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Zieht bald wieder Kinderlachen ein?

Hallenbad Wallau Zieht bald wieder Kinderlachen ein?

Wenn der Putz bröckelt, wird es Zeit für etwas Neues. Das Wallauer Hallenbadgebäude ist nach neun Jahren Leerstand reif für die Abrissbirne.

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Am Eingang des Hallenbadgebäudes nagt der Zahn der Zeit. Der Putz bröckelt, die Fließen zerspringen.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Wallau. Wo einst Rentner in den Morgenstunden ihre Bahnen zogen, Mütter mit ihren Kleinkindern im Planschbecken spielten, Schulkinder das Schwimmen lernten und Berufstätige abends ins Wasser sprangen, bröckelt der Putz von den Wänden. Wer durch den Maschendraht blickt, sieht ein verfallenes Gebäude. Der Glanz der ersten Jahre ist verschlissen. Auf dem Schwimmbadgelände  in Wallau ist es seit neun Jahren still. Keine kreischenden Kinder, keine Badeaufsicht, die das Springen vom Beckenrand verbietet, keine DLRGler, die für ihre Einsätze als Rettungsschwimmer üben.

"Das Spielen ernstnehmen"

Endlich ist Wallau bereit für einen neuen Weg – ohne Bad. Zwar geisterte in den Köpfen viele Jahre der Erhalt, doch nichts dergleichen ist realisierbar – auch kein Naturbad. Geschwommen wird woanders, spielende Kinder sollen aber bald wieder auf dem Gelände  zu sehen und zu hören sein.

Jacques-Yves Cousteau definierte das Spielen als etwas, das man ernst nehmen sollte. Die Forschungsstelle für Frei- und Spielraumgestaltung (FFS) hat sich dieses Themas für Wallau angenommen. Auf dem Hallenbadgelände sollen sich Jung und Alt treffen – das Spiel nimmt eine zentrale Rolle ein. Ganz ohne Wasser kommt das Konzept nicht aus. Eine Spielanlage mit Quelle, Wasserläufen, Staustufen, Wasserrad, archimedischer Spirale, Fontäne und Becken ist geplant. Der Wasserlauf soll übrigens in eine Matschanlage führen – ein Eldorado für kleine Kinder. Eine Grafik zu den Plänen für das Hallenbadgelände finden Sie hier:

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Potenzial noch nicht ausgeschöpft

Von einer Sitzgruppe aus haben die Erwachsenen einen guten Blick auf ihren Nachwuchs, andere können beim Boulespiel die Zeit vergessen. Dass sie das Leben in vollen Zügen genießen, wurde einst nur französischen Königen nachgesagt, das neue Konzept macht „le savoir-­vivre“ auch auf dem platten Land möglich.

230 000 Euro wären im Haushalt 2015 vorgesehen

Nächsten Donnerstag entscheidet das Biedenkopfer Parlament, ob der Traum vom Generationentreff für die Wallauer wahr wird. Ein Grundsatzbeschluss muss her. Dann kann das Hallenbadgebäude abgerissen werden und etwas Neues entstehen.
„Auch wenn am Montag die Mehrheit mit Ja stimmt, heißt es nicht, dass morgen die Bagger kommen“, sagt Bürgermeister Joachim Thiemig. Die Stadt hat trotzdem vorgesorgt: 230 000 Euro sind im Haushalt 2015 vorgesehen. Jetzt steht noch das Klinkenputzen für Fördermittel an. Biedenkopf muss sich auf die „Reise nach Zuschüssen machen. So schnell wie möglich müssen die Anträge gestellt werden“, sagt Thiemig. In diesem Jahr will der Bürgermeister das Konzept umsetzen – zumindest teilweise. Die Ideen für die Umnutzung des Geländes lieferten die Wallauer höchstselbst in einem Workshop im Februar vergangenen Jahres, elf Monate später stellten Planer das Machbare vor.

Angebot für alle Generationen

Längst sind nicht alle Potenziale ausgeschöpft. Eine Spende der Rotarier ermöglicht den Bau einer Halfpipe. Dieses Angebot hatten die Planer nicht auf dem Schirm. Dafür umso mehr Angebote, die Jung und Alt gleichermaßen begeistern dürften. Wenn junge Menschen auf ältere treffen, kann auch Disharmonie entstehen. Schriftsteller Evelyn Waugh gab deshalb jungen Menschen den Tipp: Sie sollten daran denken, dass sie die alten Herrschaften von morgen sein werden.
Dies zu beherzigen bedeutet, beidseitig vom Angebot zu partizipieren. Mit anderen Worten: Morgens genießen Rentner „le savoir-vivre“, mittags spielen Kleinkinder im Matsch, nachmittags rollen Jugendliche über die Halfpipe, abends lassen Berufstätige den Tag im Grünen ausklingen und innerhalb der Schnittmengen treffen sich die Jungen mit den Alten.

von Silke Pfeifer-Sternke

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