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Keine Mehrheit für Rot-Grün

Vorläufiges Endergebnis für Marburg Keine Mehrheit für Rot-Grün

Der Trend hat sich bestätigt: Rot-Grün ist abgewählt, die CDU erholt sich vom 2011er-Schock, die Linken verdoppeln ihre Mandatszahl. Erstaunlich: Die Piraten halten ihren Sitz im Stadtparlament.

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Das vorläufige Endergebnis für die Wahl zur Marburger Stadtverordnetenversammlung liegt vor.

Marburg. Die Grünen haben in der Universitätsstadt so wenige Stimmanteile bekommen wie seit 1981 (kurz nach ihrer Gründung) nicht mehr. In Südviertel, Oberstadt und Campusviertel erzielten sie Ergebnisse weit jenseits der 20 Prozent – vor fünf Jahren waren es auch in diesen Hochburgen häufig eher 30 Prozent plus. Ein Symbol für den Einbruch der Grünen ist das Ergebnis im Wahlbüro Ronhausen/Bürgerhaus: Dort errangen sie in diesem Negativ-, wie auch in ihrem Rekordjahr 2011 ihr schlechtestes Ergebnis. Unterschied: Vor fünf Jahren holten sie neun, nun zwei Prozent.

Aber auch der Koalitionspartner SPD schnitt zuletzt nur 1993 und 1997 noch schwächer ab als in diesem Jahr. So wenige Sitze wie in der kommenden Legislaturperiode hatten die Sozialdemokraten zuletzt beim Urnengang vor 19 Jahren. Ähnlich wie ihr Regierungspartner verloren sie auch in ihren zuletzt stärksten Stimmbezirken – im Durchschnitt mehr als fünf Prozent. Im Stadtteil Richtsberg, wo die Wahlbeteiligung allerdings weit unterdurchschnittlich ist, finden sich die größten SPD-Stimmanteile. Wie schon 2011 gab es die schlechtesten Resultate in der Oberstadt sowie am Rand zur Marbach und im Campusviertel. Das SPD-Endergebnis exakt getroffen haben die Wähler in Cappel/Bürgerhaus und Wehrda/Gemeindehaus Martinskirche.

CDU profitiert in Kernstadt kaum von Verkehrsdebatte  

Die CDU dominiert in den meisten Außenstadtteilen, steigerte ihr 2011er-Ergebnis vielerorts um rund zehn Prozent. In Schröck und Dilschhausen reichte es so für mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen. Hochburgen sind auch Cappel und Wehrda. Die Kontroverse um die Nordstadt-Verkehrsreform hat der Partei in der Kernstadt aber offenbar wenig geholfen – in den nahegelegenen Wahlbüros sind die Zuwächse recht gering. Zugewinne gab es auch im Südviertel, das trotzdem weiterhin der Schwachpunkt der Partei bleibt.  

Die Linke, die nach ihrem Rekordergebnis künftig acht statt vier Stadtverordnete stellt, punktete quer durch die Stadt so wie nie zuvor. Vor allem in und rund um die Oberstadt, in Weidenhausen und im Nordviertel – wo die Linke mitunter stärkste Kraft war. Nur in den meisten Außenstadtteilen wählten sie unterdurchschnittlich viele Bewohner.  Die Partei hat indes für anstehende Sondierungsgespräche mit der SPD eine Verhandlungsgruppe benannt: Neben Spitzenkandidat Jan Schalauske werden Tanja Bauder-Wöhr, Henning Köster und Renate Bastian  für „einen Politikwandel in Richtung sozialer Forschritt“ eintreten.

Die „Bürger für Marburg“ befinden sich, nachdem sie in den 2000ern ganz aus dem Parlament verschwunden waren, im Aufwind – zumal als potenzieller Retter einer Rot-Grün-Koalition. „Unsere Verjüngung hat gefruchtet, wir wachsen langsam, aber wir wachsen“, sagt Roland Freese. Die besten Ergebnisse erzielten die BfM in den Briefwahlbezirken Ronhausen, Hermershausen und Cyriaxweimar, in der Oberstadt sowie in der Marbach.

FDP steigert Stimmanteileim Waldtal und Stadtwald

Dass die FDP ihr Niveau der Wahlen 2006 und 2001 erreicht hat,  verdankt sie Briefwählern, vor allem in Außenstadtteilen mit Ausnahme von Schröck, wo so gut wie niemand die Liberalen wählte. Interessant: Im Stadtwald und Waldtal, wo auch viele finanziell schwächer gestellte Menschen wohnen, wählten deutlich mehr Bewohner FDP als zuletzt (von 0,2 auf bis zu 5 Prozent).
Die „Marburger Bürgerliste“, für die Dr. Hermann Uchtmann als einziger in der Stadtverordnetenversammlung bleibt, brach im Vergleich zu 2011 in ihren Hochburgen Elnhausen und Wehrshausen komplett ein. Ihre besten Resultate holte die MBL bei Briefwählern in Michelbach und Bauerbach.

Jubel herrscht in der Piratenpartei. Entgegen dem Trend gelang ihnen – trotz nur halbvoller Kandidatenliste – der Wiedereinzug ins Parlament: „Ich bin platt! Aber ich freue mich, dass wir unsere Arbeit fortsetzen können“, sagt Dajana Unverzagt, Parteivorsitzende auf OP-Anfrage. „Das ist der Hammer, ich hatte angesichts der schlechten Vorzeichen schon aufgegeben. Zumal ich ja eher der stille Kellerarbeiter bin und nicht so die Bekanntheit habe“, sagt Dr. Michael Weber, Stadtverordneter. „Wir werden den anderen weiter auf die Finger gucken und für alle Facetten der Bürgerbeteiligung eintreten.“
Die Wahlbeteiligung sank von 50,7 auf 45,8 Prozent.

von Björn Wisker

 

Die Tabelle der Wahlergebnisse von Marburg finden Sie hier als PDF :

 
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