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Ein Paradies für Vogelbeobachter

„Birdwatch an den Martinsweihern“ Ein Paradies für Vogelbeobachter

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf liegt direkt „unter“ einer beliebten Zugvogellinie. Das beschert den Martinsweihern immer wieder sehr interessante Gäste.

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Dr. Martin Kraft zeigt gerne Studenten und Kindern die Geheimnisse der Martinsweiher.

Niederwalgern. Für „Birder“ (siehe Hintergrund) sind die Martinsweiher wahrlich ein Paradies. Dort kann man mit Blick auf das Wasser die Seele baumeln lassen oder – und das macht es dort so spannend – mit Fernglas ausgerüstet nicht alltäglich anzutreffende Wildvögel beobachten.

In einer kleinen Serie unter dem Titel „Birdwatch an den Martinsweihern“ (siehe unten) stellen wir über die kommenden Wochen in Zusammenarbeit mit Dr. Martin Kraft außergewöhnliche Gäste an den Martinsweihern per Steckbrief vor.

Kraft, Vorsitzender des frisch gegründeten Marburger Instituts für Ornithologie und Ökologie, hat das Gelände seit 1992 gepachtet und ist ein ausgewiesener Vogelexperte. Er hat schon so viele Vögel gesehen, dass ihn eigentlich nichts mehr so leicht aus der Ruhe bringen kann. Es sei denn, er bekommt von einem anderen Birder einen Anruf mit brisanter Info.

„So war es jedenfalls im Sommer 2002, als mich Manfred Heller anrief, dass er an den Martinsweihern einen Terekwasserläufer erblickt hat“, erzählt Kraft. Da schlug mit einmal sein Herz schneller, er ließ alles stehen und liegen und eilte von der Kiesgrube Niederweimar, wo er sich gerade befand, „wie ein geölter Blitz“ rüber nach Niederwalgern.

„Als ich ankam, hatte er ihn aus den Augen verloren, aber ich war so aufgeregt und suchte systematisch das Gelände mit dem Fernglas ab und fand ihn tatsächlich wieder.“ Nun, was ist nun so besonders an einem Terekwasserläufer? – Die Frage beantwortet sich von selbst, wenn Kraft erzählt, dass diese Meldung sofort rund 350 Birder aus ganz Deutschland an die Martinsweiher gelockt hat.

„Die Beobachtung in Niederwalgern war die erste eines Terekwasserläufers in Hessen. Danach gab es nur noch eine im Sommer 2014 in Südhessen.“ Er war offensichtlich alleine unterwegs. Hat sich wohl einer falschen Zugvogelgruppe angeschlossen.

Der Terekwasserläufer aus Finnland oder Westrussland wurde genau zehn Jahre nach der Entwicklung der Teiche gesichtet. Sie entstanden nach der Beendigung der professionellen Auskiesung als das Grundwasser in den Gruben langsam wieder steigen konnte und eine ganz attraktive Landschaft mit Flachwasserzonen und Schlick für Vögel schuf.

Die größer werdende Wasserfläche zog dann zunehmend Zugvögel an. Und damit zogen die Weiher auch immer mehr Vogelfreunde an, die sich mittlerweile auch sehr bequem in der von den Niederwälger Heinzelmännchen 
gebauten Beobachtungsstation 
niederlassen können.

Und sollte mal wirklich gar nichts los sein, dann kann man sich auch auf die Suche nach den Wasserbüffeln machen, die seit letztem Jahr im eingezäunten Areal leben und sich auch ganz locker mal fotografieren lassen, während sie daran arbeiten, dass das Areal um die Weiher nicht zuwuchert.

von Götz Schaub

 
Hintergrund
„Birder“, abgeleitet vom englischen Wort für Vogel „bird“ – so nennen sich gerne die aktiven Vogelbeobachter, die mit Fernglas, Spektiv und enormen Kameraobjektiven ausgerüstet unterwegs sind und ihre gemachten Beobachtungen im Internet national und international sehr oft unter dem Schlagwort „birdwatch“ teilen.
 
Steckbrief

Terekwasserläufer

Wann gesichtet?
Am 6. und 7. Juli 2002. Entdecker Manfred Heller, Lollar-Ruttershausen, erster Zeuge Martin Kraft, Marburg.

Wie viele Exemplare?
Ein männliches Exemplar.

Wie lange vor Ort?
27 Stunden.

Besondere Kennzeichen?
Klein und kurzbeinig, sehr langer, etwas aufwärts gebogener Schnabel, wippt mit dem Hinterkörper.

Zugvogel?
Ja, brütet an Waldsümpfen, Seen und Flüssen in den Niederungen von der Taigazone Finnlands bis nach Ostasien. Überwintert an den Küsten Afrikas, Asiens und Australiens.

Rote Liste?
Brütet nicht in Deutschland und steht deswegen auch nicht auf der Roten Liste.

Wahrscheinliche Herkunft?
Finnland oder Westrussland.

Warum außergewöhnlich?
Obwohl der Terekwasserläufer sein Brutareal in Finnland und Russland etwas nach Westen erweitert, ist er immer noch eine Ausnahmeerscheinung in Hessen, aber an der Nordseeküste ein alljährlicher Durchzugsgast im Mai und von Juli bis September.

  • Text und Foto: Dr. Martin Kraft, Vorsitzender des Marburger Instituts für Ornithologie und Ökologie
 
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