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Halise Adsan fühlt sich bei den Linken kaltgestellt

Kommunalpolitikerin nicht wieder nominiert Halise Adsan fühlt sich bei den Linken kaltgestellt

Kurz vor der Kommunalwahl verliert die Marburger Linke ein prominentes Mitglied: Die Stadtverordnete Halise Adsan erklärte offiziell den Austritt aus der Partei.

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Halise Adsan erklärte im Marburger Stadtparlament ihren Austritt aus der Marburger Linken.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Während der Sitzung des Stadtparlaments am vergangenen Freitag erklärte Adsan (41), dass sie die Partei verlassen habe. Über die Gründe gab Adsan keine Auskunft, sie wolle keine „schmutzige Wäsche“ waschen.

Halise Adsan ist seit Mai 2007 Stadtverordnete der Marburger Linken und arbeitete zuletzt unter anderem im Ausschuss für Soziales, Jugend und Frauen und im Jugendhilfeausschuss mit. Außerdem ist sie Mitglied der Gleichstellungs- und der Kulturkommission.

Halise Adsan ist Kurdin und bezeichnet sich selbst als „ehemaligen Flüchtling“. Sie hatte 1995 die Türkei verlassen, „um mein Leben zu retten“, hat sie einmal erklärt. „Als ehemaligem Flüchtling liegt mir daran, dass wir in Marburg eine offene, tolerante und vielfältige Gesellschaft haben und rechten Parolen keinen Raum lassen“, sagte Adsan nun im Stadtparlament.

Anfang Januar 2015 hatte sie auf der großen Anti-Pegida-Kundgebung auf dem Marktplatz gesprochen und dabei eindrucksvoll über ihre Erfahrungen als Verfolgte in der Türkei berichtet. Anschließend, so Adsan, habe sie Drohungen erhalten. Halise Adsan galt lange als „das“ Gesicht der Marburger Linken in der Integrations- und Flüchtlingspolitik.

Köster wirft Adsan mangelnden Arbeitseinsatz vor

Ihr erster Antrag im Stadtparlament forderte vom Magistrat die Übernahme von Patenschaften für verletzte kurdische Kinder, die im Rahmen der türkischen Neujahresfeiern 2008 durch türkische Soldaten oder Polizisten verletzt worden waren. In ihrer persönlichen Erklärung sagte Adsan, die Marburger Linke habe ebenso wie die Linke in Deutschland Schwierigkeiten, Positionen von Minderheiten in der Partei zu akzeptieren.

Offenbar fühlt sich Adsan von der Marburger Linken „kaltgestellt“. Auf der Kandidatenliste für die Wahl des neuen Stadtparlaments am 6. März taucht sie nicht mehr auf. Fraktionschef Henning Köster sagte der OP, Adsan sei zunächst für Platz 12 der 64-köpfigen Liste vorgeschlagen gewesen.

Die Linken haben derzeit vier Abgeordnete. Adsan habe sich aber weder auf der Versammlung des Stadtverbandes der Linken, der ein „erstes Vorschlagsvotum“ für die Linken-Kandidaten auf der Liste erarbeitet hat, noch auf der eigentlichen Wahlversammlung der Marburger Linken zur Listenaufstellung zur Wahl gestellt, sagte Köster.

Warum Adsan nicht erneut für einen aussichtsreichen Listenplatz nominiert wurde, erklärt Köster so: „Wenn, wie in diesem Fall, drei Mitglieder einer vierköpfigen Fraktion fast die gesamte parlamentarische Arbeit leisten müssen, dann ist die Listenaufstellung vor einer Wahl genau der Zeitpunkt, wo zum Ausdruck gebracht werden kann: Dies kann und darf nicht 5 Jahre so weiter gehen.“

Auf den aussichtsreichsten „Frauenplätzen“ der Kandidatenliste der Marburger Linken stehen nun Tanja Bauer-Wöhr (2), Renate Bastian (4), Inge Sturm (6), Elisabeth Kula (8) und Stefanie Wittich (10). Ihr Mandat in der Stadtverordnetenversammlung hatte Adsan während der letzten Sitzung der abgelaufenen Legislaturperiode behalten und auch ihren 
Sitzplatz in der Linken-Fraktion.

von Till Conrad

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