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Schönheit finden in der Gosse

Blende-Wettbewerb 2016 Schönheit finden in der Gosse

Frank Kremer konnte es gar nicht richtig fassen: Er hat bei einem Fotowettbewerb gewonnen – und sogar den ersten Platz in der Kategorie „Doppelt gesehen – Spiegelungen“ belegt.

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Aus Profilfoto wird ein Siegerbild

Frank Kremer hat mit seinem Bild „Schönheit in der Gosse“ den ersten Platz in der Kategorie „Doppelt gesehen – Spiegelungen“ beim Blende-Wettbewerb der Oberhessischen Presse gewonnen.

Quelle: Frank Kremer

Marburg. Das Bild „Schönheit in der Gosse“, mit dem ihm das gelang, entstand am 1. Mai 2016: „Den Tag vorher hatte es geregnet, aber am 1. Mai kam die Sonne raus und das schien mir eine gute Gelegenheit zu sein, die neue Kamera auszuprobieren“, berichtet Kremer. Die Spiegelreflex-Kamera, mit der das Bild entstanden ist, hatte er seit Februar und war seitdem fleißig am Experimentieren: „Man muss ja erstmal dieses Gerät kennenlernen“.

Der Hobbyfotograf ist waschechter Marburger, ein „Eingeborener“, wie er selbst sagt. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Stephanie, den drei Kindern Johanna, Kira und Luke und den Hauskatzen Merle und Lilly wohnt er im Marburger Südviertel. Sein Studium und seine Arbeit als Betriebswirt haben ihn in der Vergangenheit öfter an andere Orte geführt, aber letztendlich ist er immer wieder nach Marburg zurück gekommen und in der Universitätsstadt sesshaft geworden. „Meine ganze Familie wohnt hier und ich habe auch gemerkt, dass ich einfach kein Großstadt-Mensch bin. Ich mag den Mix aus ländlicher Gegend und Stadt. Da ist Marburg genau richtig“, sagt der Familienvater.

Als eingeborener Marburger aus dem Südviertel musste er für sein Fotomotiv nicht weit laufen. Die Pfütze im Rinnstein, in der sich die pinkfarbenen Blüten der Bäume und die knallroten Laternenmasten spiegeln, entdeckte er „direkt um die Ecke“. Da lag er dann, in der Gosse, und versuchte die Spiegelung einzufangen, ohne dabei die neue Kamera zu verschmutzen. „Ich habe einige Bilder gemacht, aber dieses war mit Abstand das Beste“, sagt Kremer. Mit dem Gewinn, noch dazu einem ersten Platz, hatte er dennoch nicht gerechnet. Umso größer war die Freude,  als er sein Bild mit denen der anderen Blende-Gewinner auf der Titelseite des Wochenende-Magazins erblickte: „Die anderen hatten schon fertig gefrühstückt, kamen aber alle zurück in die Küche, nachdem sie meinen Freudenschrei gehört hatten“, erzählt Kremer verschmitzt.

Nachbearbeitet hat er das Foto kaum – dazu fehlten ihm damals noch das Know-how und die Software. „Das Bild habe ich im jpg-Format fotografiert, von raw-Formaten hatte ich damals noch keine Ahnung. Damit habe ich mich erst im Sommerurlaub richtig beschäftigt“, erklärt Kremer. Seitdem liest er regelmäßig Fotozeitschriften, hat die Foto-Software Lightroom auf seinem Rechner installiert und ist fleißig am ausprobieren.

Landschaften halten still

Am liebsten fotografiert er Landschaften, „die halten still“, oder Architektur. An Porträts hat er sich noch nicht herangetraut, sieht das aber als Herausforderung für die Zukunft: „Es ist schwierig, eine Persönlichkeit abzubilden. Da brauche ich bestimmt noch ein bisschen Übung“, sagt er lächelnd. Und es ist nicht zu befürchten, dass ihm die Landschaften in naher Zukunft ausgehen. Besonders gerne würde er nach Kolumbien reisen und dort fotografieren: „Das ist ein Jugendtraum. Damals habe ich einen Bericht über Kolumbien gelesen, der mich total fasziniert hat. Auf der einen Seite die Küste mit Stränden wie in der Karibik, auf der anderen Seite die hohen Berge und der Dschungel – das ist bestimmt einen Besuch wert“, sagt Kremer und schiebt hinterher: „Und mittlerweile ist es dort wohl auch nicht mehr ganz so gefährlich.“

Die Kamera ist spätestens seit dem Erfolg beim OP-Blende-Wettbewerb sein ständiger Begleiter. Fotografiert hat er zwar schon immer, aber eine größere Rolle spielte die Fotografie für ihn nicht. „Jetzt ist es ausgebrochen“, das Foto-Fieber, sagt er selbst. Im Urlaub, auf Wanderungen, beim Spaziergang und in der eigenen Wohnung geht Kremer auf Motivsuche. Die Hauskatzen Merle und Lilly haben ihn schon gelehrt, dass es nicht nur auf die Fähigkeit des Fotografen ankommt, sondern auch auf die Kooperationsbereitschaft des Modells: „Merle hält einfach nicht still. Sobald sie die Kamera sieht, springt sie auf und will damit spielen. Lilly ist da ganz anders, die wirft sich regelrecht in Pose.“

Allen Möglichkeiten moderner Kameras und Bildbearbeitung zum Trotz, sieht Frank Kremer im Motiv den wichtigsten Bestandteil für ein gelungenes Foto: „Die Bildkomposition ist das Allerwichtigste. Wenn das nicht stimmt, dann kann Bildbearbeitung auch nicht helfen.“ Deshalb will er sich in nächster Zeit vor allem in diesem Bereich fortbilden, Zeitschriften lesen, vielleicht sogar einen Kurs besuchen. Der Erfolg bei Blende lässt vergessen, dass Frank Kremer noch am Beginn seiner Laufbahn als Hobby-Fotograf steht. Es gibt also noch Luft nach oben. Die OP-Blende-Jury ist schon gespannt, mit welchen Bildern er beim Blende-Wettbewerb 2017, der voraussichtlich im April startet, teilnehmen wird.

von Eva Seyer

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