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Der eintscheidende Moment

Blende-Wettbewerb 2016 Der eintscheidende Moment

Tiere in ungewöhnlichen Situationen zu fotografieren, macht Armin Köhler großen Spaß. Mit seinem Bild "Scheiß Tag heute" hat er den ersten Platz beim Blende-Wettbewerb der Oberhessischen Presse gewonnen.

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Mit "Scheiß Tag heute" gewann Armin Köhler den ersten Platz beim OP-Blende-Wettbewerb.

Quelle: Armin Köhler

Rauschenberg. Der Fuchs ist ihm mehr oder weniger vor die Kamera gelaufen. „Ich war im Auto unterwegs und da kam er mir auf dem Feldweg entgegen. Ich bin stehen geblieben und der Fuchs ist auf den Acker abgebogen“, berichtet Armin Köhler. Er kurbelte die Scheibe runter, legte einen großen Reissack auf den Holm der Autotür und platzierte das etwa sieben Kilogramm schwere Teleobjektiv mit der – verhältnismäßig winzigen – Kamera darauf. „Das funktioniert wunderbar. Das Auto ist das beste Tarnzelt und ein Stativ braucht man in dem Fall auch nicht“, sagt der 59-Jährige. Der Fuchs jedenfalls ließ sich nicht stören, verrichtete völlig ungeniert seine Morgentoilette und zeigte beim Gähnen sein mit vorbildlich weißen Zähnchen bestücktes Maul.

„Scheiß Tag heute“ hat Armin Köhler sein Fuchs-Porträt getauft und damit den Gesamtsieg des OP-Blendewettbewerbs 2016 und den ersten Platz in der Kategorie „Magie des Alltags“ errungen. Es ist sein erster Sieg, aber auch erst das zweite Mal, dass er sich an einem Wettbewerb für Hobbyfotografen beteiligt. Für seinen gähnenden Fuchs hatte er sich gute Chancen ausgerechnet – völlig zu Recht befand die OP-Blende-Jury. Besonders die OP-Fotoredakteure Nadine Weigel und Thorsten Richter waren begeistert von der gestochen scharfen Fotografie: „Der Moment ist perfekt abgepasst und handwerklich ist das Foto einwandfrei“, lautete das Urteil.

Immer auf der Suche

Füchse hatte Armin Köhler schon öfter fotografiert. „Aber das war eben ein besonderer Moment. Ich versuche immer, Tiere in bestimmten Situationen zu fotografieren. Die Amsel, die ruhig auf dem Ast sitzt, lass‘ ich sitzen – aber wenn sie gerade im Flug den Schnabel voller Würmer hat, dann drück‘ ich ab“, berichtet Köhler.

Armin Köhler im Gelände: "Meine Jagd ist die mit der Kamera. Da bleiben die Tiere am Leben und meine Trophäen habe ich alle auf dem Rechner".

Seit vier Jahren ist der gebürtige Rauschenberger mit seiner Kamera unterwegs. „Ich musste mal raus kommen und den Kopf frei kriegen“, sagt er. Zuvor hatte der Vater von sechs Kindern eine schwere Zeit durchgemacht. Seine Frau hatte er vor sechs Jahren verloren, kurz darauf erkrankte er selbst an Krebs. Ein riesiges Sarkom wucherte an seinem Oberschenkel. Mit einer gesunden Portion Eigenwille hat er sich ins Leben zurückgekämpft, die schwere Operation und langwierige Strahlentherapie überstanden. Nur in seinem Beruf kann er nicht mehr arbeiten. „Ich war 35 Jahre lang Bademeister hier in Rauschenberg. Aber den Rettungsschwimmer würde ich jetzt nicht mehr schaffen, dafür ist das Bein zu schwach“, berichtet Köhler, der nicht viel davon hält, sich selbst zu schonen. Kurz nach der Operation ging er im Krankenhaus auf dem Gang spazieren und trainierte im Treppenhaus, um so schnell wie möglich wieder „auf die Beine zu kommen“. Den Ärzten und Physiotherapeuten gefiel das gar nicht: „Da hab ich jedesmal Schelte bekommen, aber es musste ja weitergehen.“

Und es ging weiter. Mittlerweile ist Köhler täglich mit seinem Fahrrad unterwegs in Rauschenberg und Umgebung, um das kranke Bein zu trainieren. Die kleinere seiner beiden Kameras hat er immer dabei – falls ihm unterwegs etwas Außergewöhnliches über den Weg läuft. Oft zieht er aber auch ganz gezielt los, um bestimmte Tiere zu fotografieren. Mal mit dem Auto, mal ausgerüstet mit Maske, Poncho und Tarnzelt. Einmal hat er auf der Landstraße bei Momberg einen Stau ausgelöst, weil er im Tarn-Poncho – baumgleich – einem Fuchs hinterher schlich. So mancher Autofahrer traute wohl seinen Augen nicht, und fuhr langsamer, um das seltsame, laufende Gebüsch ausgiebig betrachten zu können. „Als die ersten gehupt haben, war der Fuchs natürlich sofort weg“, erzählt Köhler schmunzelnd.

Auf seinem Computer hat der Hobbyfotograf ein umfangreiches und sehr gut strukturiertes Archiv angelegt. „Muss sein, bei der Menge an Bildern.“ Kein Tier in Wald, Feld und Flur scheint vor ihm sicher zu sein. Mit einer Ausnahme: „Unten im Tal gibt es Wildkatzen, aber die sind extrem scheu und nur in der Dämmerung oder nachts aktiv“, erklärt Köhler. Auch von Tarnzelten und Ponchos lassen sich die schlauen Vierbeiner nicht täuschen. Entsprechend selten sieht man Bilder dieser Tiere in freier Wildbahn.Glücklicherweise sind die meisten Tiere etwas leichter zu fotografieren. Jedenfalls wenn man weiß, wo man nach ihnen suchen muss. „Das sieht man schon an der Landschaft, welche Tiere man da findet“, meint Köhler salopp. Manchmal baut er kleine Vorrichtungen, steckt zum Beispiel an gut einsehbaren Stellen Stöcke in Seen und Flüsse, damit Eisvögel darauf sitzen bleiben und sich fotografieren lassen. Weite Reisen hat der Hobbyfotograf auf der Suche nach Motiven noch nicht unter-nommen. „Man muss gar nicht weit gehen“, sagt Köhler und liefert sofort den Beweis. Beim Fototermin an der Heiligen Eiche sichten wir einen Fuchs, einen Bussard und einen Turmfalken – dabei war der Blende-Gewinner selbst diesmal das Motiv.

Mehr Infos

Eine Webseite mit seinen Bildern hat Armin Köhler noch nicht. Aber gemeinsam mit dem Rauschenberger Hobbyfotografen Hans Jörg Hellwig, der 2012 ebenfalls den Gesamtsieg beim Blendewettbewerb der Oberhessischen Presse erreichte, hat er einen Fotokalender für das kommende Jahr herausgebracht. Mehr Infos hierzu gibt es online auf bilderbogen-rauschenberg.de und auf diginatur.de

von Eva Seyer

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