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Zweifel am Übernahme-Konzept

Zukunft der Dorfgemeinschaftshäuser Zweifel am Übernahme-Konzept

Der Ortsbeirat Rollshausen will mit einer Fragebogenaktion unter den rund 130 Haushalten des Ortes ein Votum für das weitere Vorgehen zum Thema „Erhaltung des Dorfgemeinschaftshauses“ einholen.

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Aufmerksam folgten die etwa 20 Bürgerinnen und Bürger den Ausführungen von Hermann Schorge, der ein Konzept für die Erhaltung des Dorfgemeinschaftshauses in Rollshausen vorstellte.

Quelle: Klaus Peter

Rollshausen. Annähernd drei Stunden dauerte am Donnerstagabend die Sitzung des Ortsbeirates, zu der Ortsvorsteher Martin Hardt neben den vier Ortsbeiratsmitgliedern auch Bürgermeister Georg Gaul und rund 20 Bürger begrüßte. Im Mittelpunkt der Versammlung standen die Vorstellung eines Konzeptes von Hermann Schorge und Hans-Wilhelm Kisch zum Thema „Zukunft des Dorfgemeinschaftshauses Rollshausen“ und die Neufassung der Friedhofssatzung.

Bürgermeister Georg Gaul berichtete, dass die Finanzlage der Gemeinde Lohra wie die vieler anderer Kommunen sehr angespannt sei. Der Gemeindevorstand habe sich im vergangenen Jahr aufgemacht, die Kostensituation insgesamt und dabei auch die für die zehn Dorfgemeinschaftshäuser zu beleuchten. Für die Dorfgemeinschaftshäuser schlage jährlich ein Defizit von rund 400000 Euro zu Buche.

Bei Bürgerversammlungen sei auf diese Situation hingewiesen und um Vorschläge gebeten worden, wie ein kostengünstiger Fortbestand der Dorfgemeinschaftshäuser zu realisieren sei. Es wurde die Frequentation der Gemeinschaftshäuser geprüft und daraufhin fünf der kleineren Häuser in den Wintermonaten geschlossen.

Am 21. Mai finde eine zentrale Bürgerversammlung in Lohra statt, wobei der Gemeindevorstand nochmals seine Vorstellung zum Thema „Dorfgemeinschaftshäuser“ darlege und dabei noch Ideen aus der Bürgerschaft entgegennehme. Letztendlich müsste sich die Gemeindevertretung nach den Sommerferien entscheiden, wie es weitergehen soll.

Kostenreduzierung durch Verein bis zu 80 Prozent

Schorge stellte das mit Kisch ausgearbeitete Konzept zur Zukunft der Dorfgemeinschaftshäuser in Lohra vor. Für das Dorfgemeinschaftshaus Rolls­hausen seien für 2011 rund 40000 Euro und für das Folgejahr 30000 Euro als Defizit aufgelaufen. Rückwirkend sei festzustellen, dass die Gemeinde Lohra schon wegen der Folgekosten keine 10 Dorfgemeinschaftshäuser hätte errichten dürfen. Gleichwohl dürfe die Entscheidung von damals nicht mit dem heutigen Wissen beurteilt werden. Die Gemeinde Lohra werde mittelfristig die Dorfgemeinschaftshäuser nicht verkaufen wollen, sondern verkaufen müssen, wenn jährlich ein Defizit von 400000 bis 450000 Euro anfalle.

„Was spricht dafür, dass die Dorfgemeinschaft das Dorfgemeinschaftshaus kauft und den Kaufpreis in der Form ableistet, dass diese zum Beispiel 20 Jahre die Kosten, die sonst die Gemeinde trägt, übernimmt und dabei die bisherigen Leistungen aufrecht erhält?“, fragte Schorge. Die Aufwendungen für den Unterhalt eines Dorfgemeinschaftshauses würden in Rollshausen wohl nur 20 bis 40 Prozent der Kosten betragen, die die Gemeinde zu leisten hätte. Dies begründete Schorge im Wesentlichen durch die enormen Eigenleistungen und das Entfallen von Personalkosten. Auch würde die Gemeinde für die Nutzung der Feuerwehrräume ebenso Miete an den Dorfverein zahlen wie zum Beispiel bei öffentlichen Sitzungen der Gemeindevertretung oder des Ortsbeirats.

Ein Bürger monierte, dass der Sanierungsstau im Dorfgemeinschaftshaus, der vermutlich 150000 Euro betrage, nicht in diesem Konzept enthalten sei. Kisch, Vorsitzender der Gemeindevertretung Lohra und Ortsbeiratsmitglied, stellte heraus, dass geklärt werden müsse, ob es grundsätzlich unter der Bürgerschaft eine Bereitschaft gebe, das Haus zu erhalten. Mehrere Bürger monierten ein fehlendes Nutzungskonzept. Um solch ein Dorfgemeinschaftshaus von einem Verein zu übernehmen, müsse bekannt sein, wie viel das Haus genutzt werde und ob sich die Übernahme lohne.

Schorge wies auf die Gefahr hin, dass das Haus „wegkomme“, wenn sich keine Aktivitäten vor Ort entfalten. Er schlug vor, dort zum Beispiel in den Wintermonaten feste Spielabende einzurichten und gemeinsame Sport- und auch Bastelgruppen zu installieren. Ortsbeiratsmitglied Helmut Michel vertrat die Meinung, dass nicht die Gemeinde ein Konzept erstellen soll, sondern die Bürger, die den Weiterbestand wollen.

Für die dringende Renovierung des Gemeinschaftshauses würden erhebliche Kredite benötigt. „Wie sollten diese dann abgetragen werden?“, wollte ein Bürger wissen.

Ein anderer Bürger war der Meinung, dass sich das vorgestellte Modell mit den Kosten und nicht unerheblichen Investitionen nicht verwirklichen ließe. Schorge vertrat die Auffassung, dass die mit 150000 Euro veranschlagten Investitionen deutlich zu hoch gegriffen seien.

Ortsvorsteher Martin Hardt will in Absprache mit dem ­Ortsbeirat an die etwa 130 ­Haushalte in Rollshausen Fragebogen zu dem Thema „Fortbestand des Dorfgemeinschaftshauses“ verteilen, um ein Votum für das weitere Vorgehen einzuholen.

Zukünftig bis zu fünf Bestattungsformen

Intensiv wurde auch das ­Thema „Neufassung der Friedhofs­satzung“ diskutiert, zu der dem Gemeindevorstand einige Änderungswünsche mitgeteilt wurden. Diese Neufassung sieht vor, dass sich die Ruhezeit auf 30 Jahre reduziert und dass die Grabräumung durch die Gemeinde erfolgt. Für Rollshausen sieht die Neufassung der ­Friedhofssatzung die Bestattungsformen Einzel-, Doppel-, Urnen-, Rasen-Reihen- und ­Rasen-Urnengräber vor.

von Klaus Peter

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