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Zug fährt Ende des Jahres ab

Innenstadt-Insel Zug fährt Ende des Jahres ab

Der Bau- und Planungsausschuss befürwortet den Entwurf für die Neugestaltung der Innenstadt-Insel. Gleichwohl gab‘s in dem Gremium zu diesem Thema hitzige Diskussionen.

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Der derzeitige Zustand der Innenstadt-Insel, des Geländes zwischen Teichstraße und Marktstraße soll grundlegend umgestaltet werden. Am Mittwoch wurde die Planung erstmals öffentlich vorgestellt.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Gladenbach. Mithilfe des vom Parlament im Dezember 2010 einstimmig auf den Weg gebrachten Stadtumbauprojektes soll Gladenbach eine attraktive Einkaufs- und Wohnstadt bleiben.2012 erfolgte der zweite Schritt: In den Haushalt wurden 1,2 Millionen Euro eingestellt. Sie sollten in die Planung des Projektes, die ersten baulichen Veränderungen und nicht zuletzt in den Grunderwerb investiert werden.Seit Jahrzehnten wird in Gladenbach über Ideen gesprochen, wie das teilweise unansehnliche Areal zwischen Teichstraße und Marktstraße attraktiver gestaltet werden könnte, so lange läuft auch die bisher vergebliche Suche nach Investoren. Das Programm Stadtumbau West bietet der Stadt Gladenbach die - wohl auf lange Sicht - einmalige Chance, die Umgestaltung der Innenstadt-Insel mithilfe von Zuschüssen in eigener Regie zu bewältigen.

Kritik an der vorgesehenen Pflasterung

Ohne das Parlament wären auch private Investitionen nicht ohne Weiteres möglich, denn die Planungshoheit liegt in Händen der Stadt.Im Mittelpunkt steht die Umgestaltung der jetzigen Brachflächen zu Grünanlagen und Parkflächen, eine großzügige Bepflanzung der Randzonen sowie die Herstellung von zusätzlichen Wegeverbindungen zwischen Marktplatz und der Marktstraße. Damit soll die trennende Wirkung der Teichstraße aufgehoben werden. Ein sicheres Überqueren der Straße ist bisher nur an der Fußgängerampel möglich, die den Marktplatz mit der Volksbankpassage verbindet. Diese Vorgaben waren auch Grundlage für die Planungen, mit denen sich das Fachbüro SHK-Landschaftsarchitekten aus Gießen beschäftigte. Der sogenannte Entwurfsplan wurde am 23. April dem Magistrat und dem Ortsbeirat vorgestellt. Öffentlich zu hören und zu sehen waren die Ideen der Planer erstmals am Mittwoch im Bau- und Planungsausschuss.Fast jeder Diskussionsteilnehmer sprach davon, dass er zunächst erschrocken gewesen sei, als er den Plan für die Innenstadtinsel gesehen habe. Auf dem Areal sei zu viel Parkraum und zu wenig Platz zum Verweilen vorgesehen, lautete die am häufigsten genannte Kritik gegen den Plan. Am Ende stand der Diskussion stand bei den meisten Kritikern die Erkenntnis, dass unter Berücksichtigung der Vorgaben, Wünsche und der Zwänge kein viel besser Plan herauskommen kann.

Bevor zeitweise sehr emotional diskutiert wurde, stellte Landschaftsarchitekt Hans-Werner Kuhli die Planung vor. Er erinnerte, dass mit der Umgestaltung der Flächen das Stadtbild verbessert werden soll, ein Platz zum Verweilen und Parkraum geschaffen werden solle. Die Planer haben eine zusammenhängende Fläche vorgesehen, die Platz für Veranstaltungen bietet. Umgestaltet wird nach den derzeitigen Planungen auch das angrenzende Volksbankgelände.

Sie sei bereit, ihre Flächen mit einzubringen und in die Gesamtgestaltung mit einzubeziehen. Insgesamt sind auf dem Areal rund 100 Parkplätze vorgesehen, zwei Drittel davon müssen verpflichtend zur Verfügung gestellt werden. Sie sollen aber nicht fest zugeordnet werden, damit bei Veranstaltungen der gesamte Platz genutzt werden kann und für diese Zeit fürs Parken etwa auf den Marktplatz ausgewichen werden kann.

