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Blende 2015

Die Stimmung macht den Moment

An einem schönen Sommerabend im August war Renate Bostroem mit dem Auto unterwegs – warum weiß sie nicht mehr, ihr Ziel kennt sie nicht mehr. Aber an den Anblick der Ruine auf dem Frauenberg kann sie sich noch genau erinnern. Er brachte ihr einen dritten Platz beim Blende-Wettbewerb ein.

Die Fotografie mit dem Titel „Durchblick“ brachte Renate Bostroem den dritten Platz in der Kategorie „Zahn der Zeit – Ästhetik des Verfalls“ ein. Sie zeigt die Ruine am Frauenberg.

Vor ein paar Jahren hat sie schon einmal Bilder für den Wettbewerb eingereicht, eine Platzierung ist jetzt allerdings zum ersten Mal dabei heraus-gekommen. In der Kategorie „Zahn der Zeit – Ästhetik des Verfalls“ hat es mit ihrer Foto-grafie „Durchblick“ geklappt. „Vor allem die verwitterten Steine sind mir bei dem tollen Licht beim Sonnenuntergang ins Auge gefallen. Ich wollte sie auf dem Bild besonders hervorheben, weil man sonst eher achtlos an ihnen vorbeifährt“, erklärt die Marburgerin.

Kreativität und Ruhe

Es war kein Zufall, dass sie an jenem Abend des vergangenen Jahres ihre Kamera, eine Sony Alpha 99, dabei hatte. „Die nehme ich oft mit, wenn ich unterwegs bin, damit ich eben solche spontanen Situationen nutzen kann.“ Auf dem Frauenberg war sie bereits mehrfach mit Freunden und ihren Kindern unterwegs und hat Bilder gemacht. „Aber lieber fotografiere ich, wenn ich allein bin, dann habe ich einfach mehr Ruhe dafür.“ Und die braucht die Mutter von zwei Töchtern und zwei Söhnen zum kreativ werden. „Früher habe ich viel und gerne gezeichnet, vor allem mit Pastellkreide. Doch da ist der Zeitaufwand doch beträchtlich höher als beim Fotografieren. Als damals die Kinder kamen, war das Fotografieren dann eine schöne Alternative. 

Auf den Geschmack gebracht hat sie ein Freund, und recht schnell entwickelte sich aus dem alltäglichen Knipsen mit der Digicam eine echte Leidenschaft.

Subjektivität und Realität

In Bezug auf ihre Motive ist die 52-Jährige nicht festgelegt. Es sind gerne Landschaften der Marburger Gegend: Den Blick von ihrem Haus in Ockershausen in Richtung des Marburger Schlosses hat sie zum Beispiel in einer Jahreszeiten-Serie festgehalten, bei der sie jeden Monat ein Foto mit identischem Bildausschnitt gemacht hat. Aber sie hat auch Spaß an ganz anderen Inhalten, wie einer ihrer Beiträge für die Ausstellung „Krimi und Thriller“ anlässlich der CRIMINALE in Marburg zeigt: Die Reflektion einer bedrohlichen Hand in schreckgeweiteten Augen.

„Im Endeffekt kommt es mir immer auf die Stimmung an. Auch bei der Bildbearbeitung frage ich mich, wieviel ich an einem Foto verändern oder beeinflussen kann, damit es meine Sicht des Momentes zeigt, aber die Realität nicht zu sehr verfremdet wird“, erläutert sie. Bei ihrem Siegerbild hat sie an der Klarheit gearbeitet und die Konturen geschärft. „Ich wollte nicht, dass es zu künstlich wirkt. HDR-Effekte finde ich zum Beispiel zu extrem, aber das ist natürlich Geschmacksache.“

Vorbilder und Anspruch

Eine Lieblingsfotografin hat sie auch: „Ich finde Cindy Shermans Arbeiten toll.“ Die amerikanische Künstlerin ist für ihre Serien bekannt, die sich über Selbstporträts mit Fragen von Rollenbildern und Identität auseinandersetzen. „Ihre Form der inszenierten Fotografie, ihr sozialkritischer Anspruch interessieren mich.“

Um Anspruch ging es der kaufmännischen Angestellten auch bei der Entscheidung, ihr Hobby zu vertiefen. Ziemlich schnell wollte sie die Lust am Fotografieren auch professionell hinterlegen und begann ein vierjähriges Studium in Bochum, das sie bald als diplomierte Fotodesignerin abschließen wird. Das Studium absolviert sie neben ihrem Beruf als kaufmännische Angestellte bei dem Reiseveranstalter Bambino Tours in Cappel.

Sie selbst ist gerade erst ganz frisch von einer Reise aus Indien zurückgekehrt. Mit ihren beiden Töchtern hat sie dort ihren 19-jährigen Sohn besucht, der ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Waldorfschule in Hyderabad absolviert. Ihre Kamera war natürlich auch im Reisegepäck. Und mit ihr jede Menge Eindrücke, Momentaufnahmen und Bilder, die Renate Bostroems Sicht der Dinge zeigen.


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