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Wo kommt der Diesel-Fleck her?

Windpark Hilsberg Wo kommt der Diesel-Fleck her?

Gegner des Windparkstandorts am Hilsberg haben am Mittwoch eine Diesel-Lache auf dem Lagerplatz bei Bottenhorn entdeckt. Der durchdrängte Schotter wurde bereits ausgebaggert.

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13 mal 3 Meter groß war der Diesel-Fleck auf der geschotterten Lagerfläche. Mittels eines Minibaggers wurde das Material abgetragen und wird entsorgt.

Quelle: privat

Bottenhorn. Die Standortgegner benachrichtigten schließlich die Polizeistation in Biedenkopf. Eine Streife nahm noch am Dienstagnachmittag die Anzeige auf und den Platz in Augenschein. Auf der geschotterten Wiesenfläche lagert die Firma Enercon ihre vom Werk aus meist nachts per Schwertransport nach dort transportierten Betonteile für die Windkraftanlagen.

So haben die Monteure genügend Teile vor Ort, um tagsüber ohne Zeitverzug bauen zu können. Bernd Grebe, kaufmännischer Betriebsleiter des Bad Endbacher Eigenbetriebs „Kur, Tourismus, Energie“ berichtete am Mittwoch auf Anfrage der OP, die Polizeibeamten hätten keinen Anlass gesehen, dass sofort gehandelt werden müsse.

Unklar, aus welchem Fahrzeug der Diesel kam

Am Mittwoch setzte die Polizei die Untere Naturschutzbehörde von dem Vorfall in Kenntnis. Diese beauftragte einen Gutachter aus Herborn, die Diesel durchdrängte Fläche zu untersuchen. Die Firma Enercon sei am Dienstag gegen 18 Uhr über den Vorfall informiert worden und habe, angesichts der Einschätzung der Polizei, zunächst den weiteren Verlauf der Untersuchungen und Ermittlungen am Mittwochvormittag abgewartet.

Auch auf welche Weise und bei welchem Fahrzeug der Diesel ausgetreten sein soll, werde derzeit ermittelt, sagte Grebe. Neben der Polizei setze das Unternehmen alles daran, der Ursache für die Diesel-Lache auf die Spur zu kommen. So seien alle Fuhrunternehmen angerufen worden, die sich am Dienstag mit ihren Fahrzeugen auf der Baustelle befunden hätten, ihre Fahrzeuge zu überprüfen.

Großer Fleck, aber keine Spur

Weder sei bisher an einem der eingesetzten Lastwagen ein Schaden festgestellt worden, noch könne man sich den Vorfall erklären. Unerklärlich sei auch, dass nur der große Dieselfleck auf dem Schotter, aber sonst keine Spur zu sehen sei, wie es etwa bei einem Leck im Tank oder an einer Leitung üblich wäre. Ansonsten sei ein Fleck solcher Größe nur denkbar, wenn ein Fahrzeug stundenlang an einer Stelle gestanden habe, was aber wohl nicht der Fall war. Insgesamt war der Diesel-Fleck 15 Meter lang und 3 Meter breit.

Der mit dem Bagger entnommene Schotter werde fachgerecht, entsorgt, kündigte Bernd Grebe an. Der Gutachter habe tiefer führende Bodenproben entnommen, die noch untersucht würden. „Sollten weitere Verunreinigungen des Bodens mit Diesel festgestellt werden, werde auch der ausgekoffert und entsorgt“, versicherte er.

Enercons Sicherheitsbeauftragter ist alarmiert

Am Mittwoch wurde der ausgehobene Teil mit einer Folie abgedeckt und wieder verfüllt. „Wir brauchen diese Fläche für die Anlieferung“, erklärte Grebe. Die Fläche, auf der der Diesel in den Schotter drang, gehört zu einem Feldweg, womöglich wurde deshalb dort - im Gegensatz zur übrigen Wiesenfläche, kein Vlies untergelegt. Das Vlies dient vor allem dazu, dass sich der Schotter nicht in den Wiesenboden drückt, habe aber keine schützende Funktion etwa im Hinblick auf solche Vorfälle, erklärte ein Mitarbeiter von Enercon. Der Sicherheitsbeauftragte des Unternehmens habe sich des Vorfalls ebenfalls angenommen und weitere Schritte eingeleitet, hieß es am Mittwoch.

Von den Standortgegnern waren am Mittwoch Reinhold Leinweber, Vorsitzender der Bürgerinitiative Holzhausen, Vorstandsmitglied Dieter Jurkat und Dieter Theis (Steinperf) vor Ort. Sie monierten unter anderem, dass sich am Dienstagnachmittag keiner verantwortlich gefühlt habe. „Alle haben weggeschaut“, sagte Leinweber. So habe ein Mann von der Security lapidar geantwortet, es handele sich um Wasser, als er auf den Diesel-Fleck aufmerksam gemacht worden sei. Hätte man die Sache Ernst genommen, sich darum gekümmert und sofort entsprechendes Ölbindemittel aufgetragen, wäre der Schaden nicht so groß, ist sich Dieter Theis sicher. „Wir wollen auch künftig Wasser trinken und kein Diesel im Kaffee“, sagte er. Es gebe ein öffentliches Interesse daran, dass solche Vorfälle in dem Wasserschutzgebiet nicht mehr vorkommen.

von Hartmut Berge

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