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„Strohgewitter“ statt Sonnenaufgang

Blende-Wettbewerb 2014 „Strohgewitter“ statt Sonnenaufgang

Ein Spätsommermorgen im August, draußen ist es noch ganz ruhig, wenige Autos fahren auf der Straße und die Vögel fangen erst langsam an zu zwitschern. Es ist vier Uhr morgens als Sabrina Hilmer aufsteht – aber nicht um zur Uni zu fahren, sondern um zu fotografieren.

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Von Carolin Acker

„Ich wollte schon lange mal einen schönen Sonnenaufgang fotografieren, dafür bin ich extra früh aufgestanden und habe mich auf den Weg zum Wollenberg gemacht“, erzählt Sabrina Hilmer. Die Sonne geht langsam über Wetter auf, einige Rehe springen über die Felder und Sabrina steht mit ihrer Kamera bereit – doch der Himmel zieht sich langsam zu. Die Wolken verdichten sich und es dauert fast zwei Stunden, bis Sonne und Wolken so stehen, wie Sabrina es für ihr Bild gerne haben möchte. „Dann kam ein kräftiges Gewitter auf mich zu und ich konnte mich und meine Kamera gerade noch vor dem Regen in Sicherheit bringen.“ Das Bild ist gegen sechs Uhr morgens entstanden – aus dem schönen Sonnenaufgang im Feld ist leider nichts geworden, dafür ist ein stürmisches Gewitter-Bild entstanden.
Und wie gut, dass es die 21-Jährige so lange auf dem Feld im Freien ausgehalten hat, denn mit ihrem Bild „Strohgewitter“ hat sie beim OP-Blende-Wettberwerb 2014 den zweiten Platz in der Kategorie „Deutschlandreise – Eine Liebeserklärung“ belegt. Dabei musste sie gar nicht weit durch Deutschland reisen um das Gewinnerbild zu schießen, denn die Aufnahme ist in ihrer Heimatstadt Wetter entstanden.
Beim Blende-Wettbewerb der Oberhessischen Presse ist Sabrina Hilmer kein Neuling. In der Jugendkategorie hat sie schon öfter teilgenommen und gewonnen, denn sie fotografiert schon seit ihrer Kindheit. 

Tierfotografie, Portraits und Landschaftsaufnahmen

Auf einem Gestüt fing alles an: Vor zehn Jahren machte die Studentin Reiterferien auf einem Hof. In einem Workshop hat sie mit der Tierfotografie angefangen, denn Sabrina reitet seit ihrem dritten Lebensjahr, liebt Tiere und die Natur. Ihre ersten Aufnahmen hat sie mit einer kleinen Kamera gemacht, damals noch mit einem Film mit nur 24 Bildern. „Dann folgte auch schon meine erste Spiegelreflex – eine Canon EOS 400D. Heute fotografiere ich mit meiner Canon EOS 7D“, berichtet Sabrina.
Aber bei einem Workshop ist es nicht geblieben: Es folgten zwei weitere Fotokurse zur Tierfotografie und ein Schülerpraktikum bei einem Fotografen in Wetter – diesmal im Bereich der Portrait-Fotografie. Das Hobby hat die 21-Jährige gepackt, sie fotografiert bei Reitturnieren, macht kleine Fotoshootings mit Freundinnen und hat ihre Kamera auf Reisen immer mit dabei – beim Austausch in die USA oder Tschechien, beim einer Reise nach Irland oder bei ihrem Auslandsjahr in Chile.

Verreisen und fremde Kulturen kennenlernen

Nach ihrem erfolgreichen Abschluss am Philippinum in Marburg ist Sabrina Hilmer für ein Jahr nach Chile gegangen und hat als Freiwillige mit mental und physisch beeinträchtigten Kindern gearbeitet. „Nach dem Abitur wollte ich erstmal raus, andere Kulturen kennenlernen und sehen, was ich beruflich machen möchte“, erzählt die 21-Jährige. In Chile hatte Sabrina bereits einen Freund, der sie auf die Idee gebracht hat, dort ein Freiwilligenjahr zu absolvieren. „Wir verständigen uns hauptsächlich auf Englisch, in Chile habe ich zwar auch Spanisch gelernt, aber ich kann besser verstehen als sprechen – zum Glück gibt es den Google-Translator“, schmunzelt sie.
In Chile ist auch ein weiteres Bild entstanden, dass sie bei der Blende eingereicht hat: Das schwarz-weiß Foto zeigt ein kleines Mädchen, gedankenversunken und mit leicht verwehtem Haar. Das Mädchen mit dem schwarzen Haar ist die kleine Schwester von Sabrinas Freund in Chile.
Die 21-jährige hat ebenfalls eine ältere Schwester, beide sind sehr kreativ: „Ich glaube die Kunst liegt bei uns in der Familie. Unsere Eltern haben uns aber auch immer sehr gefördert.“ Einige Bilder von Sabrina Hilmer waren sogar schon in einer Ausstellung zu sehen. Gemeinsam mit dem Hobbyfotografen Sunil Beher stellte sie einige ihrer Aufnahmen zum Thema „Natur“ im Neustädter Tor in Gießen aus.
Ihr Hobby zum Beruf machen will die Studentin aber nicht. Momentan studiert sie im zweiten Semester Wirtschaftswissenschaften in Gießen. „Die Fotografie sehe  ich eher als Ausgleich zum  BWL- und VWL-Studium.“ Nach ihrem Abschluss würde sie am liebsten im Bereich International Management arbeiten und beruflich viel unterwegs sein.
An das Pendeln hat sich die 21-Jährige schon gewöhnt: „Ich komme selten zur Ruhe, bin unterwegs von Wetter zu den Vorlesungen nach Gießen, dann zum Reiten nach Ernsthausen und wieder nach Hause nach Wetter – da ist man froh über das Semesterticket!“
Und in den Semesterferien geht die Reise dann gleich weiter: „Im Urlaub bin ich am liebsten immer aktiv und reise herum, denn an einem Platz zu sein, finde ich langweilig“, erklärt Sabrina Hilmer. Die nächste Reise würde sie gerne nach Afrika machen, aber vielleicht geht es auch wieder zurück nach Chile. Ihre Kamera hat sie auf jeden Fall wieder mit dabei und die Bilder gibt es dann zu sehen unter
www.sh-fotographie.de.

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