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Zeigt her Eure blauen Zungen

Blende-Wettbewerb 2014 Zeigt her Eure blauen Zungen

Mit ihrem Bild „Lange Giraffenzunge“ hat Ingrid Martini beim Blende-Wettbewerb gewonnen. Im Zoo schlingt die Giraffe ihre blaue Zunge um eine Möhre, in freier Wildbahn nutzten die Tiere ihre wendige Zunge geschickt am Akazienstrauch.

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Von Carolin Acker

Giraffen-Fütterung im Zoo: Ein Pfleger steht im Gehege der schlanken Riesen, ausgestattet mit  dutzenden von Möhren. Der Pfleger hält die Möhren hoch und eine der Giraffen neigt ihren langen Hals und schlingt im Bruchteil einer Sekunde ihre wendige, blaue Zunge um die Möhre. In diesem Moment steht Ingrid Martini mit ihrer Kamera bereit und drückt den Auslöser – da steckt der Teufel wirklich im Detail. Und genau in dieser Kategorie hat sie mit ihrem Bild „Lange Giraffenzunge“ bei der Blende 2014 gewonnen.
Der Besuch im Dortmunder Zoo war allerdings kein Zufall: Die Lehrerin am Paul-Ehrlich-Berufskolleg war mit ihren Schülerinnen und Schülern bei der Giraffen-Fütterung, denn die Berufsschule liegt gerade mal zehn Gehminuten vom Zoo entfernt. „So nah wie bei der Fütterung kommt man sonst nicht an die Giraffen ran“, erzählt die 64-Jährige. Das Giraffen so schöne und vor allem lange Zungen haben, wusste sie aber schon vorher  von zahlreichen Reisen nach Namibia und Botswana mit ihrem Mann Arno. „Auf Safari haben wir schon oft Giraffen gesehen, aber in freier Wildbahn sind wir nicht ganz so dicht wie bei der Fütterung an die Tiere heran gekommen.“
Im Dortmunder Zoo gab es für die vier bis fünf Meter großen Giraffen Möhren zu essen, in der Wildnis verspeisen sie  lieber Akazienblüten. „Dafür wickelt die Giraffe ihre Zunge um den Ast und zieht geschickt die Blüten aus der Hülsenfrucht heraus – daher die lange Zunge“, erklärt Ingrid Martini.

Die großen Fünf in Afrika

Aber nicht nur Giraffen hat das Ehepaar Martini bereits in freier Wildbahn erlebt. „Im Etosha National Park haben wir die „Big Five“ – fünf große Tiere Afrikas – gesehen und fotografiert“, erzählt Martini. Dazu zählen: Der afrikanische Elefant, das Spitzmaulnashorn, sowie Büffel, Leopard und Löwe. Die Giraffe gehört erstaunlicherweise nicht dazu.
Seit einem Jahr ist Ingrid Martini in Pension und nicht mehr an die Schulferien gebunden. Jetzt hat sie viel mehr Zeit zum Reisen und Fotografieren. Und genau das macht die Rentnerin jetzt auch.
Vor wenigen Wochen waren Ingrid und Arno Martini in Venedig zum Maskenkarneval – für die beiden seit Jahren ein Pflichttermin im Kalender. Mehr als 12 000 Bilder knipsen die beiden in ihrem zweiwöchigen Urlaub – und zwar von den Masken. Von Sonnenaufgang bis zum Untergang sind die beiden dann zwischen Rialtobrücke und Dogenpalast unterwegs – auf der Suche nach  außergewöhnlichen Maske. „Es ist immer eine Überraschung, wer unter der Maske steckt“, sagt Ingrid Martini. „Unter prunkvollen Kleidern und Gewändern, langen Haaren und viel Schminke steckt auch oft ein Mann.“
Aber nicht nur auf Reisen hat Ingrid Martini ihre Kamera – eine Nikon D7100 – immer mit dabei. Auch in ihrer Heimat Schwerte in der Nähe von Dortmund geht die 64-Jährige kaum ohne ihre Kamera aus dem Haus. „Es gibt wenig, was ich nicht fotografiere“, schmunzelt sie. Tiere, Landschaften, die Masken in Venedig, Architektur und – kaputte Regenschirme. Ein komisches Motiv, würden einige vielleicht sagen, aber nicht Ingrid Martini.

Kaputte Knirpse im Müll

Angefangen hat ihr Interesse an den Regenschirmen auch in der italienischen Lagunenstadt: „Wenn es in Venedig regnet, werden an den kleinen touristischen Ständen für wenig Geld Mini-Knirpse verkauft. So günstig wie sie sind, so schnell gehen sie auch kaputt und werden dann weggeworfen“, erzählt die Hobbyfotografin. So ist sie darauf aufmerksam geworden, dass in vielen Abfalleimern ein kaputter Regenschirm liegt oder der Stiel zwischen dem Müll heraussticht. Da hat sich in den vergangenen Jahren eine riesige Bilderflut angesammelt – was vielleicht auch mit der Digitalisierung zusammenhängt. Angefangen hat Ingrid Martini noch mit der Analogfotografie, denn sie fotografiert von klein auf. „Mit einem Film mit nur 24 Aufnahmen hat man noch genau überlegt und das Motiv ausgewählt, heute mit den Digitalkameras, drückt man viel eher den Auslöser und macht zu viele Bilder.“
Beim Blende-Wettbewerb der Oberhessischen Presse ist Ingrid Martini schon seit Jahren mit dabei. Denn die heutige Rentnerin ist in Marburg zur Schule gegangen und hat ihre Kindheit und Jugend in der Universitätsstadt verbracht. Zum Studieren ist die gebürtige Hamburgerin dann nach Gießen gegangen und später Richtung Dortmund gezogen. Aber der enge Kontakt nach Marburg besteht weiterhin: „Mein Mann Arno und ich, wir sind immer noch in Marburg verwurzelt und kommen regelmäßig alle vier bis sechs Wochen zu Besuch.“
Langeweile kommt bei Ingrid Martini im Ruhestand jedenfalls nicht auf: Neben dem Reisen und Fotografieren, liest die 64-Jährige sehr gerne, aquarelliert oder erweitert die Fotobuch-Sammlung der Urlaubsbilder oder von den Masken. Seit einigen Jahren halten Ingrid und Arno Martini außerdem ehrenamtliche Vorträge in ihrer Heimat Schwerte  über den Maskenkarneval in Venedig, ihre Afrika-Reisen, wie man ein Fotobuch erstellt oder allgemeine Vorträge zum Thema Fotografie.
Trotzdem will sich Ingrid Martini in ihrem Hobby immer weiterentwickeln und besucht momentan einen Kurs an der Altenakademie in Dortmund/Westfalenpark zum Thema Fotografie und Bildgestaltung bei Professor Harald Mante. Die beeindruckenden Bilder von ihren Reisen nach Namibia oder den Masken in Venedig stellen Ingrid und Arno Martini auch online aus: auf ihrer Homepage ai-martini.de. Viel Spaß beim Durchstöbern der Bilder!

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