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Biedenkopfer Tafel: Tag der offenen Tür

Zehn Jahre verteilen statt vernichten

Zum zehnjährigen Bestehen der Biedenkopfer 
Tafel gewährte diese Interessierten einen Einblick hinter ihre Kulissen.
Tafelmitarbeiter prüfen die Lebensmittel, bevor sie in die Kisten für große Familien wandern. Privatfoto

Tafelmitarbeiter prüfen die Lebensmittel, bevor sie in die Kisten für große Familien wandern.

© privat

Biedenkopf. In den Regalen sehen die Besucher am Tag der offenen Tür lediglich länger haltbare Waren. Gut gefüllte Körbe mit Blumenkohl, Salat, Würstchen, Milch und Joghurt, ein ganzes Regal voller Brot und ehrenamtlich Mitarbeitende beim Sortieren der Lebensmittel sind Anfang Juli lediglich auf großformatigen Bildern zu sehen. Denn die Mitarbeiter verteilten die frischen Lebensmittel am Ausgabetag vor dem Wochenende an die Kunden.

Die Tafelmitarbeiter zeigten ihren Gästen die Räume und beantworteten deren Fragen zur Organisation und zu den Abläufen im Tafelbetrieb. Zudem konnten die Besucher sich anhand von Zeitungsberichten, einem Umfrageergebnis und Grafiken über die Entstehung der Tafel, die Kundenentwicklung und die Motivation ehrenamtlich Mitarbeitender informieren.

Freiwillig Engagierte sind bei der Biedenkopfer Tafel jederzeit willkommen. Dringend 
 gesucht werden Mitstreiter im vierzehntägigen Rhythmus zum Sortieren der Lebensmittel und für den Fahrdienst.

Sichtlich schwer fiel es einem der Ehrenamtlichen, seinen Abschied bei der Tafelarbeit aus gesundheitlichen Gründen bekannt zu geben. Er bedankte sich bei seinen „Kollegen“ für die Freundlichkeit, die gute Zusammenarbeit und das familiäre Miteinander.

Thiemig: „Schade, dass man die Tafel braucht“

Das Jubiläum des zehnjährigen Bestehens war kein Grund zum Jubeln. Vielmehr sagte der Vorsitzende Helmut Kretz: „Für ein so reiches Land ist es kein gutes Zeugnis, dass es so viele 
Tafeln gibt.“ Die Tafel zeigten 
einerseits den Überfluss an 
Lebensmitteln, von dem nur ein kleiner Teil vor der Vernichtung bewahrt werde. Andererseits verdeutliche die Tafelbewegung, wie sehr die Schere zwischen arm und reich auseinander gehe.

Kretz erläuterte, dass die Biedenkopfer Tafel bis auf eine Reinigungskraft ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern betrieben werde. Diesen sprach er ein großes Lob aus und dankte allen Spendern. Der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Wege machte klar, wie wertvoll der Einsatz der Freiwilligen ist, da der Landkreis diese Arbeit nicht leisten könne. Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig würdigte das Engagement mit den Worten: „Schade, dass man sie braucht, aber gut, dass es die Tafel gibt.“

Neben der Weitergabe an finanziell bedürftige Menschen leistet die Tafel einen sozial integrativen Beitrag, verdeutlichte 
Kretz. So bringen sich in der Biedenkopfer Tafel auch Kunden, Flüchtlinge und Praktikanten ein. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse einer fünfzehnjährigen Schülerin zitierte  Kretz aus deren Praktikumsbericht: „In der Regel bin ich es gewohnt, die Kleidung zu kaufen, die mir gefällt oder auszusuchen, was ich essen möchte. Ich habe realisiert, dass es ein Privileg ist, sich keine Sorgen über die eigene Existenz machen zu müssen.“ Die Schülerin kam zu dem Schluss, dass wichtig ist, sich für andere einzusetzen.

 
 Tafel in Zahlen

 Zahlen aus dem Jahr 2016:

Ausgabestellen: 5 in Biedenkopf, Bad Laasphe, Breidenbach, Dautphe und Steffenberg
Kühlfahrzeuge: 2
Kunden pro Woche: 760
Mitglieder: 300
Mitarbeitende: 130
Spender: 40 Geschäfte

 
 Die 1-Euro-Epender
Besonders kreativ unterstützen die „1-Euro-Spender“ aus Steffenberg und Umgebung die Biedenkopfer Tafel. Die von Siegrid Hinn im Jahr 2009 gegründete Initiative fing mit 18 Spendern an und wuchs im vergangenen Jahr auf 32 Spender an. Jeder von diesen gibt pro Woche mindestens einen Euro. Davon kauft Hinn in Abständen Lebensmittel, die bei der Tafel benötigt werden. Es bringe ihr manchmal überraschte Blicke ein, wenn sie gleich 50 Gläser Nutella im Einkaufswagen habe, erzählt sie. Insgesamt sammelte sie bisher 12.059 Euro ein und leitete diese als Lebensmittel an die Tafel weiter. Wer sich dem Projekt anschließen oder etwas Ähnliches in einem anderen Ort ins Leben rufen möchte, kann von Siegrid Hinn unter Telefon 06464/8943 Tipps erhalten.
 

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