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Kinostart: „Unter dem Sand“

Als deutsche Kriegsgefangene Minen räumen mussten

Unzählige Minen hat die Wehrmacht an der dänischen Küste vergraben. 1945 sollen junge deutsche Kriegsgefangene sie wieder entfernen. „Unter dem Sand“ greift ein dunkles Kapitel der deutsch-dänischen ­Geschichte auf.
14 Jungs sollen im Frühjahr 1945 einen Strand von Tretminen 
befreien – ein Himmelfahrtskommando. Foto: Koch Media

14 Jungs sollen im Frühjahr 1945 einen Strand von Tretminen 
befreien – ein Himmelfahrtskommando.

© Koch Media

In dem Film „Unter dem Sand“ macht der dänische Feldwebel Carl Leopold Rasmussen gleich in der Eingangsszene die Fronten klar: Die Wehrmacht ist besiegt und hat in Dänemark nichts mehr zu suchen.

Aus der Kolonne der deutschen Kriegsgefangenen greift er sich einen jungen Soldaten heraus, der ein zusammengeknülltes rot-weißes Tuch, die dänische Flagge, in der Hand hält. „Dänemark ist nicht euer Land“, schreit er ihn an und schlägt ihm immer wieder ins Gesicht, bis er blutet.

Über die Gräuel des Zweiten Weltkriegs gibt es unzählige Filme. Die dänisch-deutsche Koproduktion von Martin Zandvliet wagt einen Tabubruch. Die Deutschen sind in diesem Film die Opfer, geradezu unschuldige Opfer.

Himmelfahrtskommando an Dänemarks Westküste

Die Dänen, eigentlich Opfer des Krieges, sind die Täter. In seinem Film werden 14 Kriegsgefangene im Mai 1945 zur Minenräumung abkommandiert. Die Teenager, eingezogen zu Hitlers letztem Aufgebot sind fast noch Kinder, „kleine Jungen, die Angst haben und nach ihrer Mutter schreien“, wie Rasmussen im Film sagt.

Das Schlimmste ist ihr Auftrag: ein Himmelfahrtskommando. Die Westküste Dänemarks ist von der Wehrmacht vermint worden, weil die Deutschen einen Angriff der Alliierten über die Nordsee erwarteten. Aus einem Strandabschnitt sollen die Jungen 45.000 Minen ohne technische Hilfsmittel mit den Händen aus dem Sand graben. Sie haben keinerlei Erfahrung. Schon bei der ersten Unterweisung gibt es einen tödlichen Zwischenfall.

In Großaufnahme zeigt die Kamera immer wieder, wie die Jugendlichen mit zittrigen Fingern die Zünder aus dem Sprengkörper schrauben. Das geht mehrfach schief. Zuschauer sehen den idyllischen Strand, den Millionen Deutsche aus dem Urlaub kennen, und wissen: In jedem Moment kann es für einen der Jungen vorbei sein. Eine schwer erträgliche Spannung.

Die Ereignisse hat Zandvliet nach eigenen Angaben genau recherchiert, allerdings nicht als erster. Bereits 1998 löste der dänische Jurist und Historiker Helge Hagemann mit seinem Buch „Under tvang – Minerydning ved den jyske vestkyst 1945“ (Unter Zwang – Minenräumung an der jütländischen Westküste 1945) eine Diskussion in seinem Land über Kriegsverbrechen aus.

  • Der Film läuft in der Palette.

von Bernhard Sprengel


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