Fördergelder verfallen bei Planungsumschwung

Hans-Werner Roth (CDU) störte sich an der vorgesehenen Pflasterung, fürchtete zum einen, dass sie - ähnlich wie auf dem Marktplatz - durch die Fahrzeuge losgerüttelt werde und empfahl, die Fläche zumindest teilweise zu asphaltieren. Seine Einschätzung, das sei billiger, wurde sogleich von Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim (CDU) dementiert. Edmund Zimmermann (Junge Liste/Die Grünen) gab zu bedenken, dass mit der Pflasterung Flächen versiegelt würden, dafür müsse die Stadt entsprechende höhere Gebühren an den Abwasserverband zahlen, obwohl sie doch noch nicht einmal genug Geld habe, um jährlich ihre erfolgreichsten Sportler zu ehren. Er fühlte sich mit der jetzt zu fällenden Entscheidung unter Druck gesetzt. Ähnlich argumentierte Christian Becker (CDU). Sie kritisierte auch die Art und Weise wie diskutiert werde. Auf Fragen werde unfreundlich und aggressiv geantwortet. „Wir können nicht alles wissen, deswegen fragen wir. Und wenn nicht hier wo sonst?“, sagte sie. Becker betonte, sie sei nicht gegen die Planung, aber gegen die Vorgehensweise und Diskussion darüber. Letzteres monierte auch Peter Kremer (SPD) und erinnerte, dass immer die Rede davon gewesen sei, das nach der Planvorstellung noch Änderungen möglich seien, nun werde aber mit der Entscheidung wieder Druck gemacht.

Hans-Hermann Ullrich (CDU) konnte sich nicht damit anfreunden, dass die Stadt die Parkplätze aufwerte ohne von den Anliegern, die sie nutzen, eine Gegenwert zu bekommen. Der Bürgermeister ging sehr emotional auf die wesentlichen Kritikpunkte ein. Man dürfe nicht erwarten, dass auf dem Gelände ein „Luxusschloss“ errichtet werde. Ein großer Teil der geplanten Parkplätze sei unabdingbar. Weitere seien wünschenswert, weil gerade in der Marktstraße die Stellplätze rar seien. „Es ist eine Schande, wie sich Gladenbach in den vergangenen 30 Jahren in der Mitte entwickelt hat“, sagte Knierim. Nun habe man die einmalige Chance, das Gelände zu ordnen. Von dem Gedanken, morgen einen Investor zu finden, der dort etwas Großes auf die Beine stelle, müsse man sich trennen. Dafür sei das etwa 3000 Quadratmeter große Gelände zu klein. „„Der Zug ist abgefahren“, sagte Knierim und ergänzte: Wir kriegen keine bessere Planung hin, für eine neue sei ohnehin keine Zeit mehr. „Der Zug fährt Ende des Jahres ab“, wenn die Magistratsvorlage nicht auf den Weg gebracht werde. Wenn man von dem eingeschlagenen Weg abweiche, verfielen die Fördergelder, mahnte der Bürgermeister.

Sechs Ja-Stimmen

Bauamtsleiter Ulrich Weber machte deutlich, dass man bei den Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern auch Zugeständnisse machen musste. Die Parkplätze, die man zur Verfügung stellen müsse, sollten aber nicht fest zugeordnet sein, sonst beraube man sich der Möglichkeit, dort Feste, Konzerte oder den Wochenmarkt auszurichten. Das gleiche gelte etwa für Grünflächen, Bäume oder Sitzgelegenheiten, wenn man sie mitten auf dem Gelände platziere. „Ich habe es damals für fast unmöglich gehalten, dass wir so weit kommen wie wir jetzt sind“, sagte er und erinnerte an den „Flickenteppich“ an Privatgrundstücken, die man erwerben musste und die vielen unterschiedlichen Vorstellungen der Eigentümer, die es bei den Verhandlungen zu berücksichtigen galt,

Mit sechs Ja-Stimmen, bei einer Nein-Stimme und zwei Enthaltung sprach der Ausschuss dem Parlament die Empfehlung aus, dem Entwurfsplan zuzustimmen und empfahl, die weiteren Schritte zur Umsetzung des Projektes in die Wege zu leiten. Folgt das Parlament in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag dieser Empfehlung, dann würde die sogenannte Ausführungsplanung folgen. Der Zeitplan sieht vor, dass sie bis Ende Juni fertiggestellt werden soll. Die Ausschreibung könnte bis Mitte August erfolgen, die Auftragsvergabe Ende Oktober. Wenn dies alles nach Plan funktioniert, könnte bereits im November mit den Bauarbeiten begonnen werden Gladenbachs neugestaltete Innenstadtinsel im Juli nächsten Jahres eingeweiht werden.

Ohne Gegenstimmen befürwortet hat der Bau- und Planungsausschuss den Beschluss des Bebauungsplans für das neue Baugebiet „Unter dem Schlossberg“, die Erteilung des Planungsauftrages für die Errichtung von Windenergieanlagen auf dem vorgesehenen Standort in den Gemarkungen von Rachelshausen und Römershausen sowie den zweiten Bauabschnitt für den Umbau des Regionalmuseums „Hinz Hoob“ in Weidenhausen. (Bericht folgt)

von Hartmut Berge

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