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Zweites Gutachten soll Klarheit bringen

Tod bei Festnahme Zweites Gutachten soll Klarheit bringen

Mitte April starb ein 37-Jähriger bei einem Polizeieinsatz in Biedenkopf. Die Obduktion ergab Tod durch Ersticken, die Ergebnisse eines zweiten Gutachtens liegen noch immer nicht vor.

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In diesem Haus in der Dexbacher Straße 28 in Biedenkopf randalierte der 37-Jährige, der in der Nacht zum 16. April bei seiner Festnahme erstickte. Foto: Tobias Hirsch

Biedenkopf . In der Nacht zum 16. April wurde eine Polizeistreife in die Dexbacher Straße 28 in Biedenkopf gerufen, weil ein 37-Jähriger randalierte und die Haustür eines Familienvaters eintrat. Aus Sorge rief der Nachbar die Polizei.

Am Tatort eingetroffen, hatten die Polizisten Mühe, den großen und übergewichtigen Mann zu beruhigen und zu kontrollieren. Schließlich gelang es, den Mann mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt auf den Bauch liegend zu fixierend. Doch plötzlich setzte seine Atmung aus. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Eine Woche nach dem Polizeieinsatz gaben die Marburger Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt in einer Pressekonferenz das Ergebnis der Obduktion bekannt: Tod durch Ersticken (die OP berichtete). Der 37-Jährige starb, weil er in der Fixierung nicht mehr Atmen konnte. Gegen die vier Polizisten wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Die entscheidende Frage, die sich den Ermittlern stellt, ist die, ob die Polizisten hätten erkennen können, dass sich der Gefesselte in einer Notlage befand. Zudem wurde ein zweites Gutachten zu feingeweblichen und toxikologischen Untersuchungen in Auftrag gegeben. Es sei nicht ungewöhnlich, dass das Gutachten noch nicht vorliegt, erklärte Annemarie Petri, Sprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der OP. Die Gerichtsmedizin sei überlastet. Es müsse sehr gewissenhaft geprüft werden. Die erste Untersuchung - das Obduktionsergebnis - habe noch nicht gänzlich für Klarheit gesorgt, bestätigte Petri.

Als Faktoren, die überprüft werden sollen, hatte Staatsanwalt Oliver Rust in der Pressekonferenz das Übergewicht des Mannes - bei einer Körpergröße von 1,88 Metern wog er 130 Kilogramm - sowie eine mögliche Medikamenteneinnahme oder der Genuss von Drogen angegeben. Am 23. April rechnete Staatsanwalt Rust noch damit, dass die Ergebnisse spätestens nach zwei Wochen - also bis zum 7. Mai - auf dem Tisch liegen. Diese Frist ist verstrichen.

Der 37-Jährige soll psychisch krank gewesen sein und an Verfolgungswahn gelitten haben. Er sei durch aggressives Verhalten auffällig geworden und schon mehrfach in der Psychiatrie eingewiesen worden, hatte Rust damals erklärt.

von Silke Pfeifer-Sternke

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