Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
"Zurück zum Sonntagsbraten"

Direktvermarkter "Zurück zum Sonntagsbraten"

Bevor Fleisch von Angusrindern und Puten der Familie Hoffarth auf dem Teller landen, ist sichergestellt, dass die Tiereartgerecht gehalten wurden.

Voriger Artikel
Die Stunde der Verbandsvertreter
Nächster Artikel
Zeichen für Waldschule stehen auf Grün

Claudia und Dieter Hoffarth mit ihren Angusrindern, die in Gruppenhaltung auf Stroh stehen. Foto: Silke Pfeifer-Sternke

Quelle: Foto: Silke Pfeifer-Sternke

Lohra. Lohra. Dieter und Claudia Hoffarth sind nicht zufrieden, wenn es den Tieren auf ihrem Hof Eselsmühle in Lohra schlecht geht. Die Agraringenieure stellten den landwirtschaftlichen Betrieb 1990 mit der Geburt des ersten Sohnes auf Bio um und sind dem „Naturland Verband“ angeschlossen.

„Bio ist kein Trend, man muss es leben“, sagt Claudia Hoffarth. Biohöfe hätten nichts Neues erfunden. Vielmehr wirtschaften Biolandwirte heute so wie die Großeltern, nur mit der Unterstützung von Maschinen und moderner Technik.

Hoffarts haben nach dem Studium ihr Hobby zum Beruf gemacht. Der Arbeitstag beginnt meist um acht Uhr und endet während der Saison auch mal nach 16 Stunden – und das sieben Tage pro Woche. Trotz der vielen Arbeit bleibt immer auch Zeit, sich eine Auszeit zu nehmen. Gearbeitet wird, bis das Tagewerk erledigt ist. Während der Wintermonate wird es zwar ruhiger auf dem Hof. „Aber es ist immer etwas zu tun“, sagt DieterHoffarth.

Claudia Hoffarth ist eine „Außer-Haus-Vegetarierin“

Ende der 1980er-Jahre stellten Hoffarths die Zuchtsauenhaltung ein und begannen mit der Zucht und Haltung von Angus-Mutterkühen. Bei der Haltung achten sie besonders darauf, dass die Tiereartgerecht leben, sich viel bewegen können und selbst angebautes Futter erhalten.

„Unsere Tiere wachsen langsam. Die Kälber bleiben acht bis neun Monate bei den Müttern und werden von deren Milch, und Gras ernährt“, erklärt Dieter Hoffarth.

Irgendwann landen die Jungtiere, die nicht zur Zucht verwendet werden, dann auf dem Teller. Bis dahin sollen sie ein zufriedenes Leben gehabt haben. „Ich esse Fleisch nur, wenn ich das Tier vorher gekannt habe, oder weiß, dass es eine artgerechte Haltung hatte“, sagt Claudia Hoffarth, die sich auch als „Außer-Haus-Vegetarierin“ bezeichnet. Ihr Motto lautet ohnehin: „Zurück zum Sonntagsbraten.“ Es werde zu viel Fleisch verzehrt und deshalb zu viel Billigprodukte angeboten, von denen der Verbraucher weder weiß, wie die Tiere gelebt noch wie sie ernährt worden sind. Das gehe zulasten der Tiere.

Zu den Rindern sind Hoffarths damals über die Pferde gekommen, die schon immer auf dem Betrieb gehalten und gezüchtet wurden. „Pferde sind ganz miserable Weidetiere“, erklärt Claudia Hoffarth, „sie fressen sehr selektiv, und dadurch entstehen viele Geilstellen, die jetzt aber von den Kühen gefressen werden.“

Angus sind hornlos, umgänglich, anspruchslos in der Fütterung, leichtkalbig, frühreif und besitzen eine hohe Milchleistung. „Vor allem ist ihr Fleisch ein echtes Gourmet-Fleisch, denn es ist zart und wunderbar marmoriert“, sagt sie.

„Nicht umsonst hat mein Fleisch bei ‚Lecker Hessen‘ die meisten Punkte erhalten“, lacht Claudia Hoffarth. Jedoch produzieren die Hoffarths nicht nur Fleisch, sondern sie züchten und verkaufen ihre Tiere europaweit: nach Spanien, in die Schweiz, nach Rumänien und sogar nach Aserbaidschan. Ehrenamtlich sind die Züchter in Interessengemeinschaften der Pferde und Rinder sehr aktiv. „Das ergibt sich so“, sagt Claudia Hoffarth.

