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„Massakerspiele“

Absurdes Theater mit Tiefgang

Angst ist das Grundthema der „Massakerspiele“, das die studentische Theatergruppe „Dramarasmus“ auf die Bühne gebracht hat. Am Donnerstagabend feierte das beklemmende Stück gelungene Premiere in der Waggonhalle.
Flehen um Erbarmen: Die Theatergruppe Dramarasmus inszenierte „Massakerspiele“ nach Eugene Ionesco. Foto: Bettina Preussner

Flehen um Erbarmen: Die Theatergruppe Dramarasmus inszenierte „Massakerspiele“ nach Eugene Ionesco.

© Bettina Preussner

Marburg. Ein Ort im Nirgendwo, die Zeit irgendwann, die Personen namenlos: „Massakerspiele“ beginnt rätselhaft und düster. Eine unbekannte Krankheit ist ausgebrochen und rafft die Menschen reihenweise dahin. Niemand bleibt verschont, es trifft jeden, egal ob alt oder jung, arm oder reich. Die Staatsmacht reagiert brutal auf die grassierende Epidemie. Die von der Krankheit befallenen Häuser werden abgesperrt, herumirrende Kranke kurzerhand erschossen. So macht sich Angst breit und lähmt die Menschen, die schließlich nur noch um Erbarmen flehen.

„Massakerspiele“ behandelt, keine Frage, ein ernstes Thema.Aber trotz aller Dramatik ist das Stück auch kurzweilig und stellenweise witzig, was an den absurden Elementen liegt, die das Ensemble eingebaut hat. Da sind zwei feine Damen und ein eleganter Herr, die großspurig erklären, dass die Armut eigentlich ein Laster sei und dass die Krankheit deshalb nur die Armen treffen könne. Im nächsten Moment wird der elegante Herr kreidebleich und fällt auf der Stelle tot um. Ähnlich ergeht es einem anderen Reichen, der sein Personal anherrscht und mit Desinfektionsmittel im Haus herum scheucht. Auch ihn trifft es hart, er sinkt wie vom Blitz getroffen tot zu Boden.

Nach der Epidemie bleiben nur wenige Menschen übrig, einsam und verängstigt. Aber die Überlebenden sind sich plötzlich nicht mehr sicher, ob es die Krankheit tatsächlich gibt. „Massakerspiele“ ist daher auch eine Metapher für die Angst, die am freien Leben hindert. Denn die Toten fragen schließlich aus dem Off: „Was hat mich ermordet?“ Die Antwort: „Es war die Angst.“

Verweis auf Pegida und Ebola

Das Inszenierung lebt vor allem vom intensiven Spiel der 13 jungen Darstellerinnen und Darsteller. Sie alle spielen durchweg sehr ausdrucksstark und mit viel Temperament. Dass für viele Deutsch nicht die Muttersprache ist, bemerkt man kaum. Ihre schauspielerischen Leistungen wurden bei der Premiere am Donnerstag mit stürmischem Beifall belohnt, die rund 100 Zuschauer waren begeistert.

Die Studierenden Matthias Hauk und Jonathan David haben „Massakerspiele“ auf der Basis des Stückes „Triumph des Todes oder das große Massakerspiel“ von Eugene Ionesco geschrieben. Ionesco gilt als der Altmeister des absurden Theaters. „Angst ist in unserer Gesellschaft etwas, das man vermeiden sollte“, erklärte Regisseur David. „Man sollte sich nicht manipulieren lassen“. David verwies in diesem Zusammenhang auf die Pegida-Bewegung und die Ebola-Epidemie. Generell gehe es in dem Stück aber auch um die Angst vor dem Tod, so der Regisseur weiter.

Seit Anfang November haben die 13 Teilnehmer von Dramarasmus zusammen geprobt. Die Studenten kommen zum Teil aus dem Erasmus-Programm und stammen unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Serbien, Peru und Ägypten. Dramarasmus ist ein europäisches Theaterprojekt, das ausländische Studierende und Studierende der Philipps-Universität Marburg vereint. Das Theaterspielen bietet die Möglichkeit für intensive Begegnungen, in denen Vertrauen, Respekt und Gemeinschaftsgefühl gefördert werden sollen. In Marburg bringt die Gruppe bereits zum sechsten Mal ein Stück auf die Bühne.

  • Eine weitere Aufführung von „Massakerspiele“ gibt es am Montag, den 26. Januar, um 20 Uhr in der Waggonhalle.

von Bettina Preussner


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