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„Guck‘ mal, Nele!“

Blende-Wettbewerb 2014 „Guck‘ mal, Nele!“

Der Blick eines Mädchens, zufällig eingefangen in seinem starken Ausdruck und eine Makroaufnahme einer Spinne, vom Fotografen entdeckt und für das perfekte Bild inszeniert.

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Von Katharina Stenner

Die Arbeiten von Christoph Zintl sind ganz unterschiedlich, aber beide von höchster Qualität: Sie brachten den Hobbyfotografen an die Spitze des Blende-Wettbewerbs. Er belegte in den Kategorien „Schwarzweiß“ und „Der Teufel steckt im Detail – Kleines ganz groß“ jeweils den ersten Platz. Und nicht nur das: Die Jury kürte das Bild „Nele“ zum Gesamtsieger der Blende 2014.

Ein Blick – so tief

„Für mich war klar, dass ich dieses Foto nur Schwarzweiß machen konnte“, erklärt Zintl. Es entstand auf dem Weg zum Friedhof. „Meine Schwester war kurz vorher gestorben und auf dem Geburtstag meines Vaters gingen wir alle gemeinsam zu ihrem Grab. Ich hatte meine Kamera dabei, sagte: „Nele, guck‘ mal!“. Seine Tochter war damals acht Jahre alt. Ihre Augen wirken tiefgründig, um ihre Lippen – ein Lächeln? Nicht ganz.

„Es waren schon immer Augen, die mich faszinierten, wie zum Beispiel die Aufnahme eines afghanischen Mädchens von Steve McCurry. Ich hatte viele Jahre einen großformatigen Druck davon in meinem Büro, jetzt hängt dort das Bild von Nele“, berichtet der 42-jährige Bauingenieur, der gemeinsam mit seiner Frau Karin seit zehn Jahren in Wetter lebt. Und natürlich mit Nele. Sie war auch der Anlass für Zintl, sich intensiver mit dem Fotografieren zu beschäftigen. Zu ihrer Geburt legte er sich seine erste Digitalkamera zu.

Mittlerweile besitzt er die dritte Spiegelreflexkamera, eine Canon 6D. Warum diese? „Ich wollte eine Vollformatkamera haben. Letztlich denke ich aber, dass Kamera und Objektive nur zweitrangig sind, es kommt auf den an, der dahinter steht.“ Diese Meinung hat sich auch beim Marburger Stammtisch der fotocommunity gefestigt, zu dem Zintl seit Mitte 2014 regelmäßig geht. „Ich finde den Austausch wichtig, man lernt ja nie aus und es gibt dort einfach viele super Foto-grafen.“ Das stimmt wohl.

Zitronen und old school

Wenn Zintl über Techniken, Fotografen oder Bilder spricht, die ihn begeistern, ist er mit Leidenschaft bei der Sache. Offen für Neues – aber mit einem festen Standpunkt. Er selbst fotografiert nur im raw-Format. „Ein Bekannter hat es damals so formuliert – das jpg-Format ist eine ausgepresste Zitrone, das raw-Format ist die Zitrone. Da ist eben noch alles drin“, erklärt Zintl. Später bei der Bearbeitung – mit Lightroom – hat er dann einfach mehr Möglichkeiten. Prinzipiell ist er sehr interessiert an den vielen Möglichkeiten, die die Bildbearbeitung bietet und bildet sich auch stetig weiter. Aber dann fällt das Stichwort Color Key. Und ein Zitat von dem Fotografen Steffen Böttcher, dessen Buch Zintl hervorholt. „Kein Foto der Welt hat Color Key verdient.“ Würde Zintl sofort unterschreiben. Jedenfalls bei vielen. „Da bin ich eher old school.“

Ebenfalls old school geht es bei den anderen beiden Leidenschaften von Zintl zu: Fußballspielen – bei den Altherren – und Musikhören. Heavy Metal und Klassik werden im Hause Zintl am häufigsten gehört, am liebsten Judas Priest. „Das aber nur im Obergeschoss“, merkt Karin Zintl schmunzelnd an, die selbst mehr auf der Klassik-Seite steht. Wenn es um Literatur geht, sind die Beiden sich wieder ganz einig. „Wir lesen sehr gerne und viel, können uns auch gut austauschen“, erklärt sie. Auch beim Fotografieren sind sie ein gutes Team. „Wenn ich etwas Schönes sehe, rufe ich ihn meistens schnell dazu: ,Chris, das musst du fotografieren.‘ Er hat dann einfach den besseren Blick dafür.“

Die Kreuzspinne hat der Hobbyfotograf aber selbst entdeckt. „Ich war gerade auf dem Sprung und auf dem Weg zu meinem Auto. Da hab‘ ich die Spinne an unserem Schuppen gesehen.“ Es gab eine spontane Planänderung, Zintl eilte zurück ins Haus und holte seine Ausrüstung. Und eine Sprühflasche. „Um das Netz stärker zu betonen, habe ich es mit Wasser eingesprüht.“ Die Spinne stellte sich als geduldiges Motiv heraus. Es blieb genügend Zeit, um mehrere gute Aufnahmen zu machen. Und eine Entscheidende zum Doppelsieg für Christoph Zintl. Und Gesamtsieg. Und überhaupt: Gratulation!

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