Das Angusfleisch wird in 15-Kilo-Portionen verkauft, ist ungefähr zehn Tage abgehangen und wird frisch zerlegt. Geschlachtet wird hofnah bei einem kleinen Metzgereibetrieb. Als Hoffarths damals auf Bio umgestellt haben, wurden sie noch belächelt. Heute ist die Familie stolz darauf, dass „Lohra immer grüner wird“. Vieles an Wissen mussten sie sich selbst aneignen und auch aus Erfahrungen und Fehlschlägen lernen. Und manches klärte sich in einem Fachgespräch mit anderen Bio-Pionieren.

„Wenn ich Mist streue, dann füttere ich meine Mitarbeiter.“ Dieter Hoffarth meint die Regenwürmer, die dafür sorgen, dass sich der Boden nicht verdichtet. Biolandwirte ernten auf derselben Fläche weniger, doch die Fruchtfolge ist viel abwechslungsreicher als in der konventionellen Landwirtschaft, und der Boden wird nicht mit Pestiziden und chemischen Düngemitteln belastet. „Man muss den Boden als Organismus ansehen, ihn pflegen und für die nachfolgenden Generationen erhalten“, sagt Dieter Hoffarth.

Auf ihrem Hof, der seit Generationen in Familienbesitz ist, leben Hoffarths relativ autark. Sie produzieren ihren Strom über Solaranlagen auf den Dächern, heizen das gesamte Haus mit Holz aus dem eigenen Wald, eine Solarthermie-Anlage sorgt für warmes Wasser, und die Wasserkraftanlage der ehemaligen Mühle versorgt das Haus mit Strom – seit 1985/86. Der Familienbetrieb ist immer bemüht, etwas zu verbessern, dennoch will Claudia Hoffarth „nicht jedes Geschäft mitnehmen“. Ideen werden aufgenommen und abgewogen auf ihre Umsetzbarkeit. Geld verdienen um jeden Preis kommt für sie nicht in Frage.

Die Putenhaltung und Vermarktung betreiben sie seit gut 20 Jahren. Sie werden im Herbst (September/Oktober) geschlachtet und nur auf Bestellung verkauft. Ein Weihnachtsgeschäft mit Puten gibt es nicht.Wer vor Weihnachten anruft – und das sind nicht wenige –, den vertröstet Claudia Hoffarth auf das nächste Jahr. „Unsere Kunden sollten schon eine Gefriertruhe haben, aber dann haben sie das ganze Jahr über Puten- und Rindfleisch“, sagt sie.

Hochwertiges Fleisch durch gutes Futter und Bewegung

Das Putenfleisch beschreibt sie als mager, zart, schmackhaft und supersaftig. Erreicht werde dies durch hochwertiges Futter und die Bewegung. „Nicht nur der Geschmack ist wichtig, man muss auch mit einem guten Gewissen das Fleisch essen können“, sagt Hoffarth. Wenn man ein gutes Grundprodukt koche, benötige man keine Hilfsmittel zur Geschmacksverstärkung.

Ihre Grundeinstellung zur artgerechten Tierhaltung haben Hoffarths auch in den Pferdebetrieb übernommen. Die Pferde werden in einem Aktiv-Stall gehalten, leben in Gruppen, Stroh steht immer zur Verfügung, und das Heu wird individuell per Chip über den Tag verteilt rationiert.

So ist der Raufutterfresser Pferd den ganzen Tag beschäftigt und in Bewegung. „Alle Bedürfnisse der Pferde werden erfüllt“, sagt Claudia Hoffarth. Nur so fühlt es sich für die fünfköpfige Familie richtig an.

von Silke Pfeifer-Sternke

 
 
BETRIEBSDATEN

Name:
Hof Eselsmühle

Gründungsjahr:
1978 übernahm Dieter Hoffahrt den elterlichen Betrieb

Fläche und Anbau:
310 Hektar; Getreide, Erbsen, Bohnen, Grünland

Tierhaltung:
50 Mutterkühe Angus, Putenmast (nur im Sommer), Zucht Welsh Ponys und Welsh Cobs, Pensionspferdehaltung

Mitarbeiter:
Ein Mitarbeiter und Familie

Vermarktung:
Saisonale Vermarktung von Angus- (Ende November bis Mai) und Putenfleisch (September/Oktober) nur auf Bestellung ab Hof

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr