Navigation:
Ticket-Shop Anzeigen- und Abo-Service

Blende 2015

Spiel von Licht und Schatten

Die Morgensonne scheint durch die Fensterbögen und die mächtigen Säulen ziehen Schatten auf dem Boden. Draußen hat es geschneit und durch den Schnee reflektiert die Sonne durch das Fensterglas. Perfekte Bedingungen zum Fotografieren.

Mit dem Bild „Verlorenes Licht“ hat es Sylvia Heinis bundesweit auf das Siegertreppchen geschafft. Gratulation!

Marburg. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort könnte man sagen. Denn genau an diesem Wochenende waren Sylvia Heinis und ihr Mann für eine kurze Reise in Berlin.

Und das mit einem bestimmten Grund: Die beiden wollten in den Beelitzer Heilstätten, einer ehemaligen Heilanstalt für Lungenerkrankungen und Tuberkulose, südlich von Berlin fotografieren. Das Gebäude steht schon seit mehreren Jahrzehnten leer und ist für die Öffentlichkeit gesperrt. „Daher ist es wohl auch einer der bekanntesten ,Lost Places‘ in Deutschland unter Fotografen“, erklärt Sylvia Heinis, die seit 20 Jahren in Marburg lebt.

Sie und ihr Mann haben an einer genehmigten Tour einer Berliner Agentur teilgenommen und konnten sich einen Tag lang auf dem Areal mit mehr als 30 Gebäuden bewegen. „Vorher mussten wir einen totalen Haftungsausschluss unterschreiben, da einige Gebäudeteile einsturzgefährdet sind. Das heißt, wenn man irgendwo einkracht, dann kracht man eben ein“, erzählt Heinis. Das ist den beiden zum Glück nicht passiert und sie hatten die Gelegenheit, das Areal genau zu erkunden, ausgerüstet mit einer Spiegelreflex versteht sich.

„Von morgens 10 Uhr bis zur Dämmerung waren wir fast neun Stunden ausschließlich am Fotografieren.“ Und das hat sich für Sylvia Heinis gelohnt: Mit ihrem Bild „Verlorenes Licht“ hat sie beim Blende-Wettbewerb gleich zweifach abgeräumt. Die OP-Jury hat die Aufnahme mit dem zweiten Preis der Kategorie „Zahn der Zeit – Ästhetik des Verfalls“ gekürt und bundesweit hat sie den zweiten Platz von mehr als 82.000 Einsendungen belegt.

Gesund werden in einer schönen Umgebung

Das Foto ist im Treppenaufgang in einem der Bettenhäuser in den Beelitzer Heilstätten entstanden. Ein Gelände mit einer ganz wechselhaften Geschichte. Gebaut als Heilanstalt für Tuberkulosekranke, zum gesund werden in einer schönen Umgebung. In den zwei Weltkriegen wurde es dann als Lazarett und Sanatorium genutzt, wurde von der russischen Armee übernommen und heute ist es ein bekannter Platz für Fotografen.

Alte Behandlungsstühle und marode Bettgestelle stehen noch in den Räumen, Teile der alten Metzgerei und Bäckerei sind zu sehen, an den Wänden alte russische Schriftzeichen und wilde Farben. Die Treppenstufen knarren bei jedem Schritt und die Farbe platzt von den Wänden. „Ich finde es spannend, wenn man etwas von der Geschichte eines Gebäudes spüren kann.“

Dazu hat Sylvia Heinis auch einen beruflichen Bezug: Als gelernte Medizinerin interessiert sie die Geschichte der Heilanstalt ganz besonders. Nach ihrem Medizin-Studium an der Philipps-Universität in Marburg und ihrer Assistenzarzt- und Oberarzt-Zeit am Universitätsklinikum Marburg ist Sylvia Heinis mittlerweile in der ärztlichen Geschäftsführung am UKGM in Marburg tätig.

Die Bilder hat die Hobbyfotografin bewusst so bearbeitet, dass sie einen gewissen Lost-Place-Charakter bekommen – farbentsättigt und detailreich. „Ich bearbeite meine Bilder gerne und nehme mir die Freiheit, meine Sichtweise der Dinge in ein Bild hineinzulegen, das geht sehr gut über Bearbeitung“, sagt Heinis. „Ich überlasse es nicht der Kamera mein Bild zu optimieren, sondern versuche eine Stimmung in ein Bild hinein zu transportieren.“

Fotografie als gemeinsames Familienhobby

In ihrer Jugend hat Sylvia Heinis bereits mit der Fotografie angefangen, in einer Foto-AG in der Oberstufe. Dann kam eine lange Pause und durch ihren Mann hat Sylvia Heinis wieder mit dem Hobby angefangen. „Ich bin eher der kreative Kopf und habe mir die Technik erst durch meinen Mann angeeignet – da ergänzen wir beide uns ganz gut.“

Aber auch Sylvia Heinis ist in den vergangenen Jahren immer professioneller und anspruchsvoller geworden, was die technische Seite betrifft. „Ich kann nicht gut still stehen und muss mich immer weiterentwickeln – beruflich und auch in meinem Hobby“, sagt sie.

Da merkt man, dass Fotografie einen wichtigen Stellenwert in ihrer Familie hat: Gemeinsam mit ihrem Mann geht Sylvia Heinis auf Foto-Reisen, besucht Workshops und versucht sich durch Shootings weiterzuentwickeln. „Wir sind keine Strandmenschen, im Urlaub ist die Fotografie einer der wesentlichen Inhalte, danach richten wir unsere Urlaubstage aus.“

So kann eine normale Wanderung bei Sylvia Heinis und ihrem Mann schonmal das Dreifache an Zeit dauern. Ihre Schwerpunkte sind hauptsächlich Streetfotografie, Reise- und Reportagefotografie. „Ich versuche mit der Fotografie Dinge aufzunehmen und darzustellen, und dabei meinen Blickwinkel mit einzubringen“, sagt die Marburgerin. „Ich arbeite gerne mit dem was ich vorfinde, mit natürlichem Licht und Menschen in ihrer alltäglichen Umgebung.“ Grafische Elemente, Symmetrie und Konturen spielen in ihren Bildern ebenfalls eine wichtige Rolle: „Alles muss zusammen passen.“

Die nächsten Projekte stehen für Sylvia Heinis auch schon fest: In diesem Jahr ist eine Foto-Reise nach Vietnam und Kambotscha geplant, ein Workshop zur Bourlesque-Fotografie und die Hobbyfotografin ist mit der FotoCommunity-Marburg bei der begleitenden Ausstellung der „Criminale“ im April im Rathaus der Stadt Marburg zum Thema „Inszenierte Fo-tografie“ dabei. Da merkt man: Sie kann einfach nicht gut still stehen ...


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Blende 2016







  • Sie befinden sich hier: Blende 2015 – Spiel von Licht und Schatten – op-marburg.de