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Zeichen für Waldschule stehen auf Grün

Ex-Pfandfindercamp Zeichen für Waldschule stehen auf Grün

Bisher gibt es eine „Walden School“ in Europa nur in Norwegen. Das könnte sich ändern. Die Stimmung in Hommertshausen scheint dazu überwiegend positiv zu sein.

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Die Gebäude des ehemaligen Pfadfindercamps sollen künftig bis zu 30 Schülern einer Naturschule Platz bieten.

Quelle: Sascha Valentin

Hommertshausen. Von der Sache überzeugt und nach der Bürgerinformation am Dienstagabend optimistisch äußert sich Bürgermeister Bernd Schmidt (FW) zum Projekt, auf dem Gelände des ehemaligen US-Pfadfindercamps Lachenwald bei Hommertshausen eine „Walden School“ einzurichten. Sein Eindruck des Abends sei, dass die Mehrheit der rund 40 Hommertshäuser der Idee positiv gegenüberstehen, es aber auch kritische Stimmen von Jägern und Forstleuten gibt.

Nun sollen noch die offiziellen Reaktionen der Jagd- und Forstvereinigungen und des Ortsbeirats abgewartet werden, bevor sich die gemeindlichen Gremien im Januar mit dem Projekt beschäftigen. Wenn alles positiv verlaufe, könnte es eine Beschlussvorlage für die Sitzung der Gemeindevertretung im Februar geben, meint Schmidt.

Als weiteren positiven Faktor wertet der Bürgermeister die ihm von Investor Günther Hoffmann (Foto) am Dienstagabend gemachte Zusicherung, dass die Forderungen der Gemeindevertretung kein Problem darstellen. Unter anderem soll der Investor - bei kostenfreier Überlassung des Geländes von der Gemeinde zur Nutzung fürs Schulprojekt - sämtliche entstehende Kosten tragen und eine durch Bankbürgschaft abgesicherte Rückbauverpflichtung eingehen. Der Sportwissenschaftler und Outdoor-Experte Hoffmann will aus dem Camp Lachenwald eine Naturschule machen. Sechs Monate im Jahr würden bis zu 30 Schüler mit ihren Lehrern und Trainern auf dem Gelände leben. Der gebürtige Biedenkopfer lebt in Schleswig-Holstein und betreibt ein ähnliches Projekt in Norwegen. Das Outdoor-College in der Kommune Sirdal im Süden Norwegens richtet sich an deutsche Schüler der neunten Klasse. Von August bis Februar leben sie dort und nehmen den Unterrichtsstoff des deutschen Lehrplans durch, werden außerdem im Leben und Umgang mit der Natur geschult.

„Die Idee ist, den Schülern eine andere Form von Schule zu bieten. Kein Frontalunterricht, sondern die Möglichkeit, erlebnisorientiert und in natürlichem Umfeld zu lernen“, erklärte Hoffmann. So soll es auch in Hommertshausen sein. Die private Naturschule wird als Internat organisiert, in dem die Schüler zusammen lernen und arbeiten, Essen zubereiten, kochen, ihr Camp sauberhalten und gemeinsame Aktivitäten wie Trekkingtouren oder das Navigieren mit Karte und Kompass erleben. Dazu dienen pro Monat eine Woche sowie die Wochenenden, beschreibt Hoffmann das Konzept der Naturschule.

Ganz wichtig ist Hoffmann, dass sich die Schüler nicht abschotten. „Das soll keine Enklave sein, mit der keiner etwas zu tun haben will“, betonte er. Der Austausch und die Zusammenarbeit mit den Bürgern des Ortes sei ein wichtiger Bestandteil des schulischen Konzepts.

Andrea Döring, Mutter zweier Kinder, fragte nach den Möglichkeiten einer Bewerbung für die Schule. Die 30 Plätze werden in ganz Deutschland ausgeschrieben, die Bewerber nach schulischer Leistung und sozialen Kompetenzen ausgesucht, erklärte Hoffmann. Den Besuch der Privatschule „Walden School“ müssen aber die Eltern bezahlen - unter 2000 Euro monatlich, schätzt Hoffmann. Der Leiterin des Kindergartens Mornshausen, Ute Saßmannshausen, antwortete Hoffmann, dass eine Kooperation mit dem Waldkindergarten ebenso wünschenswert wäre wie die mit den umliegenden Schulen.

Als entschiedener Gegner des Projekts outete sich Siegfried Burk. Er appellierte an die Hommertshäuser und die politisch Verantwortlichen, sich gegen die Naturschule auszusprechen. Seine Begründung: Dasselbe Konzept wurde für das Camp Freedom in Dautphe gestoppt, weil die zu erwartenden Beeinträchtigungen für den Jagdpächter zu hoch gewesen seien. Dieses Recht sollte man auch dem Hommertshäuser Jagdpächter zugestehen, betonte Burk.

Ihm entgegnete Bürgermeister Schmidt, dass in Dautphe ein Adventure- und Abenteuerpark mit Klettergarten und Nachtwanderungen vorgesehen war. Schmidt entkräftet auch Burks Argument, die geplante Schule verursache der Gemeinde zusätzliche Kosten. Im Gegenteil, die Gemeinde würde von einer solchen Naturschule sogar profitieren. Denn es wäre deutschlandweit die erste Schule dieser Art, und das bedeute einen riesigen Imagegewinn für die Gemeinde Dautphetal.

„Der Wald ist nicht nur für die Jäger da“, hielt Peter Gerlach Burk entgegen und erntete dafür Applaus. Und auch Holm Müller, Vorsitzender des SSV Hommertshausen, sprach sich für das Projekt aus. Er freue sich, wenn junge Menschen in den Ort kommen, dass sie an die Natur herangeführt werden und etwas anderes kennenlernten als nur Technik. Müller appellierte an die Privatwaldbesitzer und Jäger, das Vorhaben zu unterstützen. Denn vor ihm wies Armin Kolbe als Vorsitzender der Forstbetriebsvereinigung darauf hin, dass er von mehreren kritischen Waldbesitzern angesprochen worden sei und dass Hoffmann die Genehmigung der Waldbesitzer brauche, damit sich die Kinder und Jugendlichen im Wald aufhalten dürfen. Den darauf folgenden leichten Unmut unter den Teilnehmern der Informationsrunde besänftigte Schmidt: Das Camp sei von jeder Menge Gemeindewald umgeben. Selbst wenn alle Privatwaldbesitzer die Genehmigung verweigerten, wäre das sicherlich kein K.-o.-Kriterium für das Projekt, betonte er.

von Gianfranco Fain und Sascha Valentin

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