auf unglaublich guten Hummus in diesem Land – da gewinnen wirklich alle.“

  • Shahak Shapira: „Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen! Wie ich der deutscheste Jude der Welt wurde“, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 240 Seiten, 14,99 Euro.

von Gregor Tholl


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