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Projekt Oberrosphe ist ein Meilenstein

Kommunalwahl in Wetter Projekt Oberrosphe ist ein Meilenstein

Die Unterhaltung der Dorfgemeinschafts- oder auch Bürgerhäuser ist für den Haushalt einer jeden Kommune stark belastend, weil die Ausgaben die Einnahmen bei Weitem übersteigen. Was also tun, wenn man nicht eins oder mehrere schließen will?

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Das Bürgerhaus Treisbach hat Solarfelder auf dem Dach und „erntet“ so Energie. Auf der Rückseite des Gebäudes finden gerade Arbeiten statt.

Quelle: Thorsten Richter

Wetter. Ohne Bürgerhaus kann man natürlich leben, will man aber nicht. Das hat durchaus berechtigte Gründe. Doch bei all den Veränderungen in den letzten Jahrzehnten muss die Frage erlaubt sein, ob es  noch zeitgemäß für eine Kommune ist, sich in jedem Orts- beziehungsweise Stadtteil ein Bürgerhaus zu leisten, weil sie in der Regel weit mehr Kosten verursachen, als mit ihnen einzunehmen ist. 

Wetter besitzt eine sanierungsbedürftige Stadthalle und in jedem Stadtteil, auch im kleinen Oberndorf, ein Bürgerhaus. Sollen die alle weiter existieren? Wenn ja, wie sollen sie künftig finanziert werden, wenn nein, was wären die Alternativen? Fragen wir doch mal die Sprecher der Listen, die sich für das neue Stadtparlament empfehlen wollen, was sie dazu zu sagen haben.

Harald Althaus (SPD):

Ja. Bürgerhäuser sind insbesondere in den Stadtteilen, die zentrale Einrichtung, die der Dorfgemeinschaft zur Verfügung stehen sollte. Durch die vielfältige Nutzung dienen sie der Pflege des Vereinslebens, kulturellen Veranstaltungen und des sozialen Miteinanders.

Sie sollten in ihrer Ausstattung und Nutzungsmöglichkeit so ausgerichtet sein, dass sie den individuellen Bedürfnissen der Stadtteile und deren Bürger gerecht werden. Eine zukünftige Finanzierung ist nur in Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten, Vereinen und bürgerschaftlichen Gruppierungen vor Ort möglich. Die Stadtverordnetenversammlung hat aktuell einem alternativen Betreiberkonzept für das Dorfgemeinschaftshaus in Oberrosphe zugestimmt. Dies könnte bei einem erfolgreichen Verlauf auch Vorbild für die eine oder andere Einrichtung in den anderen Stadtteilen sein.

Das Bürgerhaus in Wetter ist in die Stadthalle integriert. Wir fordern zeitnah ein klares Konzept zur Zukunft der Stadthalle. Neben der Prüfung einer möglichen Sanierung, darf auch ein Neubau nicht ausgeschlossen werden. Für die SPD kommt eine Schließung eines Bürgerhauses ohne unmittelbare Bürgerbeteiligung nicht in Frage.

Nicklas M. Zielen (CDU):

Der Erhalt der Dorfgemeinschaftshäuser ist für das Funktionieren einer gesunden Dorfgemeinschaft unerlässlich. In unseren Dorfgemeinschaftshäusern findet das aktive Vereinsleben statt, welches einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, dass das Leben auf dem Dorf attraktiv ist. Und das soll auch so bleiben. Richtig ist, dass die Unterhaltung der Dorfgemeinschaftshäuser ein wesentlicher finanzieller Faktor ist, welcher den städtischen Haushalt belastet. Es ist daher nach alternativen Möglichkeiten der Finanzierung zu suchen. Dies kann zum Beispiel durch die Überführung des Betriebes auf private Vereine geschehen, wie es gerade in Oberrosphe geschehen ist.

Eine entsprechende Vereinbarung befindet sich unmittelbar vor dem Abschluss und wird von der CDU unterstützt. Durch die Überleitung des Betriebes der Dorfgemeinschaftshäuser auf Vereine kann sich zudem eine Steigerung der Attraktivität durch den Betrieb von Dorfcafés ergeben. Dies wäre von Seiten der Stadtverwaltung überhaupt nicht zu leisten. Wichtig bei alledem ist, dass die Vereine die Dorfgemeinschaftshäuser weiterhin kostenlos nutzen können.

Martin Krieger (Die Linke):

Die Bürgerhäuser sind wichtige Pfeiler des gesamten öffentlichen Lebens. Ihr Fortbestand ist nicht in Frage zu stellen. So bieten die Bürgerhäuser den Rahmen für Familienfeiern, das Vereinsleben findet dort statt, Discoabende, Veranstaltungen der Kirchengemeinden, aber auch politische Veranstaltungen wie Bürgerversammlungen oder die öffentlichen Sitzungen von Ortsbeiräten oder des Stadtparlaments. Was die finanzielle Grundlage angeht, so geht die Stadt Wetter derzeit im Stadtteil Oberrosphe neue Wege, indem sie die Trägerschaft des Bürgerhauses einem Verein übertragen hat.

Das Stadtparlament hat darüber am 16. Februar einen Beschluss gefasst. Dieses Modell lässt sich sicher auch auf andere Bürgerhäuser anwenden, es darf jedoch nicht dazu führen, dass Stadtteile, in denen sich kein solcher Verein oder eine Vereinsgemeinschaft findet, bestraft werden, indem dort das Bürgerhaus geschlossen wird. Wir als Linke werden uns konsequent dafür einsetzen, dass alle Bürgerhäuser erhalten bleiben.

Klaus Gerber (Bündnis 90 / Die Grünen):

Bürgerhäuser sind für alle Menschen, die in ihren Dörfern leben, mehr als nur Gemeindehäuser. Sie sind Häuser der Begegnung, wichtig für Vereine, aber auch für die Menschen selbst, für große Familienfeiern wie Hochzeiten, aber auch für Trauerfälle. Daher müssen diese Häuser bleiben. Gut wäre, wenn sich immer Verantwortliche finden oder Vereine bilden würden, die versuchen, diese Bürgerhäuser selbst zu verwalten, bzw. auch zu vermarkten. Das versucht derzeit ein neu gegründeter Verein in Oberrosphe, der einen entsprechenden Antrag an die Stadt gestellt hat, welchem auch das Parlament zugestimmt hat.

Vereine sind aber nicht in der Lage, solche Häuser selbst zu tragen. Daher ist ein gutes Konzept notwendig. Die Häuser werden daher in städtischer Hand bleiben. Die Kosten könnten mit einem guten Vermarktungskonzept beispielsweise eines Vereines deutlich gesenkt werden. Auch kann die Dorfgemeinschaft so selber entscheiden, wie die Ausgestaltung  dieses Hauses aussehen könnte. Wir haben für solche Projekte immer ein offenes Ohr.

Stefan Ronzheimer (FDP):

Bürgerhäuser sind die zentralen Treffpunkte in den Stadtteilen. In den meisten Stadtteilen gibt es keine alternativen Möglichkeiten zum Durchführen von Vereinsaktivitäten, Feiern und Trauerfeierlichkeiten. Eine Schließung sollte daher immer nur die allerletzte Möglichkeit sein.

Mit dem „Leuchtturmprojekt“ zur Übernahme der Trägerschaft des Dorfgemeinschaftshauses in Oberrosphe durch den Verein „Gut Leben auf dem Dorf – hier in Oberrosphe“ wird das erste Bürgerhaus in der Stadt in die Hände eines Vereins übergeben. Wenn dieses Projekt erfolgreich verläuft, könnten hier andere Stadtteile und Bürgerhäuser folgen. Dadurch würden Kosten für den städtischen Haushalt eingespart, während die Bürgerhäuser erhalten bleiben. Für die Stadthalle in Wetter lässt sich solch eine Trägerschaft aus unserer Sicht nicht umsetzen. Hier muss im Zuge einer Sanierung oder auch eines Neubaus über neue Nutzungskonzepte nachgedacht werden, um das Defizit zu reduzieren. Die Stadthalle muss aber als zentraler und größter Veranstaltungsort im Stadtgebiet erhalten bleiben.

von Götz Schaub

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