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Viel Engagement für die Infrastruktur

Kommunalwahl in Fronhausen Viel Engagement für die Infrastruktur

Vier Fragen und vier Antworten im Direktvergleich. Die Listensprecher von CDU, SPD und der Initiative Fronhausen beziehen Stellung.

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Im Bürgerhaus Fronhausen finden unter anderem die Sitzungen des Gemeindeparlaments statt. Die Listensprecher Michael Heimann (SPD, von links), Inge Lettermann-Nass (Initiative Fronhausen) und Walter Horn (CDU) wollen dort mit möglichst vielen eigenen Fraktionsmitgliedern nach der Kommunalwahl wieder einziehen.

Quelle: privat (3); Thorsten Richter

Fronhausen. Die „Bürger für Fronhausen“ haben nicht mehr zur Kommunalwahl gemeldet. Wohl aber eine Gruppierung, die aus den „Bürgern“ hervorgegangen ist. Und so bleibt es bei drei Listen, die sich um die Sitze im Fronhäuser Parlament bewerben. Im OP-Interview beziehen die drei Listensprecher Inge Lettermann-Nass (Initiative Fronhausen), Walter Horn (CDU) und Michael Heimann (SPD) Stellung zu Themen aus der Großgemeinde.

OP: Welche Ideen und Projekte wollen Sie im Zuge der Umstellung auf erneuerbare Energien in Fronhausen versuchen umzusetzen? Dazu ganz konkret: Plädieren Sie für einen Anschluss des Bürgerhauses Fronhausen an das in unmittelbarer Nachbarschaft bereits vorhandene Nahwärmenetz?

Michael Heimann: Wir werden die Planungen zur Nutzung der Windenergie im Gemeindegebiet weiter aktiv unterstützen. Auch andere nachhaltige und umweltfreundliche Projekte im Bereich erneuerbarer Energien wollen wir voranbringen. Ein Anschluss des Bürgerhauses Fronhausen an das vorhandene Nahwärmeversorgungsnetz kommt infrage, wenn die Wirtschaftlichkeit gegeben ist. Darüber hinaus wollen wir uns auch dafür einsetzen, gemeindeeigene Liegenschaften sowie Straßenbeleuchtung etc. möglichst energiesparend zu betreiben.

Walter Horn : Die Förderung der Bioenergiegenossenschaft Fronhausen gehört für uns zur Förderung privatwirtschaftlichen Engagements. Die Bioenergiegenossenschaft kann einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Fronhausen leisten, ist aber kein Allheilmittel. Wir unterstützen die Bemühungen der Genossenschaft, ein Fernwärmenetz zur Verfügung zu stellen und wollen den Anschluss gemeindlicher Gebäude daher neu prüfen und bei Wirtschaftlichkeit vornehmen. Darüber hinaus unterstützen wir die Ansiedlung von Windenergieanlagen in der Gemarkung Hassenhausen. Die Energieversorgung wird bei der Ausweisung neuer Baugebiete eine gesteigerte Rolle spielen. Es wird jeweils zu prüfen sein, ob ein Anschluss an das Fernwärmenetz möglich ist, ob andere zentrale Versorgungssysteme (z.B. Blockheizkraftwerk) ökologisch und ökonomisch sinnvoll sind und ob man im Bebauungsplan Festsetzungen treffen kann, die z.B. über die Dachneigung und die Gebäudeausrichtung für den Einsatz von Photovoltaiktechnik günstig sind. Dabei ist immer auch der Einsatz von Erdwärme zu prüfen.

Inge Lettermann-Nass: Erneuerbare Energien sind uns wichtig, aber nicht um jeden Preis. Vor Ort bieten wir die volle Unterstützung zur Schaffung von Rahmenbedingungen bei Projekten zur Energiewende, zum Beispiel die Maßnahme Windpark in Hassenhausen. Bei der Beteiligung an interkommunalen Windparks werden wir jedoch die Kosten in Relation zum Nutzen betrachten. Sollte beim Bürgerhaus Fronhausen die Erneuerung der Heizungsanlage anstehen, sind wir für den Anschluss an das bestehende Nahwärmenetz.

OP: Welche Ideen verfolgen Sie, das Defizit, das durch den Betrieb der Bürgerhäuser verursacht wird, zu verringern beziehungsweise zu verhindern?

Michael Heimann: Bürgerhäuser können nicht nur unter wirtschaftlichen Aspekten bewertet werden. Sie haben auch eine soziale Funktion, gehören zur Dorfinfrastruktur und sollten, wenn irgendwie möglich, erhalten werden. Darüber hinaus muss die Online-Verfügbarkeit und -Werbung für die Bürgerhäuser verbessert werden, um eine höhere Auslastung zu erzielen.

Walter Horn: Bürger- und Dorfgemeinschaftshäuser werden immer defizitär sein. Das Defizit gehört zu den Kosten einer im allgemeinen Interesse vorzuhaltenden Infrastruktur. Das Defizit kann aber reduziert werden, wenn es gelingt, die Auslastung zu erhöhen. Dafür müssen die Häuser attraktiv sein. Möglicherweise kann man auch die Betriebskosten senken.

Inge Lettermann-Nass: Das Defizit lässt sich nur schwerlich reduzieren. Alle bisherigen Maßnahmen führten nur zu Ergebnissteigerungen im unteren einstelligen Prozentbereich, daher streben wir weitere Übernahmen von Trägerschaften wie in Sichertshausen an. Ob wir uns alle sechs DGHs/BGHs auch in Zukunft leisten können, ist aus heutiger Sicht nicht abschließend zu bewerten. Durch eine attraktive Vermarktung müssen wir eine gute Alternative für private und kommerzielle Nutzung bieten, welche auch für Vereine bezahlbar bleibt.

OP: Aus welchen Gründen unterstützen Sie oder unterstützen Sie nicht die Forderung der Feuerwehr nach einem Hubkraftrettungsfahrzeug, sprich einen Einsatzwagen mit einer Drehleiter?

Michael Heimann: Unsere Feuerwehr ist die wichtigste Einrichtung der Gemeinde zur Gefahrenabwehr und Brandschutz; deswegen ist es für uns selbstverständlich, die Forderung nach einem Hubkraftrettungsfahrzeug zu unterstützen! Die Feuerwehrmänner und -frauen der Gemeinde riskieren viel und verzichten auf so einiges für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Natürlich haben wir höchstes Interesse daran, unsere Wehren – im Rahmen unserer Möglichkeiten – bestmöglich auszustatten. Spätestens jedoch die Befürchtung, dass sonst Menschenrettung – auch aus Zeitgründen – unter Umständen nicht mehr möglich ist, macht eine Unterstützung zwingend notwendig

Walter Horn: Wir benötigen auch in Zukunft ein Hubkraftrettungsfahrzeug (Drehleiter), um für mehrere Gebäude den zweiten Rettungsweg zu gewährleisten und Menschenleben zu retten. Eine Neuanschaffung ist daher unabdingbar. Insoweit hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf im Übrigen bereits eine entsprechende Anordnung über die Vorhaltung eines solchen Fahrzeugs getroffen.

Inge Lettermann-Nass: Unsere ehrenamtlichen Feuerwehrleute leisten unverzichtbare Arbeit unter Einsatz von Gesundheit und Leben. Darum muss eine bedarfsgerechte Ausrüstung selbstverständlich sein. Die Anschaffung des Hubkraftrettungsfahrzeuges ist ein wichtiger Bestandteil des Feuerwehrbedarfs- und Feuerwehrentwicklungsplans und bedingt sich durch die Gebäudestruktur in unserer Gemeinde. Die längst überfällige Umsetzung dieser Planung ist unser Ziel.

OP: Welche Projekte zur Stärkung und zum Erhalt der Infrastruktur wollen Sie in den nächsten fünf Jahren in der Großgemeinde vorantreiben?

Michael Heimann: Eine zukunftsorientierte Gemeinde wie Fronhausen benötigt eine ständige Entwicklung ihrer Infrastruktur. Wir werden uns dafür einsetzen, dass Baugebiete bedarfsgerecht und in allen Ortsteilen ausgewiesen werden und auch die Ansiedlung von Gewerbetreibenden gefördert wird. Natürlich wollen wir auch die attraktivere Gestaltung der Ortskerne durch die Gemeinde unterstützen und dem Leerstand von Wohnraum entgegenwirken. Im Bereich der Verkehrsinfrastruktur wollen wir Verbesserungen erreichen; beispielhaft sind hier Fußgängerüberwege, verkehrsberuhigte Zonen, Bus- und Bahnverbindungen, Radwege sowie die Einrichtung eines Bürgerbusses zu nennen.

Walter Horn: Wir wollen insbesondere die Kinderbetreuung ausbauen, die Bürger- und Dorfgemeinschaftshäuser erhalten und die Feuerwehren zukunftsfähig aufstellen. Dazu kommt die Bereitstellung von Wohnraum, sei es im Zuge neuer Baugebiete, die wir für alle Ortsteile anstreben, sei es durch Schließung von Baulücken und Umnutzung bestehender Gebäude. Darüber hinaus werden wir Infrastruktur für die Versorgung von Flüchtlingen vorzuhalten haben. Wir wollen eine dezentrale Unterbringung, die über die gesamte Gemeinde verteilt ist. Das fördert Kontakte zwischen den Flüchtlingen und ihren deutschen Nachbarn und ist Voraussetzung für eine Integration.

Inge Lettermann-Nass: Vorrangig ist die Ausweisung von Baugebieten, um der hohen Nachfrage von Bauwilligen gerecht zu werden, auch im Hinblick auf die Belange des sozialen Wohnungsbaus. Unser Augenmerk gilt weiter der innerörtlichen Entwicklung, um einem Gebäudeleerstand entgegenzuwirken und die Funktion der Ortskerne zu erhalten. Die mittelständische Struktur prägt die Gemeinde Fronhausen, daher werden wir die bestehenden Gewerbebetriebe unterstützen und für Neuansiedlungen werben. Wir wollen eine gute Infrastruktur sicherstellen, den Erhalt und den Ausbau von Einrichtungen zur Daseinsvorsorge, wie z.B. Arztpraxen, Apotheken und Einkaufsmöglichkeiten. Die Betreuung und Integration von Flüchtlingen muss auch bei uns umgesetzt werden. Wichtig bleibt, jedem Kind den gesetzlich zustehenden Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung zu gewährleisten.

von Götz Schaub

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