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"Bei uns dreht sich alles um die Tiere"

Schwalben in Reddehausen "Bei uns dreht sich alles um die Tiere"

Wie bei allen Singvögeln sinkt auch die Population der Schwalben. Karl-Heinz Rex vom Naturschutzbund (Nabu) wirkt der Entwicklung mit Kunstnestern an seinem Haus entgegen.

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Als im April die ersten Schwalben aus Afrika ankamen, hat Rex die Lackier-Arbeiten an seinem Haus unterbrochen, um die Vögel nicht zu stören. Wenn Ende des Monats auch die Bewohner des letzten belegten Nestes (Bild rechts oben) ausgeflogen sind, will er weitermachen.

Quelle: Freya Altmüller

Reddehausen. „Die Schwalben suchen sich ihr Quartier selbst“, erklärt Karl-Heinz Rex. Bevor er in das 1927 gebaute Haus eingezogen ist, habe es dort nie welche gegeben. Als er dann bemerkte, dass ein Paar begann, ein Nest zu bauen, das ständig wieder herunterfiel, montierte er ein künstliches. Vor 25 Jahren war das, seitdem nisten Generationen von Schwalben bei ihm.

„Sie merken sich, wo sie geschlüpft sind und kehren immer wieder an ihren Geburtsort zurück“, so Rex - wenn sie nicht auf dem Weg dorthin gefangen werden: „In einigen Ländern werden sie gerne gegessen“, weiß der zweite Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Reddehausen. Auf ihrer Strecke nach Afrika begegnen Singvögel daher Netzen, in denen sie gefangen werden. „Mehrere Millionen bleiben da jedes Jahr auf der Strecke“, so Rex. Obwohl das in Europa verboten sei.

Aber auch der Mangel an Insekten mache den Schwalben zu schaffen. „Sie fressen nichts anderes“, so der Vogelfreund. „Anfüttern kann man sie nicht.“

Helfen könne man ihnen aber mit künstlichen Nestern. „Schwalben bauen sie normalerweise aus Lehm und Erde“. Mit ihrem Schnabel nähmen sie das Material auf, vermischten es mit Speichel. Dann spucken sie insgesamt zwischen 700 und 1500 kleine Kügelchen. An einer Hauswand angebracht, entsteht daraus im Laufe der Zeit ein rundes Nest mit einer kleinen Öffnung. „Der Lehm muss feucht sein, aber im April und Mai gibt es oft Trockenperioden“, sagt Rex.

Zudem komme der Spatz ihnen manchmal zuvor. Bevor die Öffnung so klein sei, dass nur noch eine ungefähr einen Finger lange Schwalbe hindurch passe, nehme er das Nest ein. „Nur Mehlschwalben brüten in solchen Nestern“, erklärt der 54-Jährige. Man erkenne sie an ihrer weißen Unterseite. Bei Rauchschwalben hingegen sei sie bräunlich. „Sie nisten auf Bauernhöfen in Stallungen“, weiß Rex, der als Hausmeister tätig ist.

Rex hält mehr als 100 Tauben

Vor 35 Jahren war er Gründungsmitglied der Ortsgruppe des Nabu in Reddehausen. Als Ortsvogelwart berät er die Gemeinde Cölbe. Rex wohnte noch bei seinen Eltern, als er die ersten Tauben hielt. Über hundert leben heute in seiner Scheune, dazu 35 Ziervögel in einer Voliere im Hof, zwei Ziegen im Garten und ein Hund im Haus.

„Bei uns dreht sich eigentlich alles um die Tiere“, erklärt Rex, der mit seiner Frau in einem Fachwerkhaus lebt. Im Sommer hört er bei offenem Fenster jede Nacht die Schwalben-Jungen zwitschern. Er mag das Geräusch. Im April wartet er immer darauf, dass sie kommen. In einem Beobachtungsbuch notiert er seit Jahren, wann sie erscheinen. „Immer zwischen dem 7. und dem 14.“, berichtet er.

In diesem Jahr war er zu der Zeit gerade mit dem Streichen der Hausfassade beschäftigt. Wenn er auf dem Gerüst stand, versuchten sie die Nester anzufliegen, trauten sich aber nicht rein.

Wand ist mit abwaschbarer Farbe gestrichen

„Ich habe dann aufgehört, damit sie ungestört sind“, so der gelernte Maler und Lackierer. Das Gerüst ließ er stehen, bis er Ende September, Anfang Oktober seine Arbeit fortsetzen kann. Denn dann machen sich die Schwalben wieder auf den Weg in den Süden. Wenn sie weg sind, hängt Rex alle zwei Jahre die dreißig Nester ab, um sie mit Milbengift einzusprühen.

„Die Jungen gehen durch die Milben kaputt“, so der Vogelfreund. Teils seien die Parasiten auch der Grund, warum die Nester gar nicht mehr besiedelt würden.

24 Paare brüteten in diesem Jahr. Manchmal waren schon so viele bei Rex zu Gast, dass sie zwischen den Nistplätzen eigene bauten. „Schwalben sind Kolonienbrüter“, sagt Rex. Daher schätzten sie die Nachbarschaft. Unter den Brettern, die Rex an der Hauswand zum Auffangen des Kots montiert hat, hat er mal versucht, weitere Nester anzubringen. „Da sind die Schwalben aber nicht reingegangen.“

Jeden Herbst reinigt er seine Hauswand, die er mit einer abwaschbaren Farbe gestrichen hat. Rex sieht das nicht als Belastung. „Nee, um Gottes Willen!“, sagt der 54-Jährige. „Wir haben die Schwalben gern am Haus. Für uns gehören sie dazu.“

von Freya Altmüller

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