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Kinostart: „Stonewall“

Actionregisseur bringt Schwulendrama in Kinos

Schon vor dem Kinostart macht „Stonewall“ Schlagzeilen. Schwule und Transsexuelle werfen Roland Emmerich vor, sein Film sei „weißgewaschen“.
Schwule und Lesben protestieren vor dem New Yorker „Stonewall Inn“ gegen Repressionen. Der Christopher Street Day erinnert heute an die Vorfälle 1969. Foto: Warner Bros.

Schwule und Lesben protestieren vor dem New Yorker „Stonewall Inn“ gegen Repressionen. Der Christopher Street Day erinnert heute an die Vorfälle 1969.

© Warner Bros.

Marburg. Für den deutschen Hollywoodregisseur Roland Emmerich ist sein neuer Film eine echte „Herzensangelegenheit“. Der schwule Filmemacher bringt mit „Stonewall“ ein wichtiges Kapitel Geschichte auf die Kinoleinwand.

Es geht um den Aufstand von Homosexuellen, die sich 1969 nach einer Polizeirazzia in der Schwulen-Bar 
„Stonewall Inn“ in der New Yorker Christopher Street erstmals gegen willkürliche Kontrollen und Diskriminierung wehrten.

Der Christopher Street Day erinnert heute weltweit jedes Jahr an die Vorfälle. Doch Blockbuster-Experte Emmerich – seit Jahrzehnten Spezialist für Actionfilme wie „Independence Day“ und „The Day After Tomorrow“ – legt den Schwerpunkt nicht auf die Entstehungsgeschichte der Schwulenbewegung. Der Stonewall-Aufstand wird eher am Rande abgehandelt. Im Mittelpunkt seiner fiktiven Emanzipationsstory steht der von seinen Eltern verstoßene Danny (Jeremy Irvine).

Mehr kitschig als subtil

Der unbedarfte Heranwachsende aus der tiefsten amerikanischen Provinz trifft in Greenwich Village großäugig staunend auf eine schillernde Truppe von jungen Schwulen, Transvestiten und Transsexuellen. Jonny Beauchamp läuft da mit seiner Darstellung des transsexuellen Latino Ray, der seinen dürftigen Lebensunterhalt als Stricher verdient, der Hauptfigur eindeutig den Rang ab.

Der Auftritt der multiethnischen Clique entkräftet vielleicht teilweise den Vorwurf der LGBT-Gemeinde – der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender. Sie hatten Emmerich nach Veröffentlichung der ersten Filmtrailer „Whitewashing“ vorgeworfen, weil er nicht die ganze Vielfalt sexueller Orientierungen und der ethnischen Zugehörigkeit der Aktivistenszene zeige.

In Emmerichs „Stonewall“ geht es aber sowieso erst in zweiter Linie um die Initiatoren der Emanzipationsbewegung. „Stonewall“ stellt die persönlichen Schicksale der jungen Menschen in den Fokus, die von der reaktionären Gesellschaft verfolgt werden. Das wirkt mangels differenzierter Figurenzeichnung allerdings wenig subtil, sondern oft eher pathetisch und kitschig.

„Stonewall“ ist nach „Anonymous“ (2011) erneut ein „seriöser“ Emmerich-Film jenseits der Action-Katastrophenstreifen.

  • Der Film läuft im Capitol.

von Elke Vogel